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Die Konkurrenz ausgestochen

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Von: Andrea Rost

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Seit 75 Jahren eine Institution in Hofheim - das Kaufhaus Buch.
Seit 75 Jahren eine Institution in Hofheim - das Kaufhaus Buch. © Privat

Das Feinkostimperium der Familie Buch gibt es seit 75 Jahren. Aus dem Tante-Emma-Laden auf der grünen Wiese vor den Toren Hofheims ist ein Unternehmen mit 150 Mitarbeitern geworden. Von Andrea Rost

Aber nennen Sie lieber nicht zu viele Zahlen", sagt Markus Buch. Er lacht. "Die Konkurrenz muss ja nicht alles wissen."

Die Konkurrenz? Da muss man in der Hofheimer Innenstadt erstmal lange suchen. Im Markt gibt es so gut wie keine Mitbewerber. Wer Lebensmittel kaufen möchte und dafür nicht unbedingt ins Auto steigen will, kommt am Buch am Untertor nicht vorbei. Noch nicht. Denn wenn das geplante Einkaufszentrum auf dem Chinonplatz Ende kommenden Jahres seine Pforten öffnet, gibt es zumindest noch einen Discountmarkt in der Hofheimer City.

Allerdings sind auch dort die Buchs nicht weit. Gleich neben der neuen Lidl-Filiale eröffnen sie einen Edeka-Markt. Die Kombination sei eine sinnvolle Ergänzung, sagen Markus und Christian Buch. Sie selbst wollen im neuen Laden auf dem Chinonplatz künftig 800 Artikel zu Discountpreisen anbieten. Insgesamt soll es im Chinoncenter auf 1800 Quadratmetern Ladenfläche mehr als 25000 Artikel zu kaufen geben; so wie im Edeka-Markt auf dem Hattersheimer Sarotti-Gelände, der 2008 eröffnete und dem Vernehmen nach "sehr gut läuft".

Mit derlei schwindelerregenden Zahlen hantierte Lorenz Buch nicht, als er vor 75 Jahren seinen Tante-Emma-Laden auf der grünen Wiese vor den Toren Hofheims gründete. Gerade mal 37 Quadratmeter groß war der erste Verkaufsraum, gleich hintendran befanden sich die Privatgemächer der Familie. Da wo heute Brot und Backwaren über die Theke wandern, verkauften die Buchs Mitte der 30er Jahre Kaffee, Konserven, Wurst, Obst, Kekse und Wein.

"Der Wettbewerb muss mörderisch gewesen sein", sagt Markus Buch. Über 25 Tante-Emma-Läden habe es zu dieser Zeit in Hofheim gegeben. Doch Lorenz und Anna Buch wussten sich zu behaupten. Nach und nach bauten sie ihren Laden aus, übernahmen nach 1945 die Frischfischversorgung der Bevölkerung im Main-Taunus-Kreis und waren für die Schulkinderspeisung aus dem Marshall-Plan verantwortlich.

1954 stellten Sohn Heinz und Schwiegertochter Christel erstmals Reformhausartikel ins Regal, bauten das Feinkostsortiment aus, ließen noch in den 50er Jahren Bananen von den Kanaren einfliegen und orderten in den 1970ern bereits 1000 Kiwis pro Woche. "Eine Zeitlang waren wir wie Woolworth aufgestellt - verkauften auch Fahrräder, Spielwaren, Textilien und Haushaltsartikel", erinnert sich Markus Buch.

Irgendwann war dieser Gemischtwarenladen aber nicht mehr zeitgemäß. Die Buchs stockten auf, siedelten selbständige Läden im Obergeschoss an, das über die erste Rolltreppe Hofheims zu erreichen war. Zu ebener Erde wurde der Lebensmittelmarkt im Jahr 2002 auf 1600 Quadratmeter Verkaufsfläche vergrößert; 80 Meter misst die Wurst- und Käsetheke, die zentral im Markt platziert ist. Es gibt eine Theke für frischen Fisch und frisches Fleisch, Brot von fünf verschiedenen Bäckern sowie Obst und Gemüse von Biobauern - möglichst aus der Region.

150 Mitarbeiter beschäftigen die Buchs zurzeit in Hofheim, nach der Eröffnung des Chinoncenters werden es 200 sein. Lohn- und Preisniveau bei Buch ließen sich nicht mit dem anderer Supermärkte oder gar Discounter vergleichen, räumt Markus Buch ein. Allerdings: "Die wirtschaftlichen Kennziffern sind identisch, deshalb können wir uns diesen Service für unsere Kunden auch leisten."

Wenn Ende 2010 der Edeka-Markt ins Chinoncenter umzieht, wird am Untertor aufgekocht. Frisch zubereitete kleine Gerichte wird es dann dort geben. Das Konzept, sagen die Buchs, hätten sie sich in den USA abgeschaut.

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