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Main-Taunus: Lebenshilfe-Vorstand droht Abwahl

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Von: Andrea Rost

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Ulrich Mann ist seit Mitte Februar als Geschäftsführer der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung im Main-TaunusKreis freigestellt.
Ulrich Mann ist seit Mitte Februar als Geschäftsführer der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung im Main-TaunusKreis freigestellt. © Michael Schick

Fast ein Drittel der Vereinsmitglieder der Lebenshilfe Main-Taunus wollen wissen, warum Geschäftsführer Ulrich Mann gekündigt wurde. In einem Brief fordern sie eine außerordentliche Mitgliederversammlung und drohen dem ehrenamtlichen Vorstand mit Abwahl.

Mitte Februar hat der Vorstand der Lebenshilfe Main-Taunus dem Geschäftsführer des Vereins, Ulrich Mann, gekündigt und ihn mit sofortiger Wirkung von seiner Tätigkeit freigestellt. Jetzt fordern 130 Mitglieder der Lebenshilfe den Vorstand auf, schnellstmöglich eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, bei der die Gründe für die Abberufung von Mann dargelegt werden. Es gehe um Transparenz, um vertrauensvolle Zusammenarbeit und darum, Schaden von der Lebenshilfe abzuwenden, heißt es in dem Schreiben, das der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Vorstandsvorsitzende Jenny Grünewald hatte in einem Brief an die Mitglieder auf einen „langen Vorlauf der Entwicklungen“ verwiesen und von Vertrauensverlust zwischen Vorstand und Geschäftsführung gesprochen. Details nannte sie nicht, auch im Gespräch mit der FR blieb Grünewald zurückhaltend.

„Ich als Mitglied möchte, dass die Gründe für diese gravierende Entscheidung auf den Tisch gelegt werden“, sagt Alexander Schleppers, der den Brief an den Vorstand mit unterzeichnet hat. Viele Lebenshilfe-Mitglieder hätten sich in den letzten Tagen bei ihm gemeldet und eine außerordentliche Mitgliederversammlung zur Kündigung von Ulrich Mann gefordert, berichtete der Kelkheimer der FR. Ein Dutzend Rückmeldungen seien zudem direkt beim Vereinsvorstand eingegangen. Selbst wenn damit das laut Vereinssatzung geforderte Drittel der Mitglieder knapp nicht erreicht werde, zeige die große Zahl doch, wie wichtig die Aufklärung des Sachverhaltes sei. „Dass man einen derart entscheidenden Schritt nach einer für die Lebenshilfe ohnehin schwierigen Zeit geht, lässt mich ratlos zurück“, sagte Alexander Schleppers.

Im Schreiben an den Vorstand enthalten ist auch ein Vorschlag für die Tagesordnung: Demnach soll nicht nur der Vereinsvorstand seine Beweggründe für die Kündigung von Ulrich Mann darlegen, sondern auch der freigestellte Geschäftsführer zu Wort kommen. Danach wollen die Mitglieder über die Kündigung von Ulrich Mann abstimmen und gegebenenfalls einzelne Mitglieder des Vorstand „aufgrund grober Pflichtverletzung und Unfähigkeit zur ordnungsgemäßen Geschäftsführung“ abwählen.

Das Agieren in der Angelegenheit vermittele den Eindruck, „dass der ehrenamtliche Vorstand seine Bedürfnisse in der Kooperation mit der Geschäftsführung über die Bedürfnisse der Mitarbeitenden und Leitungskräfte der Lebenshilfe stellt“, heißt es zur Begründung. Dies umso mehr, als Ulrich Mann großen Rückhalt unter den Beschäftigten der Lebenshilfe genieße. Sie und nicht der Vorstand seien es, die sich an vorderster Front für die Menschen mit Behinderung tagtäglich engagierten.

Ulrich Mann hatte die Geschäftsführung der Lebenshilfe Main-Taunus vor zwei Jahren übernommen, nachdem 2018 der langjährige Geschäftsführer Uve Lüders vom Vorstand gekündigt worden war. Auch damals blieben die Gründe für diese Entscheidung im Dunkeln.

Die Lebenshilfe Main-Taunus wurde 1967 von Angehörigen behinderter Menschen gegründet. Der Verein hat aktuell 480 Mitglieder und unterstützt mehr als 500 Menschen mit Behinderung sowie deren Familien. In fünf Wohnhäusern in Eschborn, Flörsheim und Kelkheim, in betreuten Wohngemeinschaften und dem betreuten Einzelwohnen leben mehr als 150 Menschen mit vorwiegend geistiger Behinderung.

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