Nicola und Claudia Brunk (v.l.) in ihrem Kelkheimer Unverpackt-Laden. 
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Nicola und Claudia Brunk (v.l.) in ihrem Kelkheimer Unverpackt-Laden. 

Marktlücke entdeckt

Erster Unverpackt-Laden im Main-Taunus eröffnet

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Kelkheim: Erster Unverpackt-Laden im Main-Taunus hat eröffnet. Und er hat schon Stammkunden.

Kelkheim - Wer bei Nicola Brunk einkaufen geht, muss sich gut vorbereiten. Vor allem sollten Kunden überlegen, in welchen Behältnissen sie das, was sie mitnehmen möchten, nach Hause transportieren. Denn Verpackungsmaterial gibt es in dem neuen Geschäft in Kelkheim schräg gegenüber dem Bahnhof nicht. Nicola Brunk hat Mitte November den ersten Unverpackt-Laden im Main-Taunus-Kreis eröffnet.

Unverpackt-Laden öffnet Kelkheim: Plastiktüten sucht man hier vergebens

Das Einzige, was sie ihren Kunden anbieten kann, sind Pfandgläser mit Schraubverschluss. „Wir haben noch nicht mal Papiertüten hier“, sagt die Mittfünfzigerin. „Und Plastiktaschen ohnehin nicht.“

Der Kelkheimer, der um die Mittagszeit in Nicola Brunks Gewürzregal stöbert und begeistert ist vom schwarzen Sesam, den er in einem der vielen Gläser entdeckt hat, weiß schon, wie er ein paar Gramm davon nach Hause schaffen wird. „Ich komme wieder und bringe eine kleine Tüte mit, die man immer wieder verschließen kann“, sagt der Mann. Er sei Hobbykoch, probiere gerne neue Rezepte aus. „Da bin ich froh, wenn ich genau die Menge an Zutaten kaufen kann, die ich brauche.“

Kelkheim: Unverpackt-Laden in Kelkheim schließt Marktlücke

Unverpackt-Läden in Rhein-Main In Wiesbadenhat 2016 der erste Unverpackt-Laden Hessens eröffnet. Das Geschäft „BIO-unverpackt Meudt“ ist in der Dotzheimer Straße 19.

In Frankfurtgibt es drei Läden, die komplett auf Verpackung verzichten. Der erste Unverpackt-Laden der Stadt war das „gramm.genau“, das Anfang 2019 in der Adalbertstraße 11 eröffnete. Im vergangenen Sommer startete der „Unverpackt Laden Frankfurt“ („Ulf“) in der Altstadt , Saalgasse 1 / Zum Pfarrturm 5. Seit kurzem gibt es die „Auffüllerei“ in der Höhenstraße 40.

In Friedrichsdorfhat die Imker-Familie Schießer im Oktober den ersten Unverpackt-Laden im Hochtaunuskreis aufgemacht. Adresse: Köpperner Straße 84.

In Kelkheimist der Laden „Unverpackt und Bienenfleißig“ von Nicola Brunk der erste seiner Art im Main-Taunus-Kreis. Er ist in der Bahnstraße 18A.

In Hanaueröffnet am heutigen Freitag, 13. Dezember, der erste Unverpackt-Laden in der Römerstraße 1. Betrieben wird er vom Behindertenwerk Main-Kinzig. Das Werk führt bereits einen Unverpackt-Laden in Gelnhausen.

Mehr Informationenzum Thema gibt es unter www.nabu.de. aro

Nicola Brunk ist überzeugt, dass sie mit ihrem Unverpackt-Laden in Kelkheim eine Marktlücke geschlossen hat. Nirgendwo zwischen Frankfurt und Wiesbaden gab es bisher ein Geschäft, in dem Kunden Waren ohne Verpackung kaufen konnten, sagt sie. Und auch im Hochtaunus sei die Honighalle der Imker-Familie Schießer in Friedrichsdorf-Köppern bislang das einzige Unverpackt-Geschäft im Landkreis.

Brunks Kundschaft kommt deshalb nicht nur aus Kelkheim, sondern aus dem ganzen Taunus und aus den westlichen Frankfurter Stadtteilen. Sogar Stammkunden hat sie schon. „Dabei habe ich kaum Werbung gemacht“, sagt die Kelkheimerin. Selbst auf eine Postwurfsendung hat Brunk verzichtet. „Menschen, die in einem Unverpackt-Laden einkaufen, würden es mir übel nehmen, wenn ich auf diese Weise Papier verschwende“, vermutet sie.
580 Produkte hat Nicola Brunk aktuell im Sortiment. Von Kakao, Nüssen und Müsli über Nudeln, Getreide, Mehl und Reis, Hülsenfrüchte und Gewürze bis zu Honig, Bienenwachskerzen, Fruchtgummis und Keksen reicht die Palette. Der Kaffee, der im Kelkheimer Unverpackt-Laden verkauft wird, kommt aus der Rösterei Laux in Hofheim-Diedenbergen.

Die Chutneys im Glas sind von behinderten Menschen in den Werkstätten der Hattersheimer Schlockerstiftung gemacht. Flaschen mit Apfelsaft von Kelkheimer Streuobstwiesen stehen im Regal.

Dazu gibt es diverse Essige und Öle, vegane und vegetarische Aufstriche, ökologisch und fair hergestellte Zahnbürsten und Rasierpinsel, waschbare Filtertüten, handgemachte Seifen sowie Putz- und Reinigungsmittel, die man sich aus großen Kanistern abfüllen kann. Demnächst sollen auch noch Molkereiprodukte verkauft werden und Wein und Sekt aus der Region.

Kelkheim: Mutter und Tochter stehen im Unverpackt-Laden

Nicola Brunk, die selbst bis zum Sommer als Vertriebsleiterin für Medizinprodukte gearbeitet hat, steht zusammen mit ihrer Tochter Claudia im Laden. Der 190 Quadratmeter große Verkaufsraum mit den Regalen, in denen die Schütten und Gläser untergebracht sind, ist rustikal eingerichtet – mit Möbeln aus alten Holzpaletten und Ausstellungsstücken aus der Werkstatt des Kelkheimer Holunderhofes.

Wenn Kunden Gefallen finden am Tisch, an der Bank oder der Vitrine, die Schreinermeisterin Sigrun Horn gefertigt hat, können sie die Möbel kaufen. Nicola Brunk bekommt dann neue Einrichtungsgegenstände in ihren Unverpackt-Laden gestellt.

Von Andrea Rost


Unverpackt-Laden im Rhein-Main-Gebiet

In Frankfurt gibt es bereits mehrere Unverpackt Läden. Jetzt hat die „Auffüllerei" eröffnet, der dritte Unverpackt-Laden der Metropole.

Auch in Hanau hat der erste Unverpackt-Laden der Stadt* eröffnet. Im „Mittendrin“ gibt es ein breites Angebot - von Kaffee über Hülsenfrüchte und Müsli bis zu Süßigkeiten.

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