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Museumsprojekt nach langem Streit gerettet

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Parlamentsmehrheit für Kompromiss / Teilausbau vorerst ohne Saal und Keller

Kelkheim - Die Abstimmung zur Zukunft des Museumsprojekts war mit Spannung erwartet worden, deuteten sich doch hauchdünne Mehrheitsverhältnisse im Parlament an. Doch ein Blick in die Reihen genügte: Zwei Vertreter der UKW, ein Mitglied der Freien Wähler Kelkheim (FWK) fehlten. So wurde es am Ende deutlicher, CDU, SPD und Ivaloo Schölzel (fraktionslos, Freie Wähler) retteten das Projekt mit 23:19 gegen UKW, FDP und einen FWK-Mann.

Erster Stadtrat Dirk Hofmann (CDU) hatte die Vorlage mit einem Kompromissvorschlag eingebracht, der einen vorläufigen Verzicht auf den Ausbau von Keller und großem Saal und damit Kosten von rund 2,9 statt 3,5 Millionen Euro vorsieht. Er habe aber die gute Hoffnung, dass sich die Lage entspanne, Baukosten sinken. Schon jetzt erhalte die Stadt wieder deutlich mehr Angebote auf Ausschreibungen, die zum Teil unter Schätzungen lagen. Altbürgermeister Thomas Horn (CDU), der den Grundstückskauf mit Museums-Idee 2014 mit Alfred Keller (CDU) initiiert hatte, nannte zehn Gründe für das Projekt. Das Areal sei damals zu einem „Schnäppchenpreis“ gekauft worden und habe seinen Wert deutlich gesteigert. Grundlage dieses Geschäfts sei der Museumsbetrieb gewesen. In einem Bürgerentscheid hatten 7952 Kelkheimer dafür gestimmt, für das „Schneckentempo in Verantwortung der Stadt“ seien sie nicht verantwortlich. Der aktuelle Standort sei zu klein, biete keine Perspektiven, so Horn. Das „Nein“ von UKW und FDP, die er als „Abrissallianz“ bezeichnete, lasse jede Nachhaltigkeit vermissen.

Für die Liberalen sagte Birgit Gröger, sie sei anfangs von der Idee „angetan“ gewesen, fragte sich aber nun: „Wo werden die alten Möbel gelagert?“ Toiletten in einem wohl noch feuchten Keller seien nicht gut, Jugendraum und großer Saal fehlten, der Aufzug soll nur für Personen nutzbar sein. „Wir wollen ein bezahlbares Museum“, machte sie deutlich.

UKW-Fraktionschefin Doris Salmon stimmte vielen der Gründe Horns zu - allerdings treffe dies auch auf Alternativ-Standorte zu. „Wir bekommen ein halbfertiges Gebäude. Wenn der Keller wegschimmelt, das möchte ich mir gar nicht ausmalen.“ Bei anderen Projekten mit Kostensteigerungen, wie Feuerwehr Eppenhain und Kita Ruppertshain, stehe die Stadt in der Pflicht zur Fortsetzung - hier nicht, so Salmon. Und auch die Lage in einer Seitenstraße“ sei nicht gut und präsent. Der zweite UKW-Chef, Maximilian Alter, sah eine „Stellvertreter-Diskussion“, denn „es brennt niemand für diese Lösung“ mit der vorgelegten Ausbau-Variante.

Parlamentschefin schaltet sich ein

Kalle Debus machte für die SPD die Finanzrechnung auf, andere Museen seien ebenso teuer geworden. Die Stadt hat schon einiges Geld für die ersten Arbeiten ausgegeben, könnte über 20 Jahre rund eine Million Euro Miete sparen. Ein Neubau werde deutlich teurer, so Debus, der auch das Konzept des Vereins mit Themen wie einer Demokratie-Werkstatt lobte. Das sei wichtig, „wenn Reichsbürger sie bekämpfen“.

Ivaloo Schölzel wies darauf hin, dass die Feldbergstraße nun alternativlos sei. Der Wille aus dem Bürgerentscheid verdiene Respekt - so wie das Motto der Freien Wähler lautet. Die Verzögerung, die zu Kostensteigerungen führte, „müssen wir auf uns nehmen, wir haben es verschleppt, es nicht richtig gemacht“.

Robert Wintermayr (FWK) nannte den Kompromiss ein „Feigenblatt“, das Vorgehen eine „Salamitaktik“ und betonte: „Wenn ich der Museumsverein wäre, würde ich so ein Gebäude nicht akzeptieren.“ Jedes Jahr müsse die Stadt eine sechsstellige Summe in den Betrieb stecken, hätte die nächste defizitäre Gesellschaft. „Man geht nicht in ein Wohngebiet, um sich alte Möbel anzusehen“, sieht er den Standort kritisch. Das Finale war ein Schlagabtausch zwischen Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) und Vorsteherin Julia Ostrowicki (SPD), die sich auf die Rednerliste nahm. Kündiger kritisierte, die Koalition habe eine erste Vollausbau-Lösung Anfang 2022 nicht unterstützen können. Dieser Kompromiss werde nun „keinem gefallen“ - deshalb habe er ihn nicht unterstützt. Ostrowicki wiederum warf dem Bürgermeister vor, nach dem Bürgerentscheid zwei Jahre untätig gewesen zu sein. UKW und FDP kritisierte sie, mit ihrem Abrissbeschluss damals einen Kompromiss für einen Neubau mit Museum und Wohnungen darüber gestoppt zu haben. „Packen wir es an, wenn wir schon in den letzten vier Jahren geschlafen haben“, mahnte Ostrowicki. Kündiger ließ das nicht unkommentiert, wies den Vorwurf des Verschleppens deutlich zurück. Zunächst habe kein Architekt das Projekt angehen wollen, später seien alle Zahlen transparent kommuniziert worden.

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