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Mit „Atemlos“ im Notfall Leben retten

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Alexander Schleppers erklärt Alexandra und Laura an der EDS, wie sie richtig reanimieren. wein
Alexander Schleppers erklärt Alexandra und Laura an der EDS, wie sie richtig reanimieren. wein © wein

Bekannter Mediziner erklärt Schülern aktuelle Form der Reanimation

Kelkheim - Eigentlich ist gerade Unterricht an der Eichendorffschule (EDS). Nicht in der 8. Klasse von Monika Stöberl. Dort werden fleißig die Arme trainiert und gesungen. Während die Schüler im 120er-Takt in der Minute die Reanimationspuppen drücken, läuft dazu passend im Rhythmus der Hit „Atemlos“ von Helene Fischer. Fast die ganze Klasse reanimiert und singt mit - auch die Lehrerin. Das sei hier einerseits Spaß, über den sich die Schüler später aber trauen, im Notfall selbst eine Animation zu machen, lobt Stöberl. Denn vor einer Ausbildung zum Rettungsschwimmer oder dann dem Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein kämen sie mit dem Thema nicht in Kontakt.

Professor Alexander Schleppers, Geschäftsführer im Berufsverband Deutscher Anästhesisten und in der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, ist als Kelkheimer der Motor. „Ein Leben retten - 100 pro Reanimation“ heißt die Aktion der von ihm geleiteten Gesellschaften, die er hier nicht nur vorstellt. Nach einem Vortrag über die Hintergründe zieht Schleppers mit den Schulsanitätern und Puppen durch die 8. Klassen. Überall wird fleißig im Takt gedrückt. Sei es zu Helene Fischers „Atemlos“ oder „Staying Alive“ von den „Bee Gees“.

Überlebenschance wird verdreifacht

Doch warum drücken? Beim Herzstillstand eines Menschen ersetzt der Helfer dadurch die lebensnotwendige Pumpe. In der Lunge sei für fünf bis zehn Minuten noch ausreichend Sauerstoff, der aber ins Blut transportiert werden müsse, erklärt Schleppers. Somit kommt dem Ersthelfer mit der Herzdruckmassage eine lebenswichtige Rolle zu.

Werde sie nicht in den ersten fünf Minuten durchgeführt, könne es zu spät sein - letztlich verdreifache sie die Überlebenschance. Helfer sollten nach dem Prinzip „Prüfen - Rufen - Drücken“ vorgehen. Also zunächst die Person ansprechen. Kommt keine Reaktion, die „112“ anrufen und mit der Druckmassage auf der freien Brust mit den Händen übereinander beginnen. Um den richtigen Takt von 100 bis 120 in der Minute zu erreichen, helfe das Summen passender Lieder, weiß Schleppers. In Musik-Apps gebe es sogar Vorschläge für Titel. Ausgedient hat die Mund-zu-Mund-Beatmung. Das sei doch immer eine Hemmschwelle gewesen, weiß Schleppers. Durch die Herzdruckmassage werde den Laien diese Hürde genommen.

„Ich hatte Angst, dass ich irgendwas falsch gemacht hätte und noch mehr Schaden verursache. Aber das kann ja echt jeder“, sagt Laura, die gerade mit Alexandra fleißig an der Puppe übt. Auch wenn beide nun rote Hände haben, so habe ihnen dieses Angebot schon sehr geholfen. „Damit kann man Menschenleben retten“, betont Alexandra.

„Schule soll heute auf mehr vorbereiten als auf Mathe und Englisch“, findet EDS-Schulleiter Stefan Haid. Das hier sei ein Baustein. Er hat auch die Erste Kreisbeigeordnete Madlen Overdick und den Kreisbeigeordneten sowie Schuldezernenten Axel Fink zum Reanimationsprojekt eingeladen. Beide machen an der Puppe ebenfalls mit. Eine Herzdruckmassage sei einfacher anzuwenden, findet Overdick und sagt: „Wichtig ist, dass man es macht.“ Die Schüler könnten für die gute Sache als Multiplikatoren dienen. Fink findet das besondere Angebot der EDS prima - auch weil es die Rotarier unterstützen und aus der Gesellschaft hereintragen.

Schleppers ist amtierender Präsident der Organisation und will vor allem bewährte Dinge fortsetzen. Sicher wird er den Kreis-Politikern mit auf den Weg gegeben haben, dass Hessen beim Projekt deutlich hinterher hinke. Bundesländer wie Schleswig-Holstein, Baden Württemberg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern seien beträchtlich weiter. Dabei sei der Aufwand überschaubar, so Schleppers: mit Vortrag und Üben vielleicht eine Stunde. So manche Schule mache in Biologie und Sport ein Projekt daraus. „Hessen ist da mehr als träge, da ist es den Schulen überlassen.“ An der EDS ist das Thema dank der Hilfe des Lokalmatadoren Schleppers angekommen. „Es ist gerade wichtig, Jüngere zu bilden, dass es kein Tabuthema ist“, so Eliana von den Schulsanitätern. wein

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