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Serientäter steigt noch zweimal in Pizzeria ein

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Weitere 17 Monate Haft für vorbestraften Mann / „Visitenkarte“ über Blutspuren hinterlassen

Kelkheim - Das Verlesen des Bundeszentralregisters von Angeklagten, also das, was bei Verkehrssündern das Punktekonto in Flensburg ist, ist fester Bestandteil von Strafprozessen, geht meist aber schnell. Oft steht gar nichts im „BZR“, bisweilen sind da aber auch schon ein paar Straftaten aufgeführt, die Richter dann die Augenbrauen hochziehen lassen.

Bei einem 50 Jahre alten Frankfurter, der sich jetzt vor dem Königsteiner Amtsgericht wegen besonders schweren Diebstahls in zwei Fällen zu verantworten hatte, wurden die Brauen besonders weit nach oben gezogen: 30 Einträge zu verlesen, das braucht seine Zeit und lässt selbst erfahrene Richter die Stirn runzeln. Der Mann hatte sich seit seiner Jugend quer durch das Strafgesetzbuch gearbeitet: Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Versicherungsbetrug, Rauschgifthandel, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung, Hehlerei, Computerbetrug, Unterschlagung, Schwarzfahren und noch einiges mehr.

Gelegenheit, über seine Missetaten nachzudenken, hatte der Angeklagte bereits reichlich, musste er doch viele Jahre seines Lebens hinter Gittern verbringen. Häufig war er wegen guter Führung früher wieder auf freiem Fuß gekommen, die Bewährung musste aber meistens wegen Rückfälligkeit widerrufen werden. Auch jetzt musste der Mann wieder aus der Justizvollzugsanstalt Dieburg, wo er bis Mai 2023 in Strafhaft sitzt, vorgeführt werden. Nun kommen weitere 17 Monate dazu. Denn seine lange Strafgeschichte hat nun auch etwas mit der Möbelstadt zu tun: Der Mann war am 16. Februar dieses Jahres und kurz darauf, am 9. März, zweimal in ein und dieselbe Pizzeria am Fischbacher Rathausplatz eingestiegen - in der Hoffnung, zur Finanzierung seiner Drogensucht Stehlenswertes, noch besser Geld, zu erbeuten. Zum Teil ist ihm das gelungen, wobei der angerichtete Gebäudeschaden am Fischbacher Bürgerhaus weit höher liegt als der Wert der Beute. Das steht zur Überzeugung des Gerichts und nach dem Geständnis des Mannes fest. Amtsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung waren sich über das Strafmaß von einem Jahr und fünf Monaten „ohne“ einig. Selbst der Anwalt meinte, über Bewährung müsse er in diesem Fall ja wohl gar nicht erst reden.

Trinkgeldkasse geplündert

Laut Anklage soll der Mann beim ersten Einbruch, bei dem er sich durch Aufhebeln einer Schiebetür Zugang zum Gastraum verschafft hatte, 3500 Euro aus der Trinkgeldkasse, fast nur in Münzen, sowie eine unbekannte Summe aus einem aufgebrochenen Zigarettenautomaten nebst zahlreichen Stangen an Glimmstängeln erbeutet haben. Den Einbruch selbst hat er gestanden, auch will er die Trinkgeldkasse geplündert und seine liebe Not gehabt haben, die viele Kilo schwere Münz-Beute mit dem Fahrrad abzutransportieren. Allerdings sei es längst nicht so viel Geld gewesen, wie ihm in der Anklage vorgeworfen wurde, allenfalls 1500 Euro. Der geschädigte Wirt konnte das nicht widerlegen, er habe den Betrag nur geschätzt, es könne weniger, aber auch mehr gewesen sein. Die Box sei lange nicht mehr geleert worden.

Der Angeklagte will zwar auch versucht haben, den Zigarettenautomaten zu knacken, sei damit aber gescheitert. Insofern habe er weder Geld noch Zigaretten erbeutet. Auch den zweiten Einbruch räumte er ein. Die Beute, die er diversen Kellnertaschen entnommen haben will, liege aber auch unter dem angeklagten Betrag. Diesmal sei es ihm aber gelungen, den Zigarettenautomaten aufzubrechen. Zwei Stunden habe er dafür gebraucht. Die Beute: fünf bis sieben Stangen Zigaretten und etwas Münzgeld.

Der Angeklagte berichtete von großen Problemen, sich Zugang zur Fischbacher Pizzeria zu verschaffen. Die Schiebetür sei zwar noch nicht repariert, aber doch so gut gesichert gewesen, dass er das Unternehmen zunächst aufgeben musste. Auch andere Türen am Bürgerhaus hätten trotz allen Bemühens, sie aufzuhebeln, standgehalten. Er habe dann erst auf der Gebäuderückseite ein Fenster gefunden, durch das er ins Haus klettern konnte.

Das Geständnis wurde dem Mann bei der Strafzumessung zwar positiv angerechnet, nötig war es jedoch nicht: Die Taten wären ihm, auch ohne dass er sie eingeräumt hätte, nachzuweisen gewesen. Beim ersten Einbruch hatte er nämlich seine Visitenkarte in Form von Blutspuren - die Folgen einer Handverletzung, die er sich beim Öffnen der Schiebetür zugezogen hatte - hinterlassen. Auch auf dem Überwachungsvideo war der einschlägig vorbestrafte Mann von den Ermittlern erkannt worden.

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