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Kelkheim: Im Film wird Kloster Retters lebendig

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Von: Andrea Rost

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Martin Posselt und Beate Matuschek zeigen den rekonstruierten Grundriss von Kloster Retters.
Martin Posselt und Beate Matuschek zeigen den rekonstruierten Grundriss von Kloster Retters. © Renate Hoyer

Das mittelalterliche Kloster am Rettershof ist verschwunden. In einem Film wird die Prämonstratenserinnen-Anlage jetzt wieder lebendig. Drehorte waren vergleichbare Klöster an der Lahn und in Neuwied.

Dass auf dem Gelände des Rettershofes im Mittelalter ein Nonnenkloster stand, ist historisch gesichert. Ein Archäologenteam rund um Martin Posselt hat vor drei Jahren mittels magnetografischer Untersuchungen und Radarprospektion nicht nur Reste der alten Klostermauer im Wald nördlich von Kelkheim aufgespürt, sondern auch die Grundrisse der Prämonstratenserinnen-Anlage rekonstruiert. Demnach stand auf dem Reitplatz des heutigen Ausflugszieles im Taunus eine nach Osten hin ausgerichtete Kirche mit Chor und Sakristei, südlich schloss sich ein Kreuzgang an, um den sich Funktionsbauten wie Dormitorium und Refektorium der Nonnen, ein Siechenhaus, ein Klostergarten und ein Kreuzweg gruppierten. Der rekonstruierte Grundriss der Anlage entspricht im Wesentlichen dem Sankt Galler Klosterplan, der als ideales Vorbild für die Klöster im Mittelalter diente.

Doch wie sahen die Gebäude aus? Antworten auf diese Frage gibt es so gut wie keine. Das 1146 erbaute Kloster Retters wurde 1559 säkularisiert und im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Die einzige Darstellung der Anlage entstammt einer Karte von Sebastian Wolff. Er fertigte sie 1592 an, als das Kloster bereits seit 33 Jahren geschlossen war.

„Wir wollten dem verschwundenen Kloster Retters trotzdem ein Gesicht geben“, sagt Kelkheims Kulturamtsleiterin Beate Matuschek. Vom Grundriss der Anlage auf ihren Aufriss zu schließen, wäre ein Wagnis gewesen. Deshalb entschied man sich, das Kloster in einem Film wieder auferstehen zu lassen, in dem die Anlagen noch bestehender Prämonstratenserklöster als Vergleichsbeispiele zu sehen sind.

Gedreht hat den zwölfminütigen Streifen der Oberurseler Künstler und Filmemacher Andreas Hett. Das Drehbuch haben Museumspädagogin Marianne Bopp, Beate Matuschek und Christa Wittekind geschrieben. Als Sprecher führt der Frankfurter Schauspieler Michael Quast durch die 400-jährige Geschichte des ehemaligen Prämonstratenserinnen-Klosters. Die Schwestern der Benediktinerinnenabtei Sankt Hildegard in Eibingen singen Hildegard von Bingens „O vis Aeternitatis“.

Historie

Im Jahr 1146 wird das PrämonstratenserklosterRetters als Filialkloster der Mutterabtei Rommersdorf (Neuwied) zunächst als Doppelkloster für Mönche und Nonnen gegründet. Später wird es als Nonnenkloster weitergeführt.

1559 wird Kloster Retters aufgelöst. Im Dreißigjährigen Krieg werden die Gebäude zerstört.

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts ist Retters ein staatliches Hofgut. Später erwirbt es der Engländer Frederik Arnold Rodewald. 1924 kauft es Felix von Richter und richtet dort den Stammsitz seiner Familie ein.

Seit 1980 ist der Rettershof im Besitz der Stadt Kelkheim und beliebtes Ausflugsziel. aro

Schauplätze im Film sind das Mutterkloster des Ordens Rommersdorf in Neuwied, das Tochterkloster Altenberg in Solms an der Lahn sowie das ehemalige Prämonstratenserinnen-Kloster Schillingscapellen in Swisttal bei Bonn. Gezeigt wird im Film eine Schwesternempore, wie es sie auch im Kloster Retters für das fünf Mal pro Tag stattfindende Stundengebet gab. Der Schlafsaal der Nonnen und der Kreuzgang mit Kreuzgarten von Rommersdorf sind zu sehen. Außerdem die Klosterkirche von Altenberg, die von ihrem äußeren Erscheinungsbild der des zerstörten Klosters im Taunus vergleichbar ist.

Mit einer Drohne hat Andreas Hett in Schillingscapellen die noch erhaltene Klostermauer gefilmt. Auf dem Gelände in Kelkheim ist sie nur noch bruchstückhaft vorhanden. Durch Zusammenschnitte und Überblendungen zeichnet der Film ein lebendiges Bild vom Leben und der Arbeit der Nonnen im ältesten Kloster zwischen Main und Taunus. Auch die Karte von Sebastian Wolff aus dem Jahr 1592 mit der rekonstruierten einzigen Ansicht des Klosters wird gezeigt.

Der Energieversorger Süwag, der schon die archäologischen Arbeiten gesponsert hat, stellte 10 000 Euro für die Filmproduktion zur Verfügung. Schüler:innen aus der Film-AG des Kelkheimer Richter-Gymnasiums durften Andreas Hett bei den Dreharbeiten begleiten.

Über die Homepage der Stadt Kelkheim ist der Film demnächst abrufbar. Am Rettershof wird eine Info-Tafel zur Klosteranlage aufgestellt – mit QR-Code, um den Streifen aufs Mobiltelefon zu laden.

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