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Kommunalpolitiker mit Leib und Seele

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Seine Sitzungsführung wurde hoch geachtet: Wolfgang Männer als Vorsitzender des Kreistags. babs
Seine Sitzungsführung wurde hoch geachtet: Wolfgang Männer als Vorsitzender des Kreistags. babs © babs

Kreistagsvorsitzender Wolfgang Männer mit 78 Jahren gestorben

Kelkheim - Zum 75. Geburtstag hat ihm der Main-Taunus-Kreis einen Empfang bereitet. Dieser Zeitung hatte er vorher verraten, dass er einen solchen „Aufgalopp“ eigentlich nicht brauche. Das war typisch Wolfgang Männer: Bescheiden und gerade heraus hat er sich in der Politik zwischen seinem Wohnort Ruppertshain und dem Hofheimer Kreishaus - die Strecke pendelte er gerne auch mit dem Bus - einen Namen gemacht. Und deshalb hat sich gestern die traurige Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet: In der Nacht zum Dienstag ist Männer im Alter von 78 Jahren gestorben.

Es gibt wohl nur wenige Politiker, die sowohl in ihrer Heimatstadt als auch im Kreis so viele Akzente gesetzt haben. Männer hat zunächst politische Karriere in den „Bergen“ gemacht: 1972 als Gemeindevertreter von Rossert (Ruppertshain und Eppenhain). Weil die SPD dort bis zu 65 Prozent einfuhr und ihr Bürgermeister Fritz Renner „wie ein Großfürst“ regiert habe, wandte sich der Bankkaufmann der CDU zu, erzählte er einmal. Daraus wurden fast sechs Jahrzehnte. 1985 wurde Männer in Kelkheim Fraktionschef und gab den Posten erst mit der Kommunalwahl 2011 ab. Von 1977 bis 1989 sowie seit 1997 war Männer zudem im Kreistag vertreten - und beerbte Matthäus Lauck 2011 als dessen Chef.

Berufspolitiker wollte er nie werden. „Ich wollte meine Freiheit behalten und mich nicht fürs Gehalt beschimpfen lassen“, gab er ehrlich zu. Als Bürgermeister Winfried Stephan aufhörte, hatte er als Fraktionschef „den ersten Zugriff“. Männer, der auch Kassierer im Gesangverein „Alemania Concordia“ war, lehnte aber ab.

Zum 70. Geburtstag ärgerte er sich über den Bürokratie-Kram, den Freizeitpolitiker heute zu bewältigen haben. Der gesunde Menschenverstand komme da immer weniger zur Geltung. In Kelkheim ließ er seine Karriere 2020 als Stadtrat ausklingen - darum machte er nicht viel Aufsehen, schrieb ein paar Zeilen: Es habe ihm „viel Freude bereitet“ und sei „zugleich ein große Ehre“ gewesen, für die Kelkheimer Bürger „so lange wirken zu dürfen“. Und sagte tschüss: „Ich wünsche der Stadt eine gedeihliche Zukunft.“

Die Rolle des neutralen Moderators wurde ihm im Kreis zugetraut und angeboten. Landrat Michael Cyriax hat den Kreistags-Vorsitzenden nicht selten für seine Leitung gelobt, ebenso die Fraktionen. Männer habe „für ein menschliches Gesicht kommunaler Politik“ gestanden, hält Cyriax fest. Er habe den „Vorsitz im Kreistag vorbildlich überparteilich geführt, die Menschen geachtet, gleich welcher Partei sie angehörten, und hat immer unterschieden zwischen dem Streit in der Sache und der Würde in der Person“. Das habe auch seine letzte Wiederwahl mit nur einer Gegenstimme im Jahr 2021 gezeigt. Für den Kreistag sei Männer „mit starker Stimme und voller Begeisterung“ eingetreten, so Cyriax. Er habe auch „die Initiative ergriffen und sich eingemischt“.

