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„Rassismus ist immer noch Alltag“

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Das Parlament hat entschieden: Schilder mit diesem Wortlaut sollen an den Ortseingängen platziert werden.
Das Parlament hat entschieden: Schilder mit diesem Wortlaut sollen an den Ortseingängen platziert werden. wein © Weiner

Ausländerbeirat initiiert Schilder zur Mahnung an Ortseingängen

Kelkheim - Möchten Sie, dass die Menschen in Kelkheim wegschauen oder hinschauen? Was würden Sie tun, wenn mich jemand rassistisch beleidigt?“ Emotionale Fragen warf Salomé Korschinowski, die Stellvertretende Vorsitzende des Ausländerbeirats, in der Stadtverordnetenversammlung auf. Und lieferte die ersten Antworten gleich mit: Sicher würden die Kelkheimer sagen, dass sie auch hier gegen Rassismus seien. Doch das ist dem Gremium nicht genug. Sie wollen ein deutlicheres, ein sichtbares Zeichen gegen die Diskriminierung anderer Menschen setzen. Deshalb hat der Ausländerbeirat den Antrag gestellt, an den Ortseingängen Schilder mit dem Text „Kelkheim (Taunus) Stadt gegen Rassismus“ aufzustellen. Das Parlament stimmte dem bei drei Enthaltungen zu.

Korschinowski hatte zuvor mit viel Engagement und Gefühl in ihrer emotionalen Ansprache für die Initiative geworben, die sie mit ihrer Beirats-Kollegin Virgina Caneo gestartet hat. Kelkheim sei „eine gute Stadt mit guten Menschen“. Angriffe auf Flüchtlinge in anderen Orten des Landes seien hier weit weg. So könnte doch vielleicht eher ein Schild „Möbelstadt“ oder „Vorfahrt für Kinder“ aufgestellt werden, überlegte sie kurz.

Doch der Ausländerbeirat wünsche sich ein „politisches Zeichen der Solidarität gegen Rassismus“, betonte die engagierte Flüchtlingshelferin aus Ruppertshain und schilderte den konkreten Fall einer jungen Frau aus Somalia: Als Mädchen habe sie in Kelkheim nicht auf das Gymnasium gehen können, das sei ihr noch nicht zugetraut worden. Zu einer Lehre sei ihr später geraten worden, dabei habe sie doch studieren wollen, so Korschinowski. Und die junge Frau, an die in diesem Moment einige nicht geglaubt hätten, nahm Nachhilfe, schaffte den Schulabschluss und studiert nun Politikwissenschaften in Frankfurt.

Für das Mitglied des Ausländerbeirats ist dieser Fall ein Zeichen, immer genau hinzuschauen, das Thema präsent zu halten. Auch deshalb seien die Schilder am Ortseingang - laut Gremium wären es die ersten im Main-Taunus-Kreis - so wichtig. In Rödelheim sei ein solcher Hinweis schon 2012 aufgestellt worden, weitere folgten. Und Korschinowski betonte: „Der Antrag in alter Form soll bleiben. Es gibt keine bessere Formulierung. Rassismus ist immer noch Bestandteil des Alltags.“

Damit bezog sie sich auf die Diskussionen zuvor im Sozialausschuss, wo nach anderen Worten für die Schilder gesucht wurde. Bei einem ersten Termin zog Korschinowski den Antrag dann vorerst zurück. Um ihn aber in der nächsten Runde des Sozialausschusses aufrechtzuerhalten. Ein Antrag von Patrick Falk (FDP), dort positiver formuliert „Kelkheim - weltoffen und bunt“ zu schreiben, wurde abgelehnt. Es sei der Hinweis gekommen, „Rassismus“ klinge zu negativ, so Korschinowski, die im Parlament deutlich anfügte: „Es fühlt sich auch negativ an.“

Rund zehn Hinweise geplant

Der Ausländerbeirat erhielt schon im Sozialausschuss von einer deutlichen Mehrheit Rückendeckung. Allerdings erläuterte die Verwaltung zuvor, dass solche Hinweise nicht an Ortseingangsschildern platziert werden dürfen, denn diese seien amtliche Verkehrszeichen. Ziel ist es nun, in der Nähe von etwa zehn dieser Schilder als dann optisch unterschiedliche Text-Tafeln „Stadt gegen Rassismus“ - etwa auf einem Hintergrund in Türkisgrün - zu installieren. Die genaue Gestaltung und die Standorte sollen mit der Verwaltung besprochen werden.

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