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Therapien für den Wald

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Schülerinnen und Schüler der EDS setzen die Jung-Bäume. kübel
Schülerinnen und Schüler der EDS setzen die Jung-Bäume. kübel © Kübel

Wirtschaftsplan schreibt gezielte Ernten vor / Kinder pflanzen 600 Bäume

Kelkheim - Während die vergangenen beiden Jahre im Wald im Zeichen der Fällung kranker Bäume und der Neuanpflanzungen standen, so können sich die Stadt und der Forst 2023 auch mehr der Ernte widmen. Das habe Förster Hendrik Bickel im Bauausschuss bei der Vorstellung des Waldwirtschaftsplans deutlich gemacht, wie Vorsitzender Jochen Ballach berichtet. Da die Bilanz unter dem Strich auch mit einem kleinen Plus von rund 4000 Euro abschließen soll, segneten die Politiker das Vorgehen einstimmig ab.

Vor allem Buche soll geerntet werden

Zeit für Fragen und Erläuterungen gab es aber genug - und einiges Lob für den noch jungen Kelkheimer Förster Bickel. Er ist erst seit knapp einem Jahr im Amt, habe aber die Lage anschaulich präsentiert, sagt Ballach. So sei einigen Mitgliedern klar geworden, dass zur Vorbereitung für neue Pflanzungen zum Teil andere Gewächse weichen müssen - etwa die eher ungeliebten Brombeer-Hecken. Zuletzt hat es auf Initiative der Kelkheimer Bürgerstiftung wieder eine große Neupflanz-Aktion mit der Eichendorffschule unterhalb des Rossert gegeben (Text rechts). Wichtig ist es laut dem Förster weiterhin, auf neue und klimaresistentere Bäume zu setzen und dabei auf eine gute Mischung zu achten. Die Eiche und Douglasie sind zwei Beispiele dafür, berichtet Ballach.

WALDARBEITEN

73 Schüler der Eichendorffschule aus drei Klassen der Stufen 6 und 7 sowie die Teilnehmer der AG Nachhaltigkeit haben jetzt Eichen und andere Laubbäume im Wald unterhalb des Rossert gesetzt - insgesamt rund 600 Pflanzen. Die Bürgerstiftung ist Initiator. Das Areal liegt „Am Hollerbusch“ zwischen Fischbach und Ruppertshain und ist 0,5 Hektar groß. Hessen Forst informiert über Arbeiten in den nächsten vier Wochen. Am Ortsrand Ruppertshain und Eppenhain gibt es Verkehrssicherungsmaßnahmen. „Am Reis“ wird ein rund 70 Jahre alter Kiefern-Bestand gepflegt. Am „Roten Berg“ werden vitale Eichen freigestellt. Die Waldwege werden danach hergerichtet, die Besucher sollen die Sperrungen beachten. wein

Im Waldwirtschaftsplan selbst ist bei der Eiche nur ein kleiner Einschlag von um die 700 Festmeter geplant. Den Großteil im Kelkheimer Wald mit einer Betriebsfläche von rund 605 Hektar macht für 2023 die Buche aus mit mindestens rund 2600 Festmetern. Die wegen der Trockenheit besonders anfällige Fichte wurde in den vergangenen Jahren schon weit im vierstelligen Bereich eingeschlagen, hier sollen es nun nur noch rund 750 Festmeter werden. Relevant ist noch die Ernte bei der Kiefer mit über 600, so listet der Plan insgesamt mehr als 4600 Festmeter auf.

Der Holzeinschlag wird im Rahmen der Läuterung (Einschlag in Jungbeständen), der Vornutzung (Pflegebeständen) und in der Hauptnutzung (erntereife Bestände) vorgenommen. In allen Stadtteilen, mit Ausnahme von Kelkheim-Mitte, ist eine Ernte vorgesehen. Die Erlöse werden durch die gestiegenen Preise für den Rohstoff Holz für das kommende Jahr deutlich höher ausfallen: Stadt und Forst rechnen mit fast 300 000 Euro, wobei der Löwenanteil die Ernte ist. Sie liegt mit 100 000 Euro über dem Ansatz für 2022. Dort war aber wiederum etwa die gleiche Summe an Fördergeldern eingeplant. Der Unterschied in Zahlen wird bei den Ausgaben sichtbar: In diesem Jahr haben die Fachleute mit fast 390 000 Euro Kosten gerechnet, für 2023 sollen es knapp 100 000 weniger sein. Somit wäre der Waldplan leicht im Plus.

Ballach weist darauf hin, dass bald die Zukunftsplanungen für Kelkheims Wald anstehen - das für zehn Jahre geltende Forsteinrichtungswerk. Dort werde auch das Potenzial in den Gebieten benannt. Davon gehe es auf Flächen, die bisher kaum oder weniger eingeschlagen wurden, noch einiges, habe Bickel berichtet. Dort gehen die Fachleute rein, „um Luft zu schaffen“ für besseres Wachstum. Der Ausschusschef freut sich über eine weitere Zahl, die der Förster genannt hat. Es gibt sogenannte „WarB“-Flächen, was für „Wald außer regelmäßigem Betrieb“ steht. Dort wird das Grün sich selbst überlassen. Der Anteil in Kelkheim liege bereits über 10 Prozent, das Land strebe mindestens 5 an, freut sich Ballach über die Entwicklung in der Stadt. Umgesetzt wurde bereits ein Projekt nach einem Antrag der UKW, in der Nähe des Rettershofs einen solchen Naturwald zusätzlich zu ermöglichen. Unter dem Strich ist der „Patient“ Wald in Kelkheim durchaus wieder auf dem Weg der Besserung. Neupflanzungen, gezielte Einschläge und Projekte wie der Naturwald helfen als „Therapien“.

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