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Kelkheim: Züge müssen im Wald bald nicht mehr pfeifen

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Von: Andrea Rost

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Zwei Mal hintereinander muss der Zug am Bahnübergang Kühtrieb laut pfeifen.
Zwei Mal hintereinander muss der Zug am Bahnübergang Kühtrieb laut pfeifen. © Michael Schick

Akustische Signale der Bahn sind seit Jahren ein Ärgernis in Kelkheim-Hornau. Aus Sicherheitsgründen sind sie aber unvermeidbar. Jetzt ist eine Lösung für die lärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohner in Sicht.

Zweimal drei Sekunden lang pfeifen die Züge der Hessischen Landesbahn (HLB), ehe sie den Bahnübergang „Kühtrieb“ im Wald nordöstlich von Hornau passieren. Kurz darauf drücken die Lokführer erneut zweimal hintereinander auf die Hupe, um anzuzeigen, dass sie gleich am 200 Meter entfernten Bahnübergang „Obere Kinchäcker“ vorbeifahren werden. Anwohner und Anwohnerinnen seien seit Jahren genervt von den Signalen der Züge auf der Linie RB12. Im Halbstundentakt passieren sie die Strecke sowohl in Richtung Königstein als auch in Richtung Frankfurt. „Da wird viel gepfiffen im Laufe eine Tages“, sagt Bürgermeister Albrecht Kündiger (Unabhängige Kelkheimer Wählerinitiative). Und nicht nur das. Auch nachts bleiben die Hornauerinnen und Hornauer nicht vom Lärm verschont. Der letzte Zug passiert die beiden Bahnübergänge gegen 1.15 Uhr, der erste kommt um 4.45 Uhr.

Das zweimalige Betätigen des Pfeifsignals über jeweils drei Sekunden vor einem schienengleichen Bahnübergang mit Andreaskreuz sei gesetzlich vorgeschrieben, erläutert HLB-Betriebsleiter Jochen Fink. Die Regelung komme zwar aus der Dampflokzeit, diene aber auch heute der Sicherheit. An den beiden Bahnübergängen im Wald bei Kelkheim sei das Hupen besonders wichtig. „Die Züge kommen aus einer Kurve, die nicht einsehbar ist, und man hört sie kaum.“

Nach zahlreichen Beschwerden und Schriftverkehr mit Initiativen, die sich vor allem im Wohngebiet Adolfshöhe zusammenfanden, ist jetzt eine Lösung für die lärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohner in Sicht. Das berichteten Bürgermeister Albrecht Kündiger und Jochen Fink bei einem Pressetermin. Der Bahnübergang „Kühtrieb“, den Autos, die von der Sportanlage Am Reis kommen oder zu dieser hochfahren, ebenso passieren wie Wandergruppen und Radfahrer:innen, bekommt eine Ampelanlage. Sobald ein Zug naht, wird sie auf Gelb und anschließend auf Rot schalten, um Passantinnen und Passanten zu warnen. Außerdem ertönt ein akustisches Signal. Das Hupen der Züge ist dann an dieser Stelle nicht mehr erforderlich.

Und auch vor dem Bahnübergang „Obere Kinchäcker“ mitten auf einer Streuobstwiese müssen die Lokführer bald nicht mehr die Hupe betätigen. Der Übergang werde „rechtlich aufgelöst“ und abgebaut, das Andreaskreuz und die Wegebefestigung entfernt, sagt Jochen Fink. Voraussetzung dafür sei, dass ein neuer Grasweg zu den landwirtschaftlichen Grundstücken geschaffen werde, die bislang nur über die Gleise erreichbar waren. Seit 2013 habe die städtische Liegenschaftsverwaltung Gespräche mit Eigentümer:innen geführt, um eine Wegetrasse zu schaffen, berichtet Albrecht Kündiger. „Wir sind froh, dass die Verhandlungen jetzt abgeschlossen sind und wir eine Lösung gefunden haben.“

Bis Ruhe einkehrt im Wald bei Hornau, wird es trotzdem noch eine Weile dauern. Es müsse ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, um den Bahnübergang „Obere Kinchäcker“ aufzulösen, sagte Jochen Fink. Alle möglicherweise Betroffenen müssten die Möglichkeit haben, rechtlich gehört zu werden. Der Badebetriebsleiter rechnet damit, dass die Arbeiten an beiden Bahnübergängen 2024 durchgeführt werden können und das Pfeifen im Wald dann ein Ende hat.

Für die Umbauarbeiten muss die Stadt nichts bezahlen. Zwei Drittel der Kosten übernimmt das Land Hessen, ein Drittel bezahlt die Hessische Landesbahn.

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