Vom Sudetenland zum Rettershof

Eine seiner letzten offiziellen Äußerungen kam zur umstrittenen Sperrung der L 3011 in Lorsbach: Der Kreistag erkläre sich „solidarisch“ mit den Bestrebungen, die Sperrung der Landesstraße zu verhindern und äußere „sein völliges Unverständnis über die störrische Haltung von Hessen Mobil zu diesem Thema“, erklärte er.

Männer stammte aus dem Sudetenland. Nach dem Krieg floh er in den Harz. Seine Mutter schmuggelte sich über die sowjetisch-amerikanische Grenze zum Bruder, der Hufschmied am Rettershof war. Ihre beiden Kinder konnten folgen - Männer hatte sein neues Spielrevier am Hofgut. Da habe er jeden Sonntag im Schloss baden dürfen, erinnerte er sich. Später bestimmte er als Aufsichtsratsmitglied selbst die Entwicklung am Rettershof mit.

Als größten Coup in Kelkheim nannte er die Nominierung von Thomas Horn zum Bürgermeister-Kandidaten. Männer schickte dem Bewerber aus Würzburg per Fax die Wochenend-Termine, machte ihn bekannt - und freute sich später über vier Wiederwahlen von Horn. Als wichtigstes Projekt nannte er die Neue Stadtmitte, als größten Flop die gescheiterte Umgehungsstraße B 8.

Auch jenseits der Gremien war Männer, dem die Familie mit Frau Petra, den beiden Kindern mit Partnern und den Enkeln sehr wichtig war, aktiv: etwa als Vizepräsident des Hessischen Landkreistages, stellvertretender Vorsitzender des Deutsch-Polnischen Ausschusses im Rat der Gemeinden und Regionen Europas. Zuletzt hatte er sich für die Patenschaft des Kreises für eine Schule im Senegal eingesetzt. Für sein Engagement erhielt Männer auch das Bundesverdienstkreuz.

„Wolfgang Männer war eine der prägendsten Persönlichkeiten unserer Stadt und der Kelkheimer CDU“, würdigt Parteichef Alexander Furtwängler. „Unvergesslich bleiben sein Wortwitz und Humor, mit dem er Sitzungen leitete und strittige Auffassungen meist zum guten Konsens führen konnte.“ Jede Arbeit lebe nicht vom Verdienst alleine, „sondern von den Menschen, die dahinter stehen, für diese Arbeit einstehen“, so Furtwängler. In diesem Sinne bleibe er „unvergessen“. Die CDU verliere „eine einzigartige Persönlichkeit - es gibt Menschen, die unersetzbar erscheinen. Wolfgang Männer gehört dazu.“

Die CDU Main-Taunus verliere „einen langjährigen und über alle Maßen engagierten Partei-freund“, teilen Parteichef Axel Wintermeyer und Fraktionsvorsitzender Frank Blasch mit. Männer habe „sich über alle Parteigrenzen hinweg große Anerkennung erworben“. Sein ehrenamtliches Engagement „hat große Spuren hinterlassen“. Die CDU lobt seinen „politischen Sachverstand und seine pragmatische Art“. Er habe sich „mit Herzblut für die Allgemeinheit eingebracht“. Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger hat sich früher als UKW-Fraktionschef manches heftige Wortgefecht mit Männer geliefert. Der Gesprächsfaden sei aber nie abgerissen. Später, im Magistrat, habe er vom Rat des erfahrenen Politikers profitieren können, sagt Kündiger: „Er war eine der großen politischen Persönlichkeiten für Kelkheim, für den Kreis, für die Region.“

Auch der Verein „Stimme für Ruppertshain“ äußert sich „zutiefst bestürzt“ über den Tod von Männer, dem Mitinitiator des Vereins. „Er war ein Ruppertshainer durch und durch. Er hat sich intensiv für die Belange unseres Stadtteils eingesetzt“, hebt der Verein hervor und nennt Projekte wie den Bau der Schönwiesenhalle, der Sportanlagen und der Rossert-Schule. Bis zuletzt habe er sich für den Erhalt der St. Matthäus-Kirche eingesetzt. wein

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