1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Kelkheim

Der tiefe Fall eines Ex-Bankers

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Behr

Kommentare

Tödliches Bridge: Nach einem Bridge-Abend ermordet ein Ex-Banker eine Frau in Kelkheim.
Tödliches Bridge: Nach einem Bridge-Abend ermordet ein Ex-Banker eine Frau in Kelkheim. © kaempf

Ein Ex-Banker wird wegen Mordes an einer vermögenden Witwe in Kelkheim (Main-Taunus-Kreis) zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte sie in ihrer Wohnung überfallen und ihren Kopf so stark mit Klebeband verklebt, dass sie daran erstickte.

Das Frankfurter Landgericht hat den 51 Jahre alten Dirk B. wegen Mordes an einer Frau aus Kelkheim zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mann war in der Nacht auf den 14. August 2011 durch die Terrassentür in das Haus der vermögenden Witwe Ingrid Z. eingestiegen und hatte dort eine Geldbörse an sich gebracht. Als die Frau ihn vermutlich überraschte, schlug er sie mit einem Gegenstand nieder, würgte und fesselte sie. Bevor er das Haus verließ, verklebte er ihr den Kopf mit Klebeband. Die 69 Jahre alte Frau erstickte. Nachbarn fanden sie am nächsten Tag tot in ihrer Wohnung – sie war nicht wie verabredet zum Brunch erschienen, ihre Haustür stand offen.

Für Dirk B. ist das Urteil der Endpunkt eines tiefen Falls. Er war in führender Position bei einer großen Bank tätig, bis 2009 sein Arbeitsplatz wegrationalisiert wurde. Auch privat rief es unrund: Seine zweite Frau warf ihn nach einigen Seitensprüngen nicht nur aus der gemeinsamen Wohnung, sondern auch aus der gemeinsamen Bridge-Runde – was den passionierten Spieler hart traf.

Kein Platz in der Bridge-Runde

Das befreundete Ehepaar, das ebenfalls mit von den Bridge-Partien war, solidarisierte sich mit der Ehefrau. Sein Platz in der Bridge-Runde wurde von Ingrid Z., dem späteren Opfer, eingenommen. Mehrere Versuche Dirk B.s, sich wieder in die Bridge-Runde hineinzujammern, scheiterten. Er gründete gemeinsam mit einem Freund eine Unternehmensberatung, doch statt zu arbeiten, schlief er im Büro, verdaddelte seine Tage am Computer und vernachlässigte die Körperhygiene. Der Unternehmensberatung war kein anhaltender Erfolg beschieden.

Die große Strafkammer unter dem Vorsitz von Klaus Drescher wollte der Version des Angeklagten nicht folgen. Der hatte erzählt, am Tatabend mehr oder weniger zufällig in die Gegend gekommen zu sein – im Laufe des Prozesses hatte er allerdings eingeräumt, dass es ihn irgendwie dorthin gezogen habe. Dann habe er aus dem Dunkel zuschauen müssen, wie drinnen Bridge gespielt wurde. Von seiner Ex-Frau, seinen Ex-Freunden – und Ingrid Z. Nachdem die Mitspieler das Haus verlassen hätten, sei er eingestiegen, er wisse auch nicht so ganz genau, warum. Vielleicht, um mittels einer gestohlenen Geldbörse, die er seiner Ex-Frau oder deren Freunden später unterschieben könne, die Bridge-Runde zu sprengen.

Motiv erscheint abwegig

Nachdem er die Börse an sich genommen habe, sei Ingrid Z. irgendwie in ihn hineingelaufen – und habe sofort angefangen, auf ihn einzuschlagen. Bei dem Handgemenge, das gibt er zu, habe er sie vielleicht am Kehlkopf verletzt. Das Gesicht habe er ihr verklebt, um zu verhindern, dass sie schreie. Die Haustür habe er bewusst offen gelassen, damit Nachbarn die Frau finden und Hilfe holen könnten. Das Gericht glaubte davon fast kein Wort.

Das Motiv, mit Hilfe eines untergeschobenen Portemonnaies der Bridge-Seligkeit ein Ende zu setzen, erscheint nicht allzu abwegig. Denn nach der Tat ließ Dirk B. etliche Wertgegenstände wie Schmuck oder eine Rolex, die ungeschützt dort rumlagen, ebendort liegen.

Es war Mord, da ist sich die Kammer sicher, ein sogenannter Verdeckungsmord, um eine andere Straftat – in diesem Fall den Einbruchsdiebstahl – zu vertuschen. Absolute Klarheit über das Motiv des Mannes konnte ein Dutzend Verhandlungstage allerdings auch nicht bringen.

Auch interessant

Kommentare