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Hochbehälter Gundelhardt: Ein Blick in das neue Riesen-Bassin mit 22 Metern Durchmesser.

Versorgung

Wieder ein Wasser-Engpass in Kelkheim –Maßnahmen der Stadt greifen noch nicht

Wieder sorgt das Wasser in Kelkheim für Schlagzeilen. Die Feuerwehr machte Durchsagen, viele Bürger haben fürs Sparen Verständnis, einige aber nicht.

Kelkheim - Die Stadt hat es mal wieder in die Schlagzeilen geschafft. Unfreiwillig, doch Stadtrat Stefan Thalheimer musste bereits im Radio ein Interview geben. Grund ist die erneut kritische Wasserversorgung. Der Notstand wurde noch nicht ausgerufen. "Unsere Maßnahmen haben Früchte getragen. Es gibt keine Entwarnung, aber wir schieben keine Panik. Der Sommer ist lang", so Thalheimer. Doch viele Bürger sind verärgert, machen ihrem Unmut Luft. Andere wiederum können den Wasserspar-Appell der Stadt nachvollziehen und wollen sich daran halten.

Fakt ist: Im Rhein-Main-Gebiet ist am vergangenen Mittwoch soviel Trinkwasser verbraucht worden wie nie zuvor an einem Tag. Der Versorger Hessenwasser verzeichnete eine Abgabe von 426 312 Kubikmetern. In Kelkheim kletterte der Verbrauch von 3335 auf 5348 Kubikmeter am Tag an. Vor allem nachts verzeichnete die Stadt ein überhöhten Verbrauch, weil dann viele den Rasen automatisiert bewässern lassen. Deshalb rief Bürgermeister Albrecht Kündiger vor seinem Urlaub zum sparsamen Umgang auf. Weil der Verbrauch am Wochenende weiter stieg, schickte die Verwaltung Feuerwehrautos mit Warndurchsagen umher, ließ zudem Infozettel verteilen. Auch eine mobile Warnanlage der Feuerwehr Bad Homburg wurde geordert. Nach den Durchsagen am Montag und Dienstag habe sich der Verbrauch bei 4000 Kubikmetern etwas eingependelt, sagt Thalheimer.

Grundwasserstände in Hessen Anfang Mai extrem niedrig 

Nun wird diskutiert: Ist der Engpass vor allem ein Kelkheimer Problem, zumal es 2018 den Notstand in Eppenhain und Ruppertshain gab? Nein, betont Dr. Georg Mittelbach vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, Abteilung Wasser, im Interview mit dieser Zeitung (Bericht folgt).: "Wenn ein überdurchschnittlicher Verbrauch stattfindet, kann das Reservoir Grundwasser stark minimiert werden. Sollte nun im folgenden Winterhalbjahr dieses Defizit nicht durch mehr Niederschlag ausgeglichen werden, fehlt diese Menge im folgenden Jahr. Bei erneut überdurchschnittlichem Verbrauch kann es dann zu Versorgungsengpässen kommen." Fakt ist laut dem Amt, dass die Grundwasserstände in Hessen Anfang Mai extrem niedrig waren. Die Niederschläge im Winterhalbjahr haben nicht ausgereicht für einen normalen Pegel. Zwei Drittel der Messstellen seien auf einem "unterdurchschnittlichen Niveau". Sollte erneut ein sehr trockener Sommer folgen, gäbe es "vermutlich wieder lokale Versorgungsengpässe", so die Behörde.

Klar ist, dass nach dem Problem im Vorjahr Maßnahmen begonnen wurden, aber noch nicht greifen. Für den erweiterten Hochbehälter Gundelhardt war Richtfest (Text rechts), die festinstallierte Wasserleitung von Ruppertshain nach Fischbach soll insgesamt auch wegen der Kosten in 2020 fertiggestellt werden, in Eppenhain wird der Hochbehälter erweitert und die Pumpenleistung verbessert, und einen alten Hochbehälter im Wald will die Stadt reaktivieren.

