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Klavier vom „Bieneschorsch“

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Von: Torsten Weigelt

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Das Museum Kelkheim hat ein neues Ausstellungsobjekt: Es ist ein Klavier von Georg Kilp VI., der den Spitznamen „Bieneschorsch“ trug. Der Museumsverein hat das liebevoll restaurierte Musikinstrument zum „Möbel des Jahres“ 2014 gewählt.

Als „Beispiel für die Innovationskraft der heimischen Handwerker“ bezeichnet der Vorsitzende des Museumsvereins Rüdiger Kraatz das Klavier mit Nussbaum-Wurzel-Furnier, das seit gestern als Neuzugang in den Räumen des Museums Kelkheim zu sehen ist. Denn Musikinstrumente gehörten nicht unbedingt zum Repertoire der vielen Schreinereien, die Kelkheim im 20. Jahrhundert als „Stadt der Möbel“ überregional bekannt gemacht haben. Tatsächlich ist das von Georg Kilp VI. um das Jahr 1920 in seiner Münsterer Werkstatt gefertigte Stück das einzig erhaltene Klavier, das nachweisbar vor Ort produziert wurde.

Heinz Kunz als Sponsor

Kein Wunder, dass der Museumsverein das aufwendig restaurierte Instrument nun zu seinem „Möbel des Jahres“ gekürt hat. Wobei lange unsicher war, dass es dazu jemals kommen würde. Denn als Markus Watzlawik das Klavier dem Museum angeboten hat, befand es sich in einem desolaten Zustand. „Es war eigentlich nur noch für den Ofen zu gebrauchen“, gibt Watzlawik zu.

Er hatte es auf eine Anzeige hin aus dem früheren Wohnhaus von Georg Kilp abgeholt in der Hoffnung, das kostenlos angebotene Instrument wieder so herzurichten, dass seine Kinder darauf üben können. Doch schnell stellte sich heraus, dass er dafür mehr Geld hätte in die Hand nehmen müssen als für den Kauf eines neuen Klaviers.

„Wir sind zunächst auch davor zurückgeschreckt“, gibt die Pressesprecherin des Vereins, Inge Voigt, zu. Motten, Holzwürmer und der Zahn der Zeit hatten dem Klavier erheblich zugesetzt. Doch mit Unterstützung des städtischen Kulturreferats und des Bauhofs konnte es schließlich in einem langwierigen Prozess wieder in einen passablen Zustand versetzt werden. Allerdings nur äußerlich. Denn bespielbar ist das Klavier noch nicht.

Eine besondere Hilfe bei der Restaurierung war Heinz Kunz, der das Klaviergehäuse auf eigene Kosten durch die Schreinerei Müller aufarbeiten ließ. Kunz ist ein Nachfahre von Georg Kilp VI., der vor Ort unter dem Spitznamen „Bieneschorsch“ bekannt war, weil er sich auch als Imker engagierte.

Kilp, ein echtes Münsterer Original, arbeitete viele Jahre in der Möbelschreinerei Gebrüder Wolf, und reparierte in seiner eigenen kleinen Werkstatt an der heutigen Hattersheimer Straße Musikinstrumente.

Das ein oder andere stellte er dabei auch selbst her. Das Klavier, das nun im Museum steht, war ursprünglich als mechanischer „Selbstspieler“ geplant, wurde vom „Bieneschorsch“ dann aber zum herkömmlichen Klavier mit Tastenbetrieb umgebaut.

Dass ausgerechnet Heinz Kunz dem Museum nun kräftig unter die Arme gegriffen hat, ist nicht ohne Pikanterie. Denn in der Lokalpolitik gibt es eine intensive Diskussion, ob die Stadt das Pfarrzentrum St. Franziskus für eine Erweiterung des Museums kaufen soll. Kunz und seine FDP-Fraktion lehnen das Vorhaben ab, weil sie hohe Kosten für den Umbau befürchten.

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