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Carolin Jungmann an ihrem Arbeitsplatz, der Unterkunft in der Massenheimer Sporthalle.
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Carolin Jungmann an ihrem Arbeitsplatz, der Unterkunft in der Massenheimer Sporthalle.

Hochheim

Koordinatorin macht Sozialarbeit

  • VonUlrich Gehring
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Carolin Jungmann kümmert sich persönlich um die Anliegen der Flüchtlinge.

Carolin Jungmann ist als städtische Flüchtlingskoordinatorin vom ersten Arbeitstag an „in tiefes, schweres Fahrwasser geraten“, sagte Bürgermeister Dieter Westedt (FDP) gestern bei einem Pressegespräch in der zur Unterkunft umfunktionierten Sport- und Kulturhalle Massenheim. Statt sich ruhig auf eine Ankunft von Flüchtlingen im März auf dem ehemaligen Tetrapak-Areal vorzubereiten, hatte sie sofort jene 114 Menschen zu betreuen, die der Kreis Anfang Januar der Stadt zuwies: Syrer, Iraner, Afghanen und Pakistani im Alter von wenigen Wochen bis zu 68 Jahren, 40 Prozent Familien.

Die Politologin mit Erfahrung als Projektmanagerin in einer Wiesbadener Kommunikationsagentur und Feierabend-Flüchtlingshelferin sollte eigentlich nur die Brücke zwischen ehrenamtlich Mithelfenden und Rathaus sein. Heute ist sie zudem wie eine Sozialarbeiterin täglich selbst auf den schmalen Gängen in der Halle unterwegs zwischen den mit Planen verhängten Wohnkabinen.

170 Menschen haben sich in Hochheim als Flüchtlingshelfer gemeldet. In Massenheim kümmern sich Teams, darum, dass jeder Erwachsene mindestens eine Stunde Deutschunterricht je Woche erhält. Ulla Heider unterrichtete gestern, nur durch eine Schiebewand von dem Pressegespräch getrennt, einer Handvoll Berufsschülern beiderlei Geschlechts ihre neue Alltagssprache. Viele lernten zusätzlich mit Apps oder Büchern, berichtet Carolin Jungmann. Die Astrid-Lindgren-Grundschule sei von sich aus auf die jüngeren Kinder in der Unterkunft zugegangen. Und an der Heinrich-Brentano-Schule helfen pensionierte Lehrerinnen in Deutsch-Intensivklassen.

Viele Einheimische bieten Fahrdienste zu Ärzten, Dolmetschern, Behörden. Ein Team, das vom Vereinsringvorsitzenden unterstützt wird, vermittelt Kontakt zu Vereinen, regt Lauftreffs, Schwimmkurse, einen Handarbeitstreff und Chorgesang an, mit denen die langen Tage in der Halle Struktur erhalten sollen. Hausmeister Jaro Romanowski lässt sich auch immer wieder etwas einfallen, um die Menschen in Arbeit zu bringen; gestern waren einige Männer mit Sicherheitswesten und langen Stangen dabei, die Lampen am Zugang zur Halle vom Moos zu befreien. Sozialamtschefin Rita Kranz spürt die Dankbarkeit der Leute. Wenn sie in die Halle kommt, werde sie dauernd zum Essen eingeladen.

Zwei Familien protestieren

Obwohl er den leckeren Essensduft zu schätzen weiß, ist Bürgermeister Westedt froh, dass er hier nicht jeden Tag zu tun hat. Wenn er auftaucht, werde er mit Wünschen bestürmt, die er nicht erfüllen kann, beispielsweise zur Familienzusammenführung. Auch gestern nutzten zwei ihm schon bekannte Familien den Pressebesuch, um gegen ihre Unterbringung in der Halle zu protestieren. Dass Familien hier nicht ideal untergebracht sind, versteht Westedt. Er verweist aber auf den städtischen Zeitplan, demzufolge die Halle spätestens zum 1. September geräumt sein soll.

Für 80 Flüchtlinge soll dann nebenan auf einem Teil des Basketballfelds eine Unterkunft stehen. Zudem verfügt ab Sommer auch die Stadt über Teile der alten Tetrapak-Gebäude, wo es dann kleinere Räume und obendrein die Möglichkeit zu Beschäftigung in Werkräumen geben soll.

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