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Kunst auf Augenhöhe

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Blick durch die Türen-Kunst: Sie entspannen in der Künstlerkreis-Ausstellung zwischen den Bildern der Menschen mit Handicap: Dorothea Gräbner, Petra Hillekes und Marlies Pufahl (von links). weiner
Blick durch die Türen-Kunst: Sie entspannen in der Künstlerkreis-Ausstellung zwischen den Bildern der Menschen mit Handicap: Dorothea Gräbner, Petra Hillekes und Marlies Pufahl (von links). weiner © wein

Kreative mit Handicap stellen mit Künstlerkreis-Duo aus

Kelkheim - Andreas Skorupa hat die „Waldfee mit dem Fuchs“ gemalt, von Oliver Hammerschmidt stammt „Volle Pulle durch den Sand“, und für die „Frau mit Blumenvase“ ist Jeannette Ghobrial der kreative Kopf. Die Bilder des Trios und viele mehr sind jetzt im „Kunstraum 44“ des Künstlerkreis zu sehen. Das allein ist nichts Besonderes, denn der Verein präsentiert jeden Monat neue Werke. Dieses Mal ist das Team neue Wege gegangen: In der Präsentation „Auf Augenhöhe“ stellen Mitglieder und Menschen mit Handicap von den Praunheimer Werkstätten aus. Die Ausstellung wurde am gestrigen Sonntag im Kunstraum, Parkstraße 2, eröffnet. Zu sehen sind die Bilder noch bis 20. November donnerstags und samstags von 15 bis 18 sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr. Unterstützung gibt es vom Rotary-Club.

Gastgeber sind die bildenden Künstlerinnen Marlies Pufahl aus Liederbach und Dorothea Gräbner aus Frankfurt. Mit Petra Hillekes von der Stiftung Praunheimer Werkstätten haben sie die Werke der zwölf Gäste gehängt. „Das hat Spaß gemacht, es ist eine lebensfrohe Ausstellung“, schwärmt Pufahl und lässt ihren Blick durch den Raum schweifen: „Der Mensch ist fast überall.“ Sie trägt Köpfe aus Ton und die grazilen Damen am Reck bei. Gräbner hat Hände geschaffen und mit Filz überzogen. Zudem präsentiert sie zwei alte Türen als Kunstwerke - durch die Menschen in den Löchern zu streben scheinen. „Hoffentlich“ heißt ein Tür-Motiv, wo sie mit Ausschnitten aus Landkarten einen Weg in eine positive Zukunft zeigen wolle.

Zudem sei ihr das Kunstwerk von allen Seiten wichtig, betont Gräbner. Hillekes ist begeistert von der Mischung der Kunst, die symbolisch „für mehr menschliches Miteinander in der Gesellschaft“ stehe. Die Beschäftigten aus den Praunheimer Werkstätten haben an den Standorten Fechenheim und Praunheim während der Arbeit zwei Ateliers, um kreativ zu sein. Zudem gibt es für die Freizeit die Anlaufstelle im Wohnheim „Praunheimer Mühle“. Hillekes weiß, sie den Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung das Angebot helfe: „Sie kommen zum Teil wie ausgewechselt, aufgetankt zurück.“

Malerei trifft auf Türen und Damen

Pufahl hat Künstler Hammerschmidt kennengelernt und ihn gefragt, ob er ausstellen wolle. Ein „Jaaa“ sei da gekommen. Vor einigen Jahren hatte der Künstlerkreis mit dem Wohnheim „Villa Luce“ in Eschborn in einer Ausstellung kooperiert. Zuletzt sah Mitglied Herta Werlitz die Bilder der Künstler von den Praunheimer Werkstätten beim Höchster „Design-Parcours“ und schwärmte. „Das ist es“, griffen Pufahl und Co. die Idee einer Ausstellung auf Augenhöhe gerne auf.

Es ergänzt sich prima: Hier die bildende Kunst des Vereins-Duos, dort die Gäste mit ihren farbenfrohen Bildern, die zu guter Laune, aber auch zum Nachdenken anregen. Warum etwa heißt ein Motiv „Malika füttert die Giraffe“, wenn darauf das langhalsige Tier nicht zu sehen ist? Wie kommt es zur Kombination „Die Schöne und das Stinktier?“ Auch „Vier Grazien“ lassen Spielraum zur Interpretation. Künstler Hammerschmidt baut stets Buchstaben-Kombinationen in seine farbenfrohen Malereien ein. Seine Bilder seien sehr gefragt, weiß Hillekes. Skorupa stellt bereits international aus. Bei Ghobrial sei eine Entwicklung gut zu sehen. „Sie malt so fröhlich. Da ist zu sehen, was durch Förderung alles möglich ist.“ Das farbig-verschnörkelte Motiv von Joachim Welz hat es sogar auf eine Weihnachtskarte der Stadt Frankfurt geschafft.

Es kommen die Freude an der Kunst rüber, betont Hillekes, die hier gelebte Inklusion sieht. Durch die gemeinsame Ausstellung zeige der Künstlerkreis ihnen „die Anerkennung“, ohne sie zu sehr in den Mittelpunkt zu rücken, hebt Pufahl hervor. Sie kann sich vorstellen, eine solche Zusammenarbeit regelmäßig zu präsentieren, während Hillekes anregt, in einem Workshop gemeinsam zu malen. Und sich freuen würde, wenn es am Werkstätten-Standort Höchst ein weiteres Atelier geben könnte.

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