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Kreis will Wettbüros dichtmachen

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Die Sportsbar "mybet.com" in Eppstein
Die Sportsbar "mybet.com" in Eppstein © Michael Schick

Im Main-Taunus-Kreis schießen die Wettbüros wie Pilze aus dem Boden. Streit gibt es derzeit vor allem um eine "Sportsbar" in Eppstein und um ein umfunktioniertes Buchgeschäft in Hattersheim.

Von Andrea Rost und Verena Schüller

Wieder erhitzt ein Wettbüro im Main-Taunus-Kreis die Gemüter. In der Burgstraße in der Eppsteiner Altstadt hat es vor knapp zwei Wochen aufgemacht. Erster Stadtrat Alexander Simon (CDU) hat die Gewerbegenehmigung für die „Sportsbar ohne Alkoholausschank“ im ehemaligen Musikschulbüro erteilt.

Doch das Gewerbeamt des Main-Taunus-Kreises hat bei einer Überprüfung festgestellt: Es handelt sich um ein Wettbüro, in dem vornehmlich Sportwetten angeboten werden. Beispielsweise lägen Wettzettel aus, mehrere Fernsehbildschirme seien in dem Laden angebracht, und es werde deutlich für Wettanbieter geworben, sagte Kreissprecher Johannes Latsch der FR. Das sei jedoch nicht legal.

„Laut Glücksspielstaatsvertrag ist es Privaten untersagt, Sportwetten anzubieten, zu vermitteln oder zu bewerben. Das bleibt staatlichen Institutionen wie Toto oder Lotto und konzessionierten Buchmachern vorbehalten“, sagt Johannes Latsch. Nach einem Erlass des Landes Hessen müsse deshalb gegen Anbieter privater Sportwetten vorgegangen werden.

15 Verfahren anhängig

Der Main-Taunus-Kreis hat dem Betreiber des Ladens, Bülent Deligöz, ein Ultimatum gestellt: Entweder er erklärt, dass er den Betrieb des Wettbüros einstellt oder es droht eine förmliche Unterlassungserklärung.

Das Eppsteiner Wettbüro ist nicht das erste seiner Art, das den Main-Taunus-Kreis beschäftigt. Bei Bau- und Gewerbebehörde im Landratsamt seien zurzeit vier Genehmigungsverfahren anhängig, sagt Latsch. Dabei geht es neben dem Eppsteiner auch um Büros für Sportwetten in Hochheim, Okriftel und Hattersheim. Der Laden in der Hauptstraße13 in Hattersheim hatte rund um Weihnachten für Aufregung in der Stadt gesorgt. In einem ehemaligen Buchladen, der zurzeit zwangsverwaltet wird, war er einzogen. Auch dort hatten Mitarbeiter der Main-Taunus-Verwaltung eindeutige Indizien gefunden, dass es sich um ein Sportwettbüro handelt, wie es von privaten Anbietern nicht betrieben werden darf. Heute läuft die Frist ab, bis zu der der Betreiber erklären muss, dass er dies in Zukunft unterlässt.

Gut möglich allerdings, dass der Betreiber die Frist verstreichen lässt und vor Gericht zieht. So haben es seit 2006 nämlich auch 15 andere Wettbüros gemacht, die unter anderem in Hofheim, Eschborn und Schwalbach ansässig sind. Die Anordnung des Kreises wird damit außer Kraft gesetzt; die Wettbüros können erst einmal weiter betrieben werden.

15 Verfahren aus dem gesamten Main-Taunus-Kreis seien zurzeit beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel anhängig, bestätigte Latsch der FR. Wann sie entschieden werden, stehe noch nicht fest.

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