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Kampf gegen Kräthenbach-Bauten

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Es herrschte großes Interesse am Info-Termin der BI Kräthenbach auf der Kindergarten-Fläche. weiner
Es herrschte großes Interesse am Info-Termin der BI Kräthenbach auf der Kindergarten-Fläche. weiner © Weiner

Bürgerinitiative will Biotop retten / Mehr als 400 Unterschriften übergeben

Kelkheim - Der Junge interessiert sich nicht für die gut 50 Personen, die sich auf dem Außengelände des kommunalen Kindergartens unterhalten. Er klettert lieber auf den Rutschenturm. Von dort kann er sehen, wie der Kindergarten eingebettet ist in eine Grünfläche. Genau die ist zu einem der größten Zankäpfel in der Stadt geworden. Die Koalition aus CDU, SPD und FDP hat im Parlament durchgesetzt, dass ein kleiner Teil des Areals „Kräthenbach“ bebaut werden soll. Eine Bürgerinitiative möchte diese „grüne Lunge“, wie sie in Kreisen der Mitstreiter laut Andreas Thonke heißt, gerne erhalten.

Auch Dennis Trobisch ist engagiert und weiß: Es gebe Kritik, hier seien „nur drei, vier egoistische Anwohner“ am Werk. Dem ist die BI „Biotop Kräthenbach“ begegnet, hat über 400 Unterschriften für den Erhalt gesammelt. Die übergeben sie beim Ortstermin an Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW). Weitere Namen sind dazugekommen, so dass die 500 in Reichweite sei, so Trobisch, der Fragen an den Rathauschef hat. „Wo stehen wir? Ist es bereits ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan?“

Kündiger schickt voraus: „Ich bin heilfroh, dass wir in einer Demokratie leben.“ Eine politische Mehrheit spreche sich aktuell für eine Bebauung aus. Deshalb habe er die Aufgabe, das umzusetzen, den Aufstellungsbeschluss vorzubereiten. Anfang November werde im Parlament wohl eine Entscheidung getroffen. Bis dahin hoffen Kündiger und die BI auf ein Umdenken. Der Magistrat habe sich die Fläche angeschaut, nun werde er über das Vorgehen berichten, seinen Standpunkt deutlich machen, so Kündiger. Aus drei Gründen lehne er die Bebauung ab: Erstens sei das Areal „ökologisch wertvoll“. Zweitens sei die Fläche größer, bebaut werden solle ein kleinerer Teil, der verkauft wurde. Das sei „städtebaulich absoluter Humbug“. Zum Dritten gebe es dieses Geschmäckle, dass „einflussreiche Leute“ in der Projektgesellschaft gewesen seien und das Baurecht angestoßen hätten. Den Namen von Stadtrat Alexander Furtwängler (CDU) erwähnt Kündiger nicht, betont aber: „Ich bin angetreten, um ein anderes Klima zu schaffen.“

Die BI motiviert er, die Fraktionen anzusprechen. Ein Bürger schlägt vor, alle sollten Briefe an die Politiker schreiben. Kündiger sieht Chancen: „Ich hoffe, dass wir zu einer anderen Entscheidung kommen.“ Er werde Bedingungen für das Bauvorhaben stellen, wie sie bei ähnlichen Projekten in der Stadt üblich seien: So soll der Bauträger 30 Prozent seiner Fläche an die Stadt abgeben für bezahlbaren Wohnraum. Dann bleibe noch Platz für sechs bis acht Häuser. Zudem müsse der Investor die Planungskosten, die das Bauamt auf rund 50 000 Euro schätze, übernehmen. Wenn letztlich auch die Naturschutz-Auflagen für das Gebiet hoch würden, könne es sein, „dass sich das Ganze schon gar nicht mehr lohnt“, so Kündiger. „Ich glaube, da ist noch so manche Hürde gerade bei der Wasserproblematik.“ Eine Bürgerin kritisiert bei der früheren Bebauung hier am Kräthenbach schon „keinen adäquaten Umgang mit der Ressource Wasser“ und erhält dafür Applaus.

Naturschützer Manfred Guder moniert, der 1,8 Hektar große Bereich sei im Flächennutzungsplan gelandet und gelte nun als mögliche bebaubare Fläche. Das sei „eine Zumutung“. Kündiger räumte ein, da sei „ein Fehler unterlