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Kita-Umzug gesichert

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In die Kirche St. Matthäus in Ruppertshain soll der benachbarte Kindergarten einziehen. wein
In die Kirche St. Matthäus in Ruppertshain soll der benachbarte Kindergarten einziehen. wein © wein

Hauchdünne Mehrheit gegen Kosten-Deckel nach intensiver Debatte im Parlament

Kelkheim - Die Vertreter der Katholischen Kirchengemeinde und des Bistums werden aufatmen, ebenso viele Ruppertshainer: Das Projekt, den Kindergarten „Sancta Maria“ in die Kirche St. Matthäus umziehen zu lassen, ist gesichert. Die Umbauarbeiten sollen bald losgehen. Die letzte große Hürde nahm das in der Region bisher einzigartige Projekt am Dienstagabend in der Stadtverordnetenversammlung. Die CDU hatte in einem Antrag vorgeschlagen, wegen der deutlich gestiegenen Kosten einen Zuschuss-Deckel der Stadt bei 2,4 Millionen Euro festzulegen. Auch wenn die Union betonte, sie wolle das Vorhaben weder blockieren noch stoppen, so hätte es die Sache noch einmal ins Wanken bringen können. Und es wurde mit 17:18 Stimmen bei fehlenden Mandatsträgern knapp: CDU und FDP votierten für den Deckel, der Rest dagegen - bei zwei Enthaltungen von Freien Wählern und der SPD.

Das Bistum hat vor Jahren angekündigt, die weniger genutzte Kirche nicht mehr bezuschussen zu wollen. Aufgrund hoher Betriebskosten hätte es das Aus für das 1967 eingeweihte Gotteshaus bedeuten können. Da die benachbarte Kita schon lange marode und zu klein war, kam die Idee eines Umbaus und Umzugs in die Kirche ins Spiel. Dafür wurde das Haus mit dem Zeltdach jetzt entweiht. Im hinteren Teil soll für die Ruppertshainer aber wieder ein kleiner Sakral-Raum entstehen. Diesen finanziert die Kirche komplett, während sich die Stadt mit der Hälfte an der Kita beteiligt.

Zunächst lag die Kostenschätzung 2020 bei rund 3,4 Millionen, nun sind es insgesamt 6. Womit sich der Zuschuss der Stadt von 1,5 auf 2,4 Millionen erhöht. „Wir haben Angst, dass das Projekt aus dem Ruder läuft“, begründete CDU-Fraktionschef Carsten Schrage. Es solle „kein Blankoscheck“ ausgestellt, aber „wachgerüttelt“ werden. Sollte es über den Deckel hinausgehen, müsse die Kirche einstehen. UKW-Chefin Doris Salmon hatte schon die Sorge, dass bei einer Bremse womöglich die Toiletten oder anderes nicht eingebaut würden. So gesehen ergebe der Antrag für sie keinen Sinn.

STADT SOLL KINDERGARTEN-AREAL KAUFEN

Über den Kosten-Deckel wurde heftig diskutiert, derweil hat das Parlament einen anderen Teil des CDU-Antrages einstimmig, aber modifiziert abgesegnet. Die Stadt soll nun mit der Kirche verhandeln, um das Grundstück mit der Kita zu kaufen.

Ein Ziel ist es, dort einen Dorfplatz für Ruppertshain anzulegen. Während die CDU mit rund 600 000 Euro einen Kaufpreis festlegen wollte, wurde die UKW-Änderung angenommen, hier doch erst einmal ergebnisoffen zu verhandeln. wein

Bürgermeister hätte Votum widersprochen

„Hier geht es vor allem um einen Kindergarten für Ruppertshain“, betonte UKW-Fraktionschef Maximilian Alter. Mit einem Neubau, wie von der CDU vorgeschlagen, verliere die Stadt viel Zeit, zudem gebe es kein Grundstück. Es sei fraglich, ob ein eigener Bau günstiger werde. Letztlich beteilige sich die Kirche mit 60 Prozent an den Kosten - nicht selbstverständlich, so Alter. Er brachte Schadensersatz des Bistums ins Spiel, sollte die Stadt den Vertrag nicht erfüllen.

Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) ging darauf ebenfalls ein. Um Schaden von der Kommune abzuwenden, würde er einem positiven Beschluss des CDU-Antrags widersprechen, kündigte er an - wozu es nicht kam. Stephan Laubereau (CDU) wollte das Thema Regress so hoch nicht hängen. Es sei ein Unterschied, in welcher Höhe die Stadt bezuschusse. Wenn die Verwaltung keine Absicherung eingebaut hat, habe sie schlecht verhandelt, dann würden eher „Amtshaftungsansprüche“ gegen den Bürgermeister fällig.

Ivaloo Schölzel (fraktionslos, Freie Wähler) hätte schon damals gerne einen Kosten-Deckel gehabt und kritisierte: „Es wurden ernsthaft keine Alternativlösungen geprüft.“ Der Antrag komme „viel zu spät“, erklärte Robert Wintermayr (Freie Wähler Kelkheim). Er sieht das Kosten-Plus mit einer Verdoppelung noch im Rahmen, beim Museumsbau sei es inzwischen das Vierfache. Mit einem Deckel „machen wir die Sache nur schlimmer, wir können nicht auf der Zielgeraden das Pferd wechseln“. Die SPD scherte aus der Koalition mit CDU und FDP aus, war Zünglein an der Waage. Es sei ein „charmantes Projekt“, so Fraktionschef Michael Hellenschmidt. Deutlich dagegen war von Anfang an die FDP. „Wir reden über 60 Kinder, das ist ein Batzen Geld“, so Fraktionschef Michael Trawitzki. Zudem sei der Modul-Kitabau in der Kirche nicht geeignet, zu verwinkelt, zu dunkel. Das Konzept sei mit Erzieherinnen und dem Jugendamt abgesprochen, biete sogar mehr Platz als nötig, entgegnete der Bürgermeister. Zudem „stirbt der Ortsteil, wenn es keine Kirchengemeinde gibt“. Immer wieder Mehrkosten melden zu müssen, sei „nicht vergnügungssteuerpflichtig“, so Kündiger.

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