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Apfelbäume stehen überwiegend gut da

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Unterwegs in der Apfelplantage: Michael Hoss, der hofft, dass es bald ordentlich regnet. nietner
Unterwegs in der Apfelplantage: Michael Hoss, der hofft, dass es bald ordentlich regnet. nietner © Hans Nietner

Es gibt genügend Früchte, sie sind aber etwas kleiner / Keine Sorgen um Apfelwein

Kriftel - Das ist wirklich ein Ausnahmejahr“, betont Michael Hoss, „eine absolute Extremsituation, auch wenn wir in den vergangenen Jahren ebenfalls immer mal mit Trockenheit zu kämpfen hatten!“ Diese Herausforderung teilt der Obstbauer mit vielen seiner Kollegen, die in und um Kriftel herum etliche Felder bewirtschaften, auf denen von April viel Obst wächst.

Trotz aller Schwierigkeiten sei es eine zufriedenstellende Saison gewesen. „Wir sind bisher glimpflich davongekommen“. Auch für die Apfelernte sieht es bei den Befragten - neben Hoss auch der Krifteler Ortslandwirt Andreas Theis und Obstbauer Berthold Heil - quantitativ und qualitativ noch recht gut aus.

„Jetzt hängt es aber am seidenen Faden. Denn bislang stecken die Bäume das gut weg, aber wenn irgendwann die Wasserreserven in der Tiefe aufgebraucht sind und nichts mehr nachkommt, dann können von heute auf morgen vollhängende Apfelanlagen umfallen.“

Schäden durch Mäusebiss und zu viel Sonne

Bisher hätten die meisten Bäume die Trockenheit gut kompensiert, bestätigen auch seine Kollegen, aber die noch jungen Pflanzen und Bäume, die durch Mäusebiss oder auch zu viel Sonne geschädigt sind, verlieren bereits Blätter. Auch an Stellen, wo eine Kiesader verläuft und die Bodenqualität nicht so gut ist, sehe man deutlich, dass die Bäume anfangen zu welken, beobachtet Hoss. Manche haben zudem keine Kraft mehr, so dass die Äpfel schon von selbst fallen.

„Jetzt muss man hoffen, dass es irgendwann anfängt zu regnen, denn ansonsten könnte es für die späten Sorten, die wir lagern wollen, eng werden. Wenn die Nächte wieder kühler werden, spielt uns das in die Karten, aber uns fehlt der Regen“, so Andreas Theis. Auf jeden Fall gebe es aber genügend Äpfel, beruhigt Heil, auch wenn sie vielleicht etwas kleiner ausfallen würden: „Ich rechne mit etwa 300 bis 400 Doppelzentner pro Hektar Fläche.“

Bei Hoss sind die Erträge sortenabhängig: „Bei den Frühäpfeln liegen wir bei 25 Tonnen pro Hektar, bei Spätsorten, wie Jonagold, bei über 40 Tonnen pro Hektar. Bisher sieht es auch mit der inneren Fruchtqualität, also dem Zucker-Säure-Verhältnis, das wichtig für das Aroma ist, sehr gut aus.“ Allerdings musste er deutlich ausdünnen, also viele Äpfel in einem frühen Stadium wegschneiden, damit die verbleibenden Früchte die entsprechende Qualität bekommen.

„Zum einen will man den Baum in dieser Stresssituation nicht überlasten, und zum anderen will der Handel eben bestimmte Fruchtgrößen haben.“ Er findet es dennoch erstaunlich, dass die älteren Apfelbäume so viele Früchte produzieren: „Die stehen überwiegend noch gut da, obwohl die Trockenheit und die hohen Temperaturen mit der hohen Verdunstungsrate massiven Stress für sie darstellen.“

Einig sind sich alle darüber, dass Kriftel mit einem guten Boden gesegnet ist. „Die Regionen mit Sandboden brauchen viel mehr Wasser. Wir hier haben einen Lösslehmboden, der über den Winter die Feuchtigkeit sehr gut speichern und dann langsam wieder abgeben kann“, weiß Theis. „Aber irgendwann ist auch da Ende. Eine achtwöchige Periode ohne wesentlichen Niederschlag kann auch eine noch so intensive Bewässerung nicht ersetzen.“ Diese sei ohnehin aufwendig, kostenintensiv und teilweise auch schwierig. Alle jüngeren Bäume und Neupflanzungen müssen intensiv gewässert werden, da diese noch nicht so tief wurzeln. Teils haben die Landwirte dafür Schläuche gelegt, an manche Stellen muss das Wasser auch per Fasswagen gebracht werden. Bei Hoss sind das an manchen Tagen bis zu 50 Kubikmeter. Das Wasser kommt aber nicht aus einem Brunnen, sondern aus dem Trinkwassernetz, was einen hohen Kostenfaktor bedeutet. „Der Preis des Wassers - hier sind es 2,25 Euro pro Kubikmeter - bereitet mir Sorgen“, so Heil. Nicht nur die Obstbauern sind dann die Leidtragenden, sondern auch die Kunden, die letztlich diese Kostensteigerungen mittragen müssen.

Alle bekräftigen jedoch, dass es das ganze Jahr hindurch genügend Äpfel gibt. Nach den frühen Sorten werden jetzt noch bis in den Herbst hinein etwa 15 weitere Sorten geerntet. „Gerade Braeburn, Jonagold und Gala lassen sich gut einlagern, und die können wir dann bis Juni nächsten Jahres frisch und zu einem attraktiven Preis anbieten“, sagt Hoss. Kollege Theis sieht in der derzeitigen Situation auch einen kleinen Vorteil: „Ohne Regen gibt es mehr Mostäpfel, also kleinere oder mit Sonnenbrand, daher müssen wir uns auch um Apfelwein keine Sorgen machen; der ist gesichert!“

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