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Kostenloser Stromspar-Check

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Alte Boiler sollten getauscht werden oder nicht dauerhaft am Strom hängen: auch ein Tipp von Ulrich Schäferbarthold, Seniorenberaterin Gunda Lenk und Klimaschutzmanager Carsten Hammer (v. l.).
Alte Boiler sollten getauscht werden oder nicht dauerhaft am Strom hängen: auch ein Tipp von Ulrich Schäferbarthold, Seniorenberaterin Gunda Lenk und Klimaschutzmanager Carsten Hammer (v. l.). weiner © Weiner

Menschen, die Transferleistungen beziehen, werden beraten und ausgerüstet

Kelkheim - Von einer Energiekrise in Folge des Ukraine-Krieges waren die Menschen vor 17 Jahren noch weit weg. Doch auch damals gab es schon intensive Bestrebungen, Strom, Gas und Wasser zu sparen. Im Dezember 2005 wurde der Grundstein für eine Pionierarbeit gelegt: Werner Neumann, Leiter des Energiereferates der Stadt Frankfurt, kam auf Ulrich Schäferbarthold, Abteilungsleiter vom Caritasverband, zu mit der Idee, Haushalte mit geringerem Einkommen in Sachen Energiesparen zu beraten. Der Kelkheimer und sein Team schnürten daraus ein Paket, das als „Stromspar-Check“ bundesweit einen Namen hat.

Es ist ein Vorhaben des Caritas-Bundesverbandes und des Bundesverbandes der Energie- und Klimaschutzagenturen daraus geworden - mit Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Seit 2008 haben mehr als 400 000 Haushalte in 150 Kommunen und Landkreisen an der Beratung teilgenommen, wurden durch Maßnahmen rund 700 000 Tonnen CO2 eingespart.

Nun ist der „Stromspar-Check“ in Schäferbartholds Heimat angekommen. Die Stadt Kelkheim unterstützt das Projekt mit Werbemaßnahmen und organisatorischer Begleitung. Das Ganze passiert in Kooperation mit dem Caritasverband Wiesbaden/Rheingau-Taunus. Wie Schäferbarthold berichtet, sei dort ein ehemals Arbeitsloser durch eine erste Fortbildung im Bereich der Energieberatung mit Zertifizierung bei der Industrie- und Handelskammer in Lohn und Brot gekommen. Er soll nun im Schwerpunkt für Kelkheim tätig sein. Langzeitarbeitslose zu beschäftigen - ein wichtiges Ziel des Projektes.

SO FUNKTIONIERT DER CHECK

Das Wort „Stromspar-Check“ klingt schön und gut. Doch wie kommen Bürger an diese Hilfe? Zunächst müssen sie Transferleistungen wie Arbeitslosengeld 2, Grundsicherung, Wohngeld oder auch Bafög beziehen. Sie können einen Zettel in dem Werbeflyer ausfüllen und einen Termin vereinbaren oder sich beim Caritasverband Wiesbaden/Rheingau-Taunus melden unter 0 611/6 09 23 48, stromsparen@caritas-wirt.de .

In einem ersten Schritt schaut der fortgebildete Berater der Caritas zu Hause vorbei. Dabei gehe es vor allem darum, die Strom- und Wasserverbräuche zu ermitteln sowie das Heizverhalten der Bewohner zu besprechen. Zudem werden die Gas- und Wasser-Rechnungen überprüft, mit einer Datenbank verglichen und ein Kurzbericht erstellt. So ergeben sich bereits Einsparpotenziale. Bei einem zweiten Besuch gibt es einen Bericht mit Vorschlägen. Sie können direkt an Ort und Stelle umgesetzt werden, der Berater bringt gratis abschaltbare Steckerleisten, LED-Leuchten, Perlstrahler, Zeitschaltuhren, Wasserspar-Duschköpfe direkt mit. Ein dritter Termin ist möglich. wein

Schon 2005 war die Sache anfangs gut gemeint: Menschen mit geringerem Einkommen sollten die Chance auf einen Energie-Check bekommen. Doch Schäferbarthold erinnert sich, dass damals die Hemmschwelle noch groß war. So schnürte die Caritas ein Starterpaket mit Energiesparlampen oder schaltbaren Steckerleisten - und schon öffneten sich Türen. Der „Stromspar-Check“ heimste Preise ein, Schäferbarthold konnte auch im Bundesministerium erfolgreich für seine Pläne werben.

In Kelkheim wurde in der UKW-Fraktion über den praktischen Klimaschutz für die Stadt gesprochen - und bald rückte auch Schäferbartholds Pionier-Projekt in den Mittelpunkt. Zeitgleich hatte außerdem die städtische Seniorenberatung „Älter werden in Kelkheim“ um Leiterin Gunda Lenk dieses Thema angesichts explodierender Energiekosten auf dem Schirm.

So ziehen sie nun alle an einem Strang. „Energie darf kein Luxus sein“, sagt Klimaschutzmanager Carsten Hammer. Berechnungen haben ergeben, dass Haushalte nach solchen Checks im Schnitt fast 200 Euro im Jahr sparen können. Und es könnte auch weitere Gelder direkt geben. Das Bundesprojekt bezuschusst den Austausch alter stromfressender Kühlschränke gegen neue effiziente Geräte mit 100 Euro. Die Stadt und die Bürgerstiftung Kelkheim legen noch jeweils weitere 50 Euro für die ersten 50 Haushalte drauf. Sie alle wissen aber auch, dass die Umsetzung knifflig ist. Seniorenberaterin Lenk sagt, dass es oft nicht leicht ist, die Leute zu erreichen. Veränderungen im Energie-Verhalten zu schaffen, könnte eine Herausforderung sein. Schäferbarthold betont wie Bürgermeister Albrecht Kündiger: „Wir haben hier ein Projekt, da gibt es nur Gewinner.“

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