1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Kelkheim

Museum bleibt ein Wackelkandidat

Erstellt:

Kommentare

Das Büro schlägt vor, die Räume im Keller vorerst nicht fürs Museum auszubauen. Hier der Bereich vor der alten Kegelbahn.
Das Büro schlägt vor, die Räume im Keller vorerst nicht fürs Museum auszubauen. Hier der Bereich vor der alten Kegelbahn. weiner © Weiner

Projekt viel teurer als geplant / Büro legt Spar-Idee ohne Keller-Ausbau vor

Kelkheim - Ist das neue Museums-Projekt im alten Pfarrzentrum Feldbergstraße noch zu retten? Letztlich war es diese Frage, auf deren Antwort die Politik in den vergangenen Monaten wartete. Denn nachdem die Sanierungskosten ein weiteres Mal von rund 2,6 auf etwa 3,5 Millionen Euro gestiegen waren, wackelte die Mehrheit. Die Kelkheimer hatten sich zwar bei einem Bürgerentscheid 2018 für den Erhalt des Gebäudes und den Umzug des Museums dorthin ausgesprochen, doch dieses Votum ist nur drei Jahre bindend. Also beauftragte Erster Stadtrat Dirk Hofmann (CDU) noch einmal ein Fachbüro, um in den Plänen nach Einsparpotenzialen zu suchen. „Die Aufgabe war, ohne Denkverbote darauf zu schauen“, sagte er jetzt im Haupt- und Finanzausschuss.

Dort stellte Geschäftsführer Heiko Förster von der Frankfurter Firma FF-Projekt die Überlegungen des Büros vor. Unter dem Strich sehen die Fachleute sogar weitere finanzielle Risiken, aber auch größeres Einsparpotenzial, wenn auf den Ausbau des Kellers vor allem für Ausstellungsräume sowie ein großes Foyer im Erdgeschoss verzichtet würde. Das könnte etwa 700 000 Euro sparen, weshalb Förster die Zahl von rund 3,2 Millionen Euro nannte. Um weiter nach unten zu kommen, müsste die Stadt noch deutlicher abspecken, so Förster.

Mit dem ermittelten Potenzial wäre die Kommune aber immer noch deutlich von ihrer „magischen Grenze“ von 2,6 Millionen Euro entfernt. Doch Hofmann machte Mut, auch diesen Wert erreichen zu können. Es gebe die Überlegung, aus dem Museum einen umsatzsteuerpflichtigen Betrieb zu machen. Dann könnte sich die Stadt vom Finanzamt die Vorsteuer etwa für den Eintritt oder die Vermietung des großen Saales wieder zurückholen. Der Erste Stadtrat avisierte den Mandatsträgern, dass die Kommune dann etwa bei der ursprünglichen Summe landen könnte.

Mit Wohnungen aufstocken?

Planer Förster betonte wiede-rum, die von seinen Vorgängern ermittelten Zahlen seien bereits sehr gut und belastbar. Es gehe auch nicht darum, hier Kollegen Ratschläge zu erteilen. FF-Projekt, die in Frankfurt zum Beispiel die Sanierung der Kunsthalle „Schirn“ betreut und viele Bürohäuser gebaut haben, nahmen schlicht Möglichkeiten der Veränderung ins Visier. So lautet der zentrale Vorschlag, die Toiletten vom Erdgeschoss in den Keller zu verlagern. Damit würde die Stadt oben mehr Raum gewinnen für Ausstellungsfläche (plus 30 Quadratmeter) und könnte auf die kostspielige Erweiterung des Foyers vor das Haus verzichten. Innen wäre genug Raum für einen Eingangsbereich. In Variante zwei würde der Aufzug wegfallen, was etwa 85 000 Euro bringen würde. Förster riet davon ab, sei der Schacht dafür doch schon gegraben und es vielleicht perspektivisch wichtig. Mit Blick voraus regte er aber an, im Keller zum Beispiel Verputzarbeiten schon anzugehen und Leerrohre für die Elektroleitungen zu legen. Das alles hat FF-Projekt im neuen Preis mit drin. Allerdings werde es schon teurer, wenn in zwei Bauabschnitten gearbeitet wird. Und vor allem hätte das Museum eine deutlich kleinere Fläche nur im Erdgeschoss von rund 250 Quadratmetern - während es sonst das Doppelte wäre.

Zudem sehen die Bauexperten Risiken: Die Abdichtung der Wände zum Keller sei nicht im ersten Plan vorgesehen, auch neue Fenster seien sinnvoll, wenn die Stadt schon die Fassade energetisch sanieren wolle. Fraglich sei, ob das Parkett im Großen Saal, der öffentlich sein soll, nach langer Zeit der Nichtnutzung noch in Ordnung sei. Ebenso setzte die Firma bei den Hausanschlüssen ein Fragezeichen. Das alles zusammen summierte Förster auf 360 000 Euro, die an Mehrkosten wohl dazukämen.

Förster äußerte auf Nachfrage auch die Hoffnung, dass sich die Preisentwicklungen wieder normalisieren werden. Die Politik nahm die Nachrichten insgesamt erst einmal nüchtern auf. Das Büro sei in einer „heiklen Mission“ unterwegs gewesen, so UKW-Chef Maximilian Alter. Die Hoffnungen auf Einsparungen mussten nun „einen gewissen Dämpfer hinnehmen“. Alter hakte auch bei den Fördermitteln nach, die auf die Planänderung wohl Auswirkungen haben werden. Christian Barde (CDU) fragte, ob das Pfarrzentrum nicht in Teilen für Wohnraum überbaut werden könnte - um damit Einnahmen für die Stadt zu erzielen. Laut Förster ist das mit detaillierten Planungen möglich.

Die FDP hatte das Projekt von Beginn an dort so abgelehnt. Fraktionschef Michael Trawitzki sah sich bestätigt. In Abschnitten zu denken, sei „irreführend“. Jetzt würden „schnell Kosten gespart“, und diese in drei Jahren wieder aufgerufen. Die FDP würde nun alles zurückstellen und neu denken. Die anderen Fraktionen nehmen die Zahlen jetzt mit in ihre Beratungen - es bleibt also spannend, aber auch wackelig rund ums Museum.

Hofmann sagte, dass die Zeit dränge. Denn der Mietvertrag für die bisherigen Museumsräume an der Frankfurter Straße läuft im September 2023 aus. Daher müsse die Politik das mit in ihre Etatberatungen nehmen und im Dezember eine Entscheidung treffen, ob das Kulturzentrum mit Museum eine Chance hat - falls ja, in welcher Ausbaustufe. Mit einem positiven Satz beendete Hofmann die Runde: „So unangenehm das Thema ist, so angenehm war die Zusammenarbeit mit dem Büro FF-Projekt.“

Auch interessant

Kommentare