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Mit dem Bus zum Reifenhersteller

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Der Bus hält jetzt direkt vor dem Sitz von Nexen Tire Europe.
Der Bus hält jetzt direkt vor dem Sitz von Nexen Tire Europe. © Renate Hoyer

Die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft erfüllt den Wunsch einer Firma nach einer Haltestelle im Kelkheimer Gewerbegebiet.

Der Bus der Linie 263 fährt pünktlich um 11.01 Uhr vor, die unscheinbare Haltestelle an der Lise-Meitner-Straße im Gewerbegebiet Kelkheim-Münster kennen die Fahrer schon. Seit dem Fahrplanwechsel Ende 2021 gehört sie zur Route Richtung Bahnhof Kelkheim und nach Königstein. Auf dem weiteren Weg muss der Fahrer ein paar Minuten aufholen, obwohl niemand ein- oder aussteigt. Überraschend viele Fotograf:innen, darunter einige aus Korea, wollen den Moment festhalten: Fotoshooting mit Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) und dem Verkehrsdezernenten des Main-Taunus-Kreises, Johannes Baron (FDP), vor allem aber mit Vertretern des koreanischen Unternehmens Nexen Tire Europe.

Der Reifenhersteller, der den europäischen Markt erobern will und mit seinem Gebäude für aktuell 100 Mitarbeiter:innen direkt an der Bushaltestelle ein „architektonischer Ankerpunkt“ (Kündiger) geworden ist, hat sich die Haltestelle gewünscht. Eine zweite wurde in der Adam-Opel-Straße installiert. Die Kosten für das Material in Höhe von rund 8000 Euro, vier Schilder und vier sehr einfache Bänke, hat die Stadt Kelkheim übernommen.

Es ist nur ein kleiner Schlenker, den der Bus Nummer 263 jetzt durchs Gewerbegebiet im Stadtteil Münster nimmt. Ein paar Hundert Meter mehr auf einer Schleife durch pulsierendes Gewerbe- und Industriegelände am Stadtrand mit Blick Richtung Frankfurt. Aber ein Schritt mit Symbolkraft, ein „klitzekleiner, aber wichtiger Schritt“, so der Kelkheimer Rathauschef. Für die Bürger:innen und Fahrgäste sei es eine „Optimierung des Angebots vor Ort und damit sehr wichtig“, findet Johannes Baron, der Vorsitzender im Aufsichtsrat der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV) ist.

Bürgermeister und Verkehrsdezernent sind zur neuen Bushaltestelle ohne Regen- und Windschutz und mit nur einfacher Wartebank ohne Rückenlehne an der Lise-Meitner-Straße gekommen, um mit den Anrainer:innen zu feiern. Im Lärm der im schnellen Takt vorbeifahrenden Transporter, Lastwagen mit Anhängern und anderen Autos wollen sie ein Zeichen setzen für das prosperierende Gewerbegebiet. Vor 20 Jahren gab es hier nur Wiesen und Feld, berichten Kündiger und Baron. Inzwischen gehe es nach enormem Wachstum zuletzt um weitere Ausdehnung. Und nicht ohne ÖPNV für die Firmen der Zukunft und deren Mitarbeiter:innen.

„Die Nachfrage nach direkter ÖPNV-Verbindung ist gestiegen“, sagt Albrecht Kündiger, der Mehraufwand sei vertretbar. Der Betrieb wird nun ein Jahr auf Probe erfolgen, regelmäßige Fahrgastzählungen sind vorgesehen, um zu prüfen, ob sich das Angebot bewährt hat. Rainer Brestel, der Vorsitzende der Vereinigung Kelkheimer Selbstständiger, geht davon aus. In der Zwischenzeit soll Werbung für den ÖPNV und das Jobticket gemacht werden.

Nach dem klitzekleinen, aber wichtigen Schritt haben alle Akteure das große Ganze mit funktionierendem öffentlichen Nahverkehrssystem in der gesamten Metropolregion im Auge. Und der Verkehrsdezernent des Main-Taunus-Kreises hat schon die Vision 2027 im Kopf: mit dem Bus, der dann von Wasserstoff und nicht mehr Diesel angetrieben wird, zum Bahnhof, von dort mit der Regionalbahn 12, die im 15-Minuten-Takt fährt statt wie bisher alle 30 Minuten in der Hauptverkehrszeit, Richtung Frankfurt, mit Möglichkeit zum Umsteigen in Höchst auf die Regionaltangente West, wahlweise in Richtung Flughafen und Eintracht-Stadion oder nach Osten in den Hochtaunuskreis mit den Städten Oberursel und Bad Homburg.

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