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Leben in Kelkheim vor 7500 Jahren

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So können sie gelebt haben: Das Modell eines Langhauses hat die Stadt zeichnen lassen. stadt
So können sie gelebt haben: Das Modell eines Langhauses hat die Stadt zeichnen lassen. stadt © Stadt Kelkheim

Magnetische Prospektion am „Hühnerberg“ weist Langhäuser von Siedlung nach

Kelkheim - Sie haben in Häusern gelebt, die zwischen 20 und 60 Meter lang sein konnten. Daher der Name Langhäuser. Holzpfosten trugen das mit Stroh belegte Dach. Die Seiten ohne Fenster bildete ein Weidengeflecht, das mit Lehm verfüllt wurde. Mit Fundamentgräben wurde die Wetterseite verstärkt. Im hinteren Bereich schliefen die Menschen, davor gab es den Wohn- und Arbeitsbereich, meist noch einen Dachboden als Lager und vorne oft nur einen Eingang.

Wer heute zwischen Kelkheim, Hornau und Fischbach am „Hühnerberg“ vorbeikommt, der darf sich jetzt ein solches Szenario dort im Feld vorstellen. Denn um 5500 vor Christus haben hier ganze Sippen gelebt. Diese Vermutung legten schon Funde von Scherben und Klingen aus Feuerstein des Archäologen Michael Sturm-Berger nahe. Sie waren der Ausgangspunkt für eine nähere Untersuchung des Areals in den vergangenen Monaten. Und siehe da: Die Stadt freut sich laut Kulturamtsleiterin Beate Matuschek über überraschend eindeutige Ergebnisse. Die Firma Spau aus Münzenberg konnte Strukturen von mindestens fünf solcher Langhäuser nachweisen.

Während die Funde aus der Michelsberger Kultur viele Hundert Jahre später auf dem Hofheimer Kapellenberg das vorgeschichtliche „Leuchtfeuer“ seien, so Spau-Geschäftsführer Sascha Piffko, sei das Kelkheimer Ergebnis nun „der Anfang“. Der erfahrene Archäologe sagt: „Die Untersuchung bereichert die Region. Nur wenn wir wissen, woher wir kommen, können wir sehen, wohin wir gehen.“

Doch wie konnten die Fachleute Häuser nachweisen, die vor mehr als 7500 Jahren dort gestanden haben sollen? Piffko betont, es gebe überall schon viele Ausgrabungen, die diese „Ressource“ Denkmal immer mehr aufbrauchen. Er versuche, das zu vermeiden und setzte auch in Kelkheim mit seinem Team auf eine Prospektion. Mit einem Magnetometer fuhren sie eine Fläche von rund 2,3 Hektar ab, um auf Anomalien durch magnetische Störkörper zu stoßen. So könnten natürlich alte Blechdosen entdeckt werden, aber ebenso in der Frühgeschichte gegrabene Löcher - etwa für die Pfosten der Langhäuser oder die Gräben. So lassen sich die Grundrisse der Gebäude zum Teil nachweisen. Gemeinsam ist ihnen am Hühnerberg die Ausrichtung nach Nordwesten als Wetterschutz. „Ein Loch ist noch nach Zehntausend Jahren nachweisbar“, sagt Piffko.

Diese Befunde in Kombination mit den Scherbenfunden datieren die Siedlung in die Linear-Bandkeramik - benannt nach den Verzierungen von typischen Gefäßen. Der Fachmann sieht unter dem Strich ein „überraschend gutes und klares Bild“ am „Hühnerberg“ und kann sich vorstellen, diese Ergebnisse durch weitere Forschungen zu vertiefen - vielleicht eine Master- oder Doktorarbeit zu machen, maximal an wenigen Stellen auch einmal in die Erde zu schauen. Bei der Stadt rennt er offene Türen ein. Kulturchefin Matuschek hat aus der Untersuchung einen Beitrag gemacht, der im Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises erscheinen soll. Auch soll die Frühgeschichte im Museum damit ausgebaut werden. Und sie kann sich Vorträge der Firma vorstellen. Das Ganze in Kombination mit der Hofheimer Siedlung unter die Lupe zu nehmen, könnte ein weiterer sehr spannender Aspekt sein, finden Matuschek und Piffko.

Besonders ist bereits die Geschichte, die schon bekannt ist und als „neolithische Revolution“ gilt. Die früheren Jäger und Sammler waren nie sesshaft, es zog sie aus dem vorderen Orient nach Mitteleuropa. Hier siedelten sie sich an. Eine erste Siedlung dieser Zeit wurde in der Wetterau bei Friedberg nachgewiesen. Die Kelkheimer Sippe ist nun später datiert, war aber der Beginn in der Region. Die Menschen jagten fortan die Tiere nicht mehr, sondern hüten sie, an und zum Teil in ihren Häusern. Sie schufen Keramik aus Ton, um auch Vorräte anzulegen. Nicht nur für Matuschek zählt das „zu den bedeutendsten Umbrüchen in der Geschichte der Menschheit“. Dass es in Fischbach ein Zeugnis dieser Zeit gibt, begeistert auch Ersten Stadtrat Dirk Hofmann und Karin Wolff, die Geschäftsführerin der Kulturfonds Rhein-Main GmbH. Beide verfolgen Piffkos Präsentation mit großem Interesse. Das sei für den Fonds ein „ungewöhnliches Projekt“. Doch auch „wissenschaftliches Arbeiten im Bereich Geschichte kann Menschen kulturelle bewegen“, erläutert Wolff, weshalb hier eine Unterstützung kam.

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