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Neue Kalkulation fürs Museum

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Still ruht der See seit Sommer: Die Arbeiten am alten Pfarrzentrum Feldbergstraße wurden im Juni gestoppt. weiner
Still ruht der See seit Sommer: Die Arbeiten am alten Pfarrzentrum Feldbergstraße wurden im Juni gestoppt. weiner © Weiner

Stadt will den Ausbau von Saal und Keller im alten Pfarrzentrum schieben

Kelkheim - Zwar beraten aktuell die Fraktionen auch den Haushalt 2023, stellen Anträge und werden in der Stadtverordnetenversammlung nach einer Generaldebatte darüber abstimmen. Doch zeitgleich steht eine andere Entscheidung an, die emotional bei vielen Politikern und Bürgern deutlich weiter reicht als ein Etat mit vielen sicher wichtigen Zahlen. In einer Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses und Bauausschusses am morgigen Donnerstag, 8. Dezember, um 19.30 Uhr im Rathaus-Plenarsaal könnte es einen deutlichen Fingerzeig geben, wie es mit dem alten Pfarrzentrum Feldbergstraße und der Integration des Museums weitergeht. Das letzte Wort hat das Parlament am Dienstag, 20. Dezember (19.30 Uhr, Plenarsaal).

Einsparpotenzial ausschöpfen

Die Verwaltung legt den Stadtverordneten eine neue Vorlage als Grundlage für ihre Beratungen vor. Demnach soll das Gesamtprojekt Kulturzentrum mit Museum aus Kostengründen zunächst einmal abgespeckt umgesetzt werden. Die Stadt hatte im Sommer ein weiteres Fachbüro damit beauftragt, die von 2,6 auf rund 3,5 Millionen Euro gestiegenen Sanierungskosten noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen. Die Frankfurter Firma FF Projekt sah Einsparpotenziale von rund 700 000 Euro, die sich unter anderem durch einen vorläufigen Verzicht auf den Ausbau des Kellers und des Foyers ergeben würden. Auf der anderen Seite nannte das Büro zusätzliche Risiken, die es auf rund 360 000 Euro summierte.

Die Verwaltung um den zuständigen Ersten Stadtrat Dirk Hofmann (CDU) schlägt nach Gesprächen mit dem Museumsverein aber vor, das Projekt in jedem Fall fortzuführen, die Planung aber anzupassen. Die vom Büro ermittelten Einsparpotenziale sollen bis auf das Foyer, das mit rund 50 000 Euro angesetzt ist, realisiert werden. Die Kosten für den Eingangsbereich würde der Museumsverein beisteuern.

Somit soll der Keller im ersten Abschnitt nicht ausgebaut, die Toilettenanlage nach unten verlegt werden. Der Lift wird als Personenaufzug fertiggestellt. Der Keller wird so hergerichtet, „dass ein späterer Ausbau sinnvoll möglich ist“. Was aber bedeuten würde, dass die angedachten späteren Ausbauflächen - wie der Jugendraum und die ehemalige Kegelbahn - möglicherweise „aus bautechnischen Gründen“ reduziert werden müssten. Weiterhin wird im ersten Abschnitt der große Saal nicht ausgebaut, womit sich laut Stadt rund 350 000 Euro einsparen ließen. „Dieser wird bautechnisch so vorbereitet, dass ein späterer Ausbau möglich ist“, fügt der Magistrat aber hinzu. Die in der Präsentation des Fachbüros aufgeführten Mehrkosten von rund 360 000 Euro sollen zusätzlich bereitgestellt werden. Unter dem Strich müssten damit 270 000 statt der befürchteten rund 900 000 Euro im Haushalt zusätzlich eingestellt werden.

Genau darüber entscheiden die Stadtverordneten morgen und am 20. Dezember. Aber letztlich geht es um mehr. Um ein Projekt, über das in Kelkheim seit vielen Jahren diskutiert wird. Dass das bisherige Museum an der Frankfurter Straße aus allen Nähten platzt, ist Fakt. Der Mietvertrag dort läuft im Herbst 2023 aus, daher ist für die Stadt Eile geboten. Altbürgermeister Thomas Horn und der damalige CDU-Chef Alfred Keller hatten den Kauf des Pfarrzentrums als neuen Museums-Standort erstmals ins Spiel gebracht. Das wurde auch realisiert. Doch eine Mehrheit aus UKW und FDP stimmte damals gegen das Projekt und für einen Abriss.

Es war der Auftakt für eine umfangreiche Initiative, die Ende 2018 in einen erfolgreichen Bürgerentscheid zum Erhalt des Pfarrzentrums mündete. Damals wurden Kosten von 1,2 Millionen genannt. Sie kletterten erheblich - vor allem aus Gründen des Brandschutzes und zuletzt wegen der allgemeinen Entwicklung am Markt. Die Bewilligung der zusätzlichen Mittel wurde dann zurückgestellt. Anfang Juni hat der Magistrat beschlossen, die Rohbauarbeiten zu kündigen, „um unnötige Kosten zu vermeiden“. Bisher wurden das gesamte Objekt entkernt, das Kellergeschoss des Aufzugsschachtes und einige Türdurchbrüche hergestellt sowie die Fenster zum Kindergarten aus Brandschutzgründen zugemauert bei Kosten von rund 490 000 Euro (Planung, Bauantrag, ausgeführte Leistungen). Weiterhin seien Aufträge für Planungsleistungen von rund 260 000 Euro vergeben worden, die noch nicht abgerechnet seien, teilt die Stadt noch mit.

„In Abhängigkeit des genauen Ausbau- und Nutzerkonzepts soll weiterhin versucht werden, steuerliche Potenziale im Rahmen des Vorsteuerabzugs zu heben“, heißt es in der Vorlage. Nun ist es an der Politik, über die Sache zu entscheiden. Klar positioniert hatte sich immer wieder die FDP, die von Anfang gegen das Projekt war. CDU und SPD aus der weiteren Koalition sind wohl geschlossen für eine Fortsetzung, bei der UKW hingegen gibt es eine „klare Tendenz“ zur Ablehnung, wie Fraktionschef Maximilian Alter sagt. Die Freien Wähler Kelkheim werden weiterhin dagegen stimmen. Im Parlament sitzt dann noch Ivaloo Schölzel (fraktionslos, Freie Wähler).

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