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„Wir sind ein Team, das entscheidet“

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Horst Ackermann.
Horst Ackermann. wein © Frank Weiner

Bundesverdienstkreuz für Gründer des Jazzclubs, Horst Ackermann

Kelkheim - Den Ackermann soll man loben und preisen auf dieser Erde, man soll ihn loben also schön, er hat eine Kron im Himmel stehn, sie soll ihm ja schon werden, ja werden.“ So heißt es in einem Volkslied aus Lothringen. Landrat Michael Cyriax und sein Team haben diese Zeilen ausfindig gemacht. Denn sie passen bestens zu diesem Nachmittag im Jazzclub. Dort steht ein Ackermann im Mittelpunkt, „weil er’s verdient hat“, wie Cyriax lobt. Gemeint ist Horst Ackermann, dem der Landrat nach einer ausgiebigen Laudatio das Bundesverdienstkreuz überreichen wird.

Der Rahmen hätte nicht besser gewählt sein können. Der Jazzclub ist das „Baby“ von Ackermanns Team. Vor mehr als 50 Jahren hat er diese heute mehr denn je beliebte Kultureinrichtung ins Leben gerufen. Und ist noch immer der Programm-Manager. Am 14. Oktober kommt mit Purple Schulz wieder ein überregional bekannter Künstler. Auch den zitiert der Landrat gerne aus seinem Lied „Immer nur leben“. Denn dort laute eine Zeile: „Es ist noch lange nicht genug.“ Cyriax: „Das ist das, was ich Ihnen wünsche.“ Spricht’s und „verneigt“ sich vor seiner „Lebensleistung“.

Staufen-Schule gerettet

In der Tat ist die Liste der Aktivitäten des 78-Jährigen lang wie bei wohl nur wenigen Ehrenamtlichen im Kreis. Er studierte Mathematik und Physik, unterrichtete in Frankfurt, war im Kultusministerium tätig. Von 1997 bis zu seinem Ruhestand leitete er die Eichendorffschule (EDS) in Münster. In Kelkheim saß er von 1972 bis 2007 in der Stadtverordnetenversammlung, war 15 Jahre Fraktionschef. Von 1980 bis 2021 gehörte er dem Kreisausschuss an. Er ist Vorsitzender der Kulturgemeinde. An der Eichendorffschule ist er als Vertretungslehrer tätig. Außerdem ist er im Förderverein aktiv, dessen Chef er mehrere Jahre war. Und produziert für die Schule das mehr als hundert Seiten dicke Jahrbuch.

Das sei wegen der Arbeit das „Unwort des Jahres“ in der Familie, hat der Landrat erfahren - überreicht aber sofort einen Blumenstrauß an seine Frau Marianne. Ohne sie wäre das alles so wohl nicht möglich gewesen, so Cyriax. Sie habe - „mit Ausnahme des Jahrbuchs“ - stets hinter allem gestanden. Der Landrat bescheinigt dem Geehrten „Strahlkraft“ im künstlerischen Wirken. Und rechnet ihm hoch an, dass er sich als EDS-Chef um die damals schwächelnde Staufen-Schule in Fischbach als Dependance gekümmert, sie stabilisiert habe.

Der Kelkheimer sieht sich als Mannschaftsspieler. „Das kann man nur machen, wenn weitere Leute dabei sind.“ Gerade im Jazzclub sei es „ein Team, das entscheidet, was gemacht wird“. An der Rettung der Staufen-Schule, „da hängt mein Herz irgendwie immer noch dran“, räumt er ein. Und wieder die Einschränkung: „Das ging nur mit den richtigen Personen an Ort und Stelle.“ Das Jahrbuch, bei dem er lange mit Sohn Carlo ein Tandem bildete, sei „eine ungeheure Arbeit, die dahinter steckt“. Um gleich - typisch Horst Ackermann - das Engagement seiner Frau als ehrenamtliche Richterin und Helferin im Rote-Kreuz-Laden zu loben. Doch nachdem er das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, enden die Lobeshymnen nicht. Bürgermeister Albrecht Kündiger, Jahrzehnte als UKW-Chef in der Opposition mit Ackermann, erinnert sich an die politischen Scharmützel. Sie hätten alles versucht, einmal die CDU abzulösen und sich an Bürgermeister Winfried Stephan „abgearbeitet“. So stellt der Bürgermeister klar: „Keiner hat es so verdient wie Du.“ Deshalb habe er als seinen ersten Vorschlag für eine solche Ehrung Ackermanns Namen genannt.

„Nicht nur die SPD Main-Taunus steht in Deiner Schuld, auch die Gesellschaft insgesamt“, fasst Kreis-Fraktionschef Philipp Neuhaus seine anerkennenden Worte zusammen. Paul Boll wiederum, sein Nachfolger als Chef des EDS-Fördervereins, betont: „Diese Ehrung trifft den Richtigen.“

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