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Keltische Siedlung ausgegraben

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Die Mahlsteine sind keltischen Ursprungs, die Gummibärchen nicht.
Die Mahlsteine sind keltischen Ursprungs, die Gummibärchen nicht. © Michael Schick

Die Archäologen sind begeistert von den neuen Funden auf dem Nestlé-Gelände. Sie führen am Wochenende Besucher über das Grabungsfeld.

Von Jöran Harders

Schon vor dem Ende der archäologischen Ausgrabungen auf dem Nestlé-Gelände in Hattersheim sind die beteiligten Wissenschaftler mit dem Ergebnis der Grabungen sehr zufrieden. Nachdem bereits 1999 am Gärtnertor im Südwesten der Stadt die ersten Teile eines weitläufigen keltischen Friedhofs gefunden wurden, haben die Archäologen jetzt zwischen Hessendamm und Wasserwerkchaussee Alltagsgegenstände und weitere Skelette aus dem Boden geholt.

Spuren einfacher Bevölkerung

„Wir haben hier die seltene Situation, dass wir nicht nur ein Gräberfeld, sondern auch die dazugehörige Siedlung untersuchen können“, sagt Bezirksarchäologe Udo Recker vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege. Wertvoll für die Forschung sei außerdem, dass die Siedlung nicht die Wohnstätte einer Kriegerelite gewesen sei, wie etwa am Glauberg in der Wetterau. Vielmehr handele es sich um Spuren einer eher einfachen Bevölkerungsschicht, von der es sonst nur wenige Zeugnisse gebe.

Seit April wird auf dem rund 45 Hektar großen Areal gegraben, auf dem in zwei Bauabschnitten insgesamt gut 350 Wohnungen entstehen sollen. Interessant ist für die Archäologen auch, dass nicht nur Material aus der Keltenzeit gefunden wurde. „Es konnten Funde und Befunde aus vier unterschiedlichen Zeitstufen freigelegt werden“, erläutert Grabungsleiterin Jessica Meyer. Die ältesten Stücke stammen aus der so genannten Michelsberger Kultur, deren Benennung auf einen Fundplatz auf dem Michelsberg in der Nähe von Bruchsal zurückgeht. Diese Kulturgruppe war von 4400 bis 3500 vor unserer Zeit in weiten Teilen Europas verbreitet.

Archäologisch nachweisen lassen sich aber auch Besiedlungsspuren aus der Mittleren Bronzezeit, zwischen 1600 und 1300 vor unserer Zeit, und der Eisenzeit. Im 16. und 17. Jahrhundert befand sich auf dem Gelände nach der Erkenntnis der Wissenschaftler eine Landwehr, worauf auch entsprechende Flurnamen in dem Gebiet hinwiesen.

„Das zeigt, dass man in Hattersheim schon immer gerne gewohnt hat“, meinte Bürgermeisterin Antje Köster (SPD) bei der Präsentation der bisherigen Ausgrabungsergebnisse am Dienstag. Bis spätestens Mitte November werden die Grabungen auf dem Gelände der ehemaligen Hattersheimer Schokoladenfabrik abgeschlossen sein.

Die Funde sollen später in einem Museum gezeigt werden, das in einem der alten Fabrikgebäude eingerichtet wird. „Es scheint, dass die archäologische Abteilung in dem Museum, das Ende 2013 eröffnet werden soll, immer mehr an Bedeutung gewinnt“, so Köster.

Grabungsleiterin Jessica Meyer führt Besucher am Wochenende durch das Gelände. Die Führungen sind am Freitag, 30. September, um 12, 13.30 und 15 Uhr sowie am Samstag, 1. Oktober, um 11, 12.30 und 14 Uhr.

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