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Das Wagnis Fremdenlegion

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Honneur et Fidélité: Walter Best mit seinem Führungszeugnis vom 23. Juli 1956, das ihn mit dem Dienstgrad des Caporal der französischen Fremdenlegion ausweist. kunze/privat
Honneur et Fidélité: Walter Best mit seinem Führungszeugnis vom 23. Juli 1956, das ihn mit dem Dienstgrad des Caporal der französischen Fremdenlegion ausweist. kunze/privat © Robin Kunze

Walter Best (90) erlebte die Schrecken des Krieges in Deutschland und Vietnam

Kriftel - Im Februar 2022 haben mit dem Angriff Russlands die Schrecken des Krieges Einzug gehalten in den Alltag der ukrainischen Bevölkerung. Das Gefühl der Ohnmacht, das Menschen seitdem in Kiew, Lwiw und Charkiw erleben müssen, ist auch Walter Best bekannt. Der heute 90-Jährige wuchs während des Zweiten Weltkriegs in Sindlingen auf. „Allerdings mehr im Keller als in der Wohnung“, betont Best, der sich noch genau daran erinnert, wie er als Kind mit seiner Familie dort während des Bombardements auf den Frankfurter Stadtteil ausharrte. Es mag bizarr wirken, dass Best sich nur sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges freiwillig bei der französischen Fremdenlegion verpflichtete, um selbst in den Krieg zu ziehen. Es waren die Umstände der Nachkriegszeit in Deutschland sowie seine persönlichen, die Best dieses Wagnis eingehen ließen.

Zwischen Küchendienst und Waschkessel

Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht bezogen die Amerikaner in Sindlingen die Räumlichkeiten der Meisterschule, weswegen Best nur sieben Jahre zur Schule gehen konnte. Bereits mit zwölf Jahren arbeitete er tagsüber in der Küche des amerikanischen Stützpunktes, nachts half er seiner Mutter, die Wäsche der Soldaten zu waschen, um das knapp bemessene Einkommen der Familie aufzubessern. Immerhin lernte er so schnell die englische Sprache und die Soldaten kennen. „Die Amerikaner waren immer freundlich zu uns“, erinnert er sich. Hin und wieder bekam er Schokolade, „Chewing gum“ oder andere Kleinigkeiten aus den Soldatenrationen, die in der Nachkriegszeit als Tauschware begehrt waren.

Eine Perspektive gab es für den jungen Mann allerdings kaum, schon gar nicht als Familienvater. Eine junge Frau, mit der Best ein Verhältnis hatte, erwartete ein Kind. Später habe er Kontakt zu seinem Sohn gehabt, doch als damals 18-Jähriger sei er nicht bereit gewesen für die Vaterrolle. „Das habe ich nicht gepackt“, gibt Best ehrlich zu, fixiert dabei den Tisch in seiner Wohnung im betreuten Haus des DRK am Freizeitpark. Bei der Fremdenlegion konnte er gutes Geld verdienen, und ja, auch der Situation entfliehen.

Frankreich, das sich damals im Ersten Indochinakrieg befand, habe dringend Männer gebraucht, berichtet Best. Wie akut der Bedarf war, zeigen seine ersten Stationen in der Fremdenlegion. Nach einer sechsmonatigen Grundausbildung in Tunesien 1951 ging es noch im selben Jahr ins Kriegsgebiet nach Vietnam. Zum Vergleich: Heute dauert es anderthalb Jahre, bis ein Rekrut der Legion in den ersten Auslandseinsatz entsendet wird. „Angst hatte ich nicht, aber ich war mir der Risiken bewusst“, erinnert sich Best an den Beginn seiner fünfjährigen Verpflichtung. Bereit sein für das, was ihn im Dschungel Vietnams erwarten sollte, konnte er nicht. Seinen „besten Kumpel“ aus der Kompanie habe er durch eine Springmine verloren, erinnert sich Best. Selbst geriet er bei einer nächtlichen Patrouille in eine Falle, in der ihn angespitzte Bambusrohre schwer verletzten. „Danach war mein linkes Bein vom Knöchel bis zum Knie entzündet.“ Verloren habe er sein Bein nur deshalb nicht, weil ein spanischer Sanitäter mit einem Feldmesser einschritt.

Nein, gesteht Best, irgendwann habe er nicht mehr daran geglaubt, dass er die vollen fünf Jahre überleben würde. Doch er hatte Glück und kehrte zurück in seine Heimat, wo er kurz darauf seine Frau heiratete. Kennengelernt hatte er seine Mariele noch von Vietnam aus. Auf eine Zeitungsannonce erhielt er 50 Zuschriften aus der Heimat, erinnert sich Best. Die Worte seiner späteren Gattin, mit der er dann eine Familie gründete, hatten es ihm angetan. Zurück in Deutschland leistete er in einem Werk der damaligen Farbwerke Hoechst Akkordarbeit. „Es war Knochenarbeit, meist habe ich schon auf dem Weg nach Hause im Omnibus geschlafen“, sagt Walter Best. Die Schrecken des Krieges hatte er nun aber endlich hinter sich gelassen.

Walter Best in Uniform, 1951.
Walter Best in Uniform, 1951. © Robin Kunze

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