Kritik an der Stadt wird laut, es sei seit 2018 nichts unternommen worden

Das kann so manchen Bürger aber aktuell nicht beruhigen. Auch Thalheimer, der inzwischen vom Aushilfs-Bürgermeister zum Wasserfachmann geworden ist und den ehrenamtlich aktiven Feuerwehrleuten dankt, hat viele Anfragen bekommen, viele seien einsichtig, es gebe aber auch Meckerer. "Wir sind aber zufrieden, dass wir es genau so gemacht haben." Nicht alle sehen es so: "Also es kann eigentlich kein hinnehmbarer Dauerzustand werden, dass wir jetzt jedes Jahr offensichtlich zu wenig Trinkwasserreserven haben. Das Klima wird sicherlich auch in den nächsten Jahren eher nicht feuchter werden", schreibt Markus Müller in seinem Facebook-Netzwerk "Alles rund um Kelkheim". Die Kritik an der Stadt wird laut, es sei seit 2018 nichts unternommen worden. So fordert ein Kelkheimer: "Wenn das Wasser knapp wird, dann müssen eben Tankwagen die Behälter auffüllen." Das passiert inzwischen bereits in einigen hessischen Kommunen. In anderen Orten wurde der Notstand bereits ausgerufen.

Die Gartenbewässerung ist in Kelkheim ein Problem. 

Im MTK ist es ruhig. In Liederbach ist die Situation laut Bürgermeisterin Eva Söllner nicht kritisch. Zwar sei auch hier der Verbrauch gestiegen, aber die Wasserstände seien in Ordnung. Dennoch wolle sie nun auch in der Gemeinde öffentlich appellieren, "sorgsam mit Wasser umzugehen" - aber das sollte ja immer gelten, so Söllner.

Auf den Punkt bringt es ein weiterer Bürger im Netz: "Wenn alle versuchen, etwas auf die endliche Ressource Wasser zu achten, ist dies sicher nicht die schlechteste Entscheidung. Ich brauche kein ein Mal die Woche gewaschenes Auto, wenn der Rasen braun wird, ist es sicher nicht schön, aber mir ist Wasser aus der Leitung zum Waschen und Trinken wichtiger."

Von Frank Weiner

Info: Neue Hochbehälter-Kammer für 1,2 Millionen geht 2020 in Betrieb

Während ganz Kelkheim über das Wasser diskutiert, ist ein Problemlöser in Arbeit. Für die Erweiterung des Hochbehälters Gundelhardt war jetzt das Richtfest. So erhob Polier Armin Schmitt von der Firma Ulrich Bau aus Fulda das Glas mit Rettershofer Schnaps und sprach vielen aus der Seele: "Das neue Becken sei immer gut gefüllt, so dass es den Kelkheimern den Durst gut stillt." So trank er und warf das Glas auf den Boden - doch es zerplatzte zunächst nicht. Später hob auch FDP-Mann Michael Trawitzki die Flasche und sagte: "Trinken wir darauf, dass allzeit Wasser drin ist."

Darauf werden die Kelkheimer noch etwas warten müssen. Auch wenn die Bauarbeiten für das Bassin mit 2000 Kubikmetern Inhalt und Kosten von 1,2 Millionen Euro gut voran gingen, so ist die Inbetriebnahme für Anfang 2020 geplant, sagte Stefan Sowade, Technischer Betriebsleiter der Stadtwerke. "Die Ergänzung um eine weitere Wasserkammer ist eine langfristige Investition in unser Kelkheimer Trinkwassernetz", so Bürgermeister Albrecht Kündiger. Der "enorme Kapazitätszuwachs" auf zwei Kammern mit zusammen 4000 Kubikmetern solle die Versorgungssicherheit erhöhen. In diesem Fall der Mittelzone in der Kernstadt, zudem pumpt der Behälter Wasser zum Hochbehälter Mannstein in Fischbach. Aktuell stammen 95 Prozent von Hessenwasser aus dem hessischen Ried.

Wie Kündiger betont, werde der "Neuzugang" später als "begrünter Hügel" wahrgenommen. Derzeit ist das Bassin mit einem Durchmesser von 22 Metern gut zu erkennen. So ist die Baustelle mitten im Wald vielen Leuten aufgefallen, so mancher Spaziergänger war laut Kündiger etwas "erschrocken".

Laut Sowade muss das Wasser darin 14 bis 15 Grad haben, damit sich keine Mikroorganismen bilden können. Im Rohrkeller sind die beiden neuen Kammern über Drucktüren erreichbar. So sei sie Reinigung einfacher, dann bleibt ein Reservoir weiter in Betrieb. Fliesen gebe es inzwischen nicht mehr - hier haben sich während der Reinigung schon mal Bakterien gebildet, weiß Sowade. Mittelfristig plant die Stadt eine weitere Maßnahme am Hochbehälter. Hier könnte eine Leitung zum Hofheimer Behälter gelegt werden. Die Kreisstadt plant eine Verbindung hoch zur Gaststätte "Gundelhard". So soll es dann möglich sein, Trinkwasser aus dem Hofheimer Netz einzuspeisen. wein

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