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Lebenshilfe Main-Taunus: Heimaufsicht drohte Zwangsmittel an

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Von: Andrea Rost

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Die Villa Luce in Eschborn ist eines von fünf Wohnhäusern der Lebenshilfe im Main-Taunus-Kreis.
Die Villa Luce in Eschborn ist eines von fünf Wohnhäusern der Lebenshilfe im Main-Taunus-Kreis. © Rolf Oeser

Der Vorstand der Lebenshilfe Main-Taunus nennt in einem Brief an die Mitglieder erstmals Gründe für die Kündigung von Geschäftsführer Ulrich Mann. Im Mai soll eine Zukunftwerkstatt zur Neuausrichtung des Vereins beginnen.

Dass der Geschäftsführer der Lebenshilfe Main-Taunus, Ulrich Mann, Mitte Februar gekündigt und freigestellt wurde, hat für viel Unruhe unter Mitarbeiter:innen und Mitgliedern gesorgt. Dass der Vereinsvorstand keine konkreten Gründe für seine Entscheidung nannte, machte die Sache nicht besser. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung wurde gefordert.

Manns Kündigung sei von persönlichen Interessen einzelner Vorstandsmitglieder gesteuert, hieß es. Die Abwahl des Gremiums stand im Raum. Mitarbeitende klagten über mangelnde Transparenz und veraltete Organisationsstrukturen, die eine zeitgemäße Betreuung der Menschen mit Behinderung und deren Familien unmöglich machten.

„Wir nehmen alle Fragen und Ängste, die an uns herangetragen wurden, sehr ernst“, sagte Vorstandsvorsitzende Jenny Grünewald der Frankfurter Rundschau. Vorstandsmitglieder hätten viele Telefongespräche geführt. „Wir konnten Antworten geben, Befürchtungen ausräumen“, sagt Grünewald. „Wir wissen aber auch, dass es damit nicht getan ist.“

Vor Ostern versandte der Lebenshilfe-Vorstand deshalb einen Brief an alle knapp 500 Mitglieder und nannte erstmals Gründe für die Entscheidung, sich von Ulrich Mann zu trennen. „Sowohl bei pädagogischen Konzepten als auch bei der Absicherung des Pflegebedarfs gab es in den vergangenen zwei Jahren gravierende Versäumnisse“, heißt es in dem Schreiben, das der FR vorliegt. Im Februar habe die Hessische Betreuungs- und Pflegeaufsicht schließlich mit Zwangsmitteln gedroht, wenn die erheblichen Schwächen nicht schnell behoben würden. „Als Vorstand mussten wir in dieser Situation handeln“, sagte Grünewald.

Aktuell werde mit Eva Epple, die seit Frühjahr 2021 Verwaltungsleiterin der Lebenshilfe ist und vorübergehend die Geschäftsführung übernommen hat, an der Verbesserung der Betriebsorganisation gearbeitet, um alle Forderungen der Heimaufsicht zu erfüllen. Mit im Boot sei auch Wolfgang Rhein, der die Geschäftsführung bereits 2019 nach der Kündigung von Uve Lüders interimistisch übernommen hatte. Damals musste der Verein finanziell saniert und die drohende Insolvenz abgewendet werden. Mittlerweile stehe die Lebenshilfe Main-Taunus wirtschaftlich wieder auf soliden Beinen, betonte Grünewald.

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung wird es den Angaben zufolge nicht geben. Der Lebenshilfe-Vorstand will aber bereits vor der Sommerpause über die aktuellen Entwicklungen informieren und bei einer vorgezogenen Mitgliederversammlung Fragen diskutieren.

Darüber hinaus ist eine „Zukunftswerkstatt“ geplant, die Auftaktveranstaltung soll am 14. Mai stattfinden. Daran teilnehmen können Mitglieder und Mitarbeiter:innen ebenso wie die behinderten Menschen, die von der Lebenshilfe betreut werden, und deren Angehörige. „Wir wollen gemeinsam einen strukturierten Dialogprozess beginnen, der voraussichtlich ein Jahr dauern und bei dem es um die unterschiedlichsten Themen gehen wird“, kündigte Grünewald an. Zur Unterstützung habe der Vorstand einen professionellen Organisationsentwickler engagiert, der den Prozess als Experte begleiten soll.

„Unser Ziel ist es, dass wir uns am Ende in einem Verein wiederfinden, in dem das menschliche Miteinander gepflegt wird, der aber auch auf eine solide Organisationsstruktur bauen kann“, sagte Jenny Grünewald der FR.

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