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Krach unterm Krippendach

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Von: Christina Franzisket

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Holzbildhauer Hans-Albert Herrmann, der selbsternannten Hergottschnitzer von Bremthal und Inhaber der "größten Krippenschau von Hessen".
Holzbildhauer Hans-Albert Herrmann, der selbsternannten Hergottschnitzer von Bremthal und Inhaber der "größten Krippenschau von Hessen". © Sascha Rheker

Weihnachtliche Konkurrenz: Zwei Holzbildhauer aus Eppstein im Taunus sprechen sich gegenseitig das Talent beim Schnitzen von Krippenfiguren ab. Obwohl das Geschäft bei beiden gut läuft.

Eppsteins Holzschnitzer werben mit Superlativen: Der eine hat die „älteste Holzbildhauerwerkstatt in ganz Hessen“. Der andere die „größte Krippenausstellung in ganz Hessen“. Klaus Zimmermann und Hans-Albert Herrmann haben noch mehr gemeinsam: Beide sind 67 Jahre alt, wohnen in Eppstein und verdienen dort ihr Geld mit dem Schnitzen von Krippenfiguren.

Doch keiner von beiden hat ein gutes Wort für den anderen übrig. „Der kauft doch aus Oberammergau“, sagt der Vockenhäuser Zimmermann über den Bremthaler Herrmann, der sich selbst „Herrgottschnitzer von Bremthal“ nennt. Herrmann wiederum lacht nur, wenn es um seinen Konkurrenten im Ort geht: „Der hat gar keinen echten Meistertitel. Außerdem lässt der von meinen Sachen kaufen.“

"Ich habe ein reines Gewissen"

Die Männer trauen dem jeweils anderen keinen Funken Talent für die Handarbeit zu. „Ich habe ein reines Gewissen“, sagt Zimmermann, „meine Sachen sind selbst gemacht.“ Dabei besteht kaum Grund für Konkurrenzgehabe. Ihre Holzkunst ist verschieden und beiden reicht es zum Leben.

Die Zimmermannsche Werkstatt befindet sich seit 1930 versteckt im Haushof der Familie in Vockenhausen. Damals gründete der Vater den Betrieb, und die Werkstatt war für Sohn Klaus „wie ein Spielplatz.“ Der wurde auf Drängen der Eltern zunächst Maschinenbauer und machte 1980, als der Vater starb, sein Hobby zum Beruf und führte den Holzbildhauerbetrieb fort. In der kleinen Werkstatt stehen 180 Schnitzmesser, mit Klingen in verschiedenen Größen. Aus Lindenholz, Kiefer und Pappel schnitzt er Josef, Maria, Christuskind, Könige, Kamele und Schafe: „Am liebsten schnitze ich die Könige“, schwärmt er, Schafe seien langweilig. In einer Holzhütte im Haushof verkauft seine Frau Margarete was der Ehemann in seiner Werkstatt schafft mit viel Liebe. Neben Krippenfiguren schnitzt Zimmermann auch abstrakte Kunstfiguren, repariert und restauriert alles Hölzerne. Am 24. Dezember leisten er und seine Frau Krippennotdienst – „falls mal ein Lämpchen kaputt ist“.

Auf lebendige Augen kommt es an

Die Werkstätte des Herrgottschnitzers kommt etwas prominenter daher: Fährt man auf der Landstraße nach Bremthal, taucht sie plötzlich auf. Ein Sägewerk gehört zum rustikalen Anwesen der Herrmanns. In der Werkstatt duftet es nach Holzresten, die im Ofen verbrennen.

Im Ausstellungsraum stehen über 120 verschiedene Krippen: „Das sind 24 Jahre Arbeit“, sagt der Schnitzer. Früher war er Dachdecker, hatte einen eigenen großen Betrieb. Nach einem schweren Schicksalsschlag machte er sein Hobby zum Beruf: „Seit dem arbeite ich jeden Tag“ sagt er. Er wollte sein Leben verändern und zog hinaus in die Welt, um das Schnitzen zu lernen. Er lernte sogar von Indianern in Ecuador: „Die haben mir das Pupillenschnitzen beigebracht“, verrät Herrmann. Seine Figuren scheinen tatsächlich lebendige Augen zu haben und bestechen durch ihre Charaktergesichter.

Der Mercedes unter den Krippen

Auch die Krippe auf dem Sternschnuppenmarkt in Wiesbaden, mit lebensgroßen Figuren, stammt aus der Hand des Herrgottschnitzers. „Sie ist der Mercedes unter den Krippen.“ Doch 2011 wäre es mit dem Schnitzen beinahe vorbeigewesen, erzählt er. Erst fiel ihm ein mannshoher Holz-Osterhase auf die rechte Hand. Zu allem Überfluss schnitt er sich später mit der Kreissäge den kleinen Finger ab. Die Chirurgen in Bad Soden retteten ihm gleich zweimal die Hand: „Ich höre erst mit dem Schnitzen auf, wenn sie mich aus der Werkstatt tragen müssen“, sagt er nun.

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