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Main-Taunus: Lebenshilfe-Geschäftsführer muss gehen

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Ulrich Mann war seit April 2020 Geschäftsführer der Lebenshilfe Main-Taunus.
Ulrich Mann war seit April 2020 Geschäftsführer der Lebenshilfe Main-Taunus. © Michael Schick

Der Vorstand der Lebenshilfe-Kreisvereinigung im Main-Taunus hat Geschäftsführer Ulrich Mann von seinen Aufgaben entbunden. Das Leitungsteam des Vereins soll neu aufgestellt werden. Dabei spielen auch Vorwürfe von Angehörigen der behinderten Menschen eine Rolle.

Konkrete Gründe, warum der Vorstand der Lebenshilfe Main-Taunus Ulrich Mann Mitte Februar als Geschäftsführer freigestellt hat, nennt Jenny Grünewald im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau nicht. Die Vorsitzende des ehrenamtlichen Vereinsvorstands spricht von „schwindendem Vertrauen, von mangelnder Kommunikation und unterschiedlichen Vorstellungen über die Betreuung der 150 Menschen mit geistiger Behinderung, die in Wohnungen und Wohnheimen der Lebenshilfe im Landkreis leben“.

Von außen sei dieser Schritt womöglich schwer nachzuvollziehen, räumt Grünewald ein. „Wir haben lange überlegt und uns die Entscheidung nicht leichtgemacht“, sagt sie. Für die inklusive Gestaltung aller Angebote der Lebenshilfe bedürfe es einer perfekt funktionierenden Geschäftsführung, die Hand in Hand mit dem Vorstand zusammenarbeite. „Das war in der letzten Zeit jedoch nicht mehr gegeben.“

Der gemeinnützige Verein, der vor mehr als einem halben Jahrhundert von Angehörigen behinderter Menschen im Main-Taunus-Kreis gegründet wurde, steht damit zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre organisatorisch vor einem Scherbenhaufen. 2018 trennte sich der Vorstand vom damaligen Lebenshilfe-Geschäftsführer Uve Lüders. Man habe die Notbremse gezogen, hieß es seinerzeit aus Vorstandkreisen. Die Lebenshilfe sei in Jahrzehnten ständig gewachsen, die Verwaltungsstrukturen hingegen seien nicht angepasst worden.

Der Verein

Gegründet wurde die Lebenshilfe Main-Taunus im Jahr 1967.

Der Verein hat 500 Mitglieder und unterstützt mehr als 500 Menschen mit Behinderung sowie deren Familien.

Das Angebot der Lebenshilfe umfasst die Frühförderung, den familienunterstützenden Dienst, die Beratungsstelle Stark, die Beratungsstelle Wohnen und den Treffpunkt leichte Sprache.
In fünf Wohnhäusern in Eschborn, Flörsheim und Kelkheim, betreuten Wohngemeinschaften und dem betreuten Einzelwohnen leben mehr als 150 Menschen mit vorwiegend geistiger Behinderung.

Das Projekt „Mitleben“ ist in der Kreisstadt Hofheim angesiedelt. Seit Ende 2017 leben dort neun Personen mit hohem Unterstützungsbedarf in drei Wohngemeinschaften, die die Lebenshilfe betreut. aro

Ähnlich formuliert es Jenny Grünewald jetzt wieder. Die Lebenshilfe Main-Taunus sei mit 200 Beschäftigten zu einem mittelständischen Unternehmen geworden, in dem Haupt- und Ehrenamtliche an einem Strang ziehen müssten, sagt die Vorsitzende. „Wir hätten uns schon vor Jahren um die Organisationsentwicklung kümmern müssen. Das haben wir verpasst.“

Dass auch Menschen, deren Angehörige in den Wohnheimen leben, dies so sehen, geht aus diversen Schreiben hervor, die der FR vorliegen. Der ständige Personalwechsel wird darin beklagt und die aus Sicht von Familien zu weit gehende Autonomie der behinderten Menschen, die gesundheitliche Schäden zur Folge habe. Infrage gestellt wird auch die Qualität der Betreuung, viele fürchten um das gute Image des Vereins.

Bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung informierte der Vorstand vor kurzem über die Freistellung des Geschäftsführers. Man wolle nach vorne schauen, sagt Jenny Grünewald der FR. Es gebe viel zu tun, 80 Menschen stünden auf der Warteliste für einen Heimplatz. Viele Immobilien der Lebenshilfe seien dringend sanierungsbedürftig.

Auf seiner Homepage sucht der Verein bereits „ein oder zwei Menschen“, die das Leitungsteam verstärken und formuliert – etwas sperrig – die Anforderungen: „Von Vorteil sind Erfahrungen mit einer Angehörigenorganisation als Träger sowie eine positive Grundhaltung, die es erleichtert, die Spannungen zu den unternehmerischen Anforderungen konstruktiv zu bewältigen, die die Größe eines mittelständischen Unternehmens mit sich bringt.“

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