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Zu den Hauptverkehrszeiten können oft nicht alle Fahrgäste in der RB 12 mitgenommen werden. 

Kelkheim

Taunus-Pendler klagen über volle Züge

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Seit Anfang des Jahres setzt der RMV als Ergänzung zur Regionalbahnlinie 12 einen Bus zwischen Kelkheim und Frankfurt-Höchst ein. Ab 2022 werden Wasserstoffzüge mit deutlich mehr Sitzplätzen in den Taunus fahren.

Tausende Pendler und Schüler müssen nahezu täglich auf der Strecke der Regionalbahn 12 zwischen Königstein und Frankfurt mit Zugausfällen, Verspätungen und überfüllten Bahnen zurechtkommen. Weil in den Hauptverkehrszeiten wegen Platzmangels bereits Fahrgäste nicht mitgenommen werden konnten, pendelt seit Anfang des Jahres morgens und abends zusätzlich der Ergänzungsbus E 12 zwischen Höchst und Kelkheim. Die Fahrzeit ist mit 22 Minuten allerdings fast doppelt so lang wie mit der Bahn. Außerdem fehlen Hinweise an den Bahnsteigen, so dass der Bus oft schon abgefahren ist, ehe die Fahrgäste, die die Bahn nicht mitgenommen hat, an der Haltestelle sind.

Haben die Planer von Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und Hessischer Landesbahn (HLB) versagt? Wurden die beiden Verkehrsunternehmen vom massiven Ansturm der Fahrgäste auf die Regionalbahnlinie 12 in den vergangenen Jahren überrascht? Oder fehlt es vor allem an der nötigen Infrastruktur, um auf der Strecke längere Züge in einer engeren Taktung fahren zu lassen? Diese Fragen beschäftigte das Publikum bei einer Bürgerversammlung am Mittwochabend im Kelkheimer Rathaus. Auf dem Podium saßen Experten von RMV und HLB. Mit dabei waren auch die Bürgermeisterin von Liederbach und die Rathauschefs aus Kelkheim und Königstein, die seit Monaten mit Beschwerden überhäuft werden.

„Die Leute haben die Schnauze voll“, machte ein Kelkheimer bei der Bürgerversammlung seinem Ärger Luft. Er arbeite im Schichtdienst, müsse um sechs Uhr morgens auf der Arbeit sein. „Wenn die Bahn nicht kommt oder überfüllt ist und ich noch nicht mal erfahre, wie ich weiterkomme, geht das gar nicht.“ Pünktlichkeit, längere Züge und bessere Informationen, wenn Fahrten ausfallen, forderten auch viele andere Besucher. Die Abteile der ersten Klasse sollten bei Kapazitätsengpässen freigegeben werden, regte eine Frau an. Seit Anfang der Woche sei er sechsmal mit der RB 12 gefahren, „viermal war die Bahn zu spät“, schimpfte ein Mann. Zu allem Überfluss habe die Verspätungsanzeige nicht funktioniert. „Es waren nicht fünf Minuten, wie angezeigt, sondern 15 Minuten.“

Regionalbahn 12

Eröffnetwurde die Bahnlinie Königstein - Frankfurt im Jahr 1902. Sie ist eine nicht elektrifizierte Strecke, die zum „Teilnetz Taunus“ des RMV gehört.

Die Linie RB 12verkehrt wochentags alle 30 Minuten, an Wochenenden und Feiertagen je nach Uhrzeit halbstündlich oder stündlich.

Ein Ergänzungsbus E 12ist aktuell an Wochentagen morgens und abends zusätzlich zwischen Höchst und Kelkheim im Einsatz, um Kapazitätsengpässe abzufedern. 

In den nächsten zweieinhalb Jahren müssten Nutzer der RB 12 wohl noch mit derlei Unannehmlichkeiten leben, bedauerte HLB-Prokurist Peter Runge. Die Technik der zum Teil 30 Jahre alten Züge sei nicht auf dem neuesten Stand, sie nachzurüsten lohne nicht.

„Ab Mitte 2022 werden Sie hier im Taunus aber federführend und bahnbrechend sein in der ganzen Region“, kündigte er an. Bis dahin sollen die 27 Wasserstoffzüge mit Brennstoffzellenantrieb ausgeliefert sein, die auf dem gesamten Taunusnetz eingesetzt werden, darunter auch auf der Linie der Regionalbahn zwischen Frankfurt und Königstein. Um bis zu 40 Prozent mehr Sitzplätze werde es in den neuen Fahrzeugen geben, sagte Runge. In den Hauptverkehrszeiten seien dann auch Verstärkerfahrten auf der Pendlerstrecke in den Taunus geplant.

170 Millionen Euro investiert der RMV in den Kauf der Züge. Alle Fahrzeuge seien barrierefrei und technisch so ausgerüstet, dass eine dynamische Anzeige der Ankunfts- und Abfahrtszeiten an den Bahnhöfen und im Internet möglich sei, sagte Kai Daubertshäuser, der beim RMV für Qualitäts- und Infrastrukturmanagement zuständig ist. „Die Information für die Fahrgäste wird sich dadurch stark verbessern.“

Ob die neuen Züge auch öfter als nur im Halbstundentakt fahren werden, wollte eine Frau wissen. Das liege nicht an RMV und HLB, betonten die Fachleute auf dem Podium. Die Strecke der RB 12 sei zwischen Frankfurt-Höchst und Kelkheim teilweise nur einspurig. Um die Taktung zu erhöhen, wäre eine Ausweichstelle für entgegenkommende Züge in Liederbach zwingend erforderlich, erklärte Kai Daubertshäuser. Gebe es eine Begegnungsstelle, könnten die Züge auch im 15-Minuten-Takt fahren. Eine Machbarkeitsstudie dazu sei bereits in Auftrag gegeben. Das Geld für den Ausbau der Infrastruktur müsse allerdings vom Bund oder vom Land Hessen kommen.

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