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Traumabewältigung durch Malen

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Tetjana Fischer (von links), Julia Bidsyk, Monika Berkenfeld, Hildegard Bonczkowitz, Mafalda Pinto-Schneider, Ivana Orlova und Ulrich Schäferbarthold sind am Projekt beteiligt. weiner
Tetjana Fischer (von links), Julia Bidsyk, Monika Berkenfeld, Hildegard Bonczkowitz, Mafalda Pinto-Schneider, Ivana Orlova und Ulrich Schäferbarthold sind am Projekt beteiligt. weiner © wein

Die Ukrainerinnen Julia Bidsyk und Ivana Orlova verarbeiten ihre Erlebnisse in Bildern

Kelkheim - Die junge Frau im wehenden Kleid steht vor einem Flugzeug, dem durch den Krieg in der Ukraine die Zerstörung droht. Die Fahne des Landes aber flattert weiterhin kräftig im Wind. „Unser Traum stirbt nie“, sagt Julia Bidsyk, die dieses Bild gemalt hat und mit der starken Frau einen Blick „in eine gute Zukunft“ aufzeigen will. Ähnliche Gefühle haben Ivana Orlova bewegt, als sie ihr Werk geschaffen hat. In starken, vor allem roten und braunen Tönen hat sie ein Paar gemalt, das sich umarmt und von einem Umhang beschützt wird. Diese Decke symbolisiere Europa, das der Ukraine zur Seite stehe, sagt sie.

Die jungen Frauen stammen aus dem vom Krieg geschüttelten Land und sind nach Deutschland geflüchtet. Hier haben sie eine Heimat in Frankfurt gefunden - und können ihre Gefühle beim Malen ausdrücken. Die ausgebildete Grafik-Designerin Orlova leitet die Kurse des Vereins „Gemeinsam für die Ukraine“, Bidsyk ist dort Teilnehmerin. In ihrem zweiten Motiv zeigt sie ein Paar vor Ruinen, wolle damit deutlich machen: „Das Leben ist stärker als alles, die Liebe bleibt.“

Orlova und Bidsyk sind nur zwei von mehreren Künstlern, die von Freitag, 18., bis Sonntag, 20. November, im Rathaus ausstellen. Die Präsentation steht unter dem Motto „Kunst verbindet“, wobei der Betrachter auf den Werbezetteln genauso „uns verbindet“ lassen kann und soll. Mit der Aktion solle die „Solidarität ausgedrückt“ werden gegenüber den Menschen in der Ukraine, ihnen gezeigt werden: „Sie sind nicht alleine“, betont Ulrich Schäferbarthold, der Kelkheims Hilfsangebote in der Koordinationsgruppe bündelt.

AUSSTELLUNG UND VERSTEIGERUNG

Die Benefiz-Ausstellung „Kunst verbindet“ wird am Freitag, 18. November, von 17 bis 19 Uhr mit Musikbegleitung von Paul Pfeffer im Rathaus am Gagernring 6 eröffnet. Zu sehen sind die Motive auch am Samstag, 19. November, von 12 bis 18 Uhr, wobei es neben dem Verkauf auch einen Raritäten-Markt gibt. Der Sonntag, 20. November, steht von 14 bis 18 Uhr im Zeichen eines Begegnungsfestes mit Kaffee und Kuchen, Malen für Kinder, Vorführungen der Tanzschule Motsi Mabuse, einer Lesung von Connie Albers aus ihrem Buch „Mohnrot“. Um 17 Uhr wird es eine Versteigerung der Bilder geben. Der Erlös ist für soziale Projekte in Kelkheim gedacht. Neben den Bildern der ukrainischen Kreativen sind auch Werke von heimischen Künstlern zu sehen - darunter Manfred Guder, Doris Brunner, Christina Eretier, Evi Scheiber, Adelheid Bieger und Wiebke Knabe. wein

Über sein Engagement kam er mit Tetjana Fischer vom Frankfurter Verein „Gemeinsam für die Ukraine“ in Kontakt, denn Fischer wohnt in Eppenhain. Zeitgleich kam er mit Hildegard Bonczkowitz, der Vorsitzenden der Bürgerstiftung, ins Gespräch. Denn sie hatte zum 10. Geburtstag der Initiative Bilder von Kelkheimer Künstlern geschenkt bekommen und zu Hause für einen möglichen Basar aufbewahrt. So führten die Helfer die beiden Enden zusammen: die Werke aus den Malkursen der Ukrainer, die es inzwischen auch in Kelkheim gibt, und die Präsente der heimischen Maler. Im Rathaus verbindet sich die Kunst zu einer Benefiz-Ausstellung, deren Erlös natürlich wieder in Hilfsaktionen fließt.

„Malen ist eine Form von Traumabewältigung“, erklärt Schäferbarthold. Hier könnten die Menschen Erfahrungen in neue Perspektiven „verwandeln“. „Dieses Miteinander ist der Grundgedanke“, betont Monika Berkenfeld vom Verein „Miteinander leben in Kelkheim“ - und zwar „für alle, die eine Unterstützung brauchen“. Dort setzen auch die Frankfurter an: „Wir haben gemerkt, die Frauen sind traumatisiert. Durch das Malen verarbeiten sie ihre Geschichten.“

Julia Bidsyk hatte sich zunächst als Hilfesuchende an den Verein gewandt, dann als Helferin mitgemacht und das Kunstangebot kennengelernt. Sie könnte sich auch vorstellen, liebgewonnene Bilder für die gute Sache am Wochenende zu verkaufen, um etwas zurückzugeben. „Wir haben viel Solidarität erlebt“, sagt sie. Vor einigen Jahren war sie als Au-pair in Deutschland. In der Ukraine, in der Stadt Dnipro, wurde sie unweit vom Elternhaus von Tetjana Fischer geboren. In Kiew arbeitete die ausgebildete Lehrerin als Bürokraft und Dolmetscherin. Bis der Anruf einer Freundin kam und sie vom Angriff Russlands erfuhr.

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