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Stadtbus und „Kelkheim Colibri“ könnten anrollen

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Fachleute stellen erweitertes ÖPNV-Konzept vor / Stadt müsste 1,6 Millionen Euro im Jahr zuschießen

Kelkheim - Wer am Samstag nach Mitternacht von einer Feier von Diedenbergen oder Langenhain nach Hause in die Kernstadt Hofheim möchte, der braucht dafür nur ein paar Klicks in der App auf dem Handy. Einfach den Kleinbus „Colibri“ bestellen, meist nur maximal zehn Minuten warten, dann hält der Wagen in der Nähe und bringt den Gast auch wohnortnah nach Hause. Kosten so um die 4 Euro.

Vielleicht gibt es ja bald auch einen „Kelkheimer Colibri“, so jedenfalls hat Birgit Hartmann, Prokuristin bei der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV), das Projekt schon einmal betitelt. Zusammen mit Lutz Sebbesse vom beauftragten Büro IGDB Verkehrsplanung und Beratung ist sie am Montagabend ins Rathaus gekommen, um nur wenigen anwesenden Bürgern und einigen Politikern zwei neue mögliche Bus-Systeme für die Möbelstadt vorzustellen. Denn das Parlament hat beschlossen, eine solche Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs prüfen zu lassen.

Würde sich die Kommune für einen Stadtbus und ein On-Demand-Bestellsystem für Kleinbusse wie beim „Colibri“ entscheiden, so müsste sie jedes Jahr tief in die Tasche greifen - zusammen rund 1,6 Millionen Euro. Ob es Zuschuss-Möglichkeiten dafür gibt, ist offen. Es liegt jetzt an den Fraktionen, ob und in welcher Form sie diese Angebote möchten und Mittel dafür im Haushalt bereitstellen. Eine Beschluss-Empfehlung für Kelkheim gibt die MTV-Fachfrau nicht. Es gebe noch zu wenige Erfahrungswerte. Der „Colibri“ sei in Hofheim sei Juni gut angelaufen, es seien für den Nachfolger des Anruf-Sammel-Taxis (AST) neue Kunden gewonnen worden. Nach einem halben Jahr will die MTV dort erste Bilanz ziehen. Kündiger nennt es aus ersten Rückmeldungen schon „ein Erfolgsmodell“, das vor allem bei jungen Leuten sehr gut angenommen werde. Der Preis sei allerdings etwas höher als beim AST. Wer ohnehin schon Bahn- oder Buskarten hat, zahlt aber weniger. Das On-Demand-Verfahren ist quasi ein Bustransfer auf Bestellung und läuft normalerweise über eine Handy-App. Dort bestellt der Gast das Fahrzeug und muss laut Hartmann meist nicht mehr als zehn Minuten warten. Es gelten auf jeden Fall die offiziellen Haltestellen im ÖPNV-Netz, hinzu kommen freie Stationen, die Stadt und MTV zusammenstellen würden. Es sei kein Taxi, das die Leute zu Hause abholt, so Hartmann.

Für Kelkheim hat die MTV eine Variante von Montag bis Sonntag geprüft, vom frühen Morgen bis nachts um 1 Uhr am Wochenende. Eingesetzt würden vier Elektroautos mit sieben Sitzplätzen, wovon eines barrierefrei umgebaut würde. Bei einem Vertrag über zehn Jahre müsste die Stadt per anno rund 831 000 Euro zahlen. Eine Umsetzung wäre aber wohl nicht vor Dezember 2024 zum Fahrplanwechsel möglich.

Der Stadtbus hingegen soll noch mit Dieselfahrzeugen laufen. Hier haben die Planer drei Linien vorgeschlagen - jeweils mit dem zentralen Umstiegspunkt am Kelkheimer Bahnhof, um die Verbindung zur Regionalbahn zu schaffen. Die blaue Strecke soll Fischbach, Ruppertshain und Eppenhain anbinden, Rot erschließt Hornau, Grün Kelkheim-Mitte und den nördlichen Teil von Münster. Angefahren werden Bereiche, die bisher von den Bussen nicht tangiert werden. Geplant sind Fahrten in einem 30-Minuten-Takt mit kleinen Bussen für bis zu 13 Personen. Die Linien Grün und Rot wären um die 20 Minuten unterwegs, Blau in die „Berge“ insgesamt 50. Bei vier Fahrzeugen und Fahrten zunächst nur unter der Woche von 7 bis 20 Uhr kommen die Planer auf Kosten von rund 760 000 Euro im Jahr. Zudem sollten die Fachleute prüfen, ob der Stadtbus auch die MTK-Kliniken anbinden kann. Das geht, allerdings nur auf Kosten des 30-Minuten-Taktes, wenn es bei vier Fahrzeugen bleiben soll. Es würden dann die Linien Rot und Grün kombiniert, bei Mehrkosten von 6000 Euro. Der Fahrpreis richtet sich nach den Tarifen als Teil des MTV-Netzes.

Letztlich müssten noch Synergieeffekte geprüft werden, so Hartmann. Ein kleiner Stadtbus könne aber keinen Schulbus ersetzen. Auch müsste die Haltestelle am Kelkheimer Bahnhof erweitert werden - was die Stadt als großes Gesamtprojekt ja schon einige Zeit im Blick hat. Auf Nachfrage, ob auch der Bad Sodener Bahnhof mit S-Bahn-Anschluss angebunden werden könnte, verwies Hartmann aber auf fehlende Platz-Kapazitäten.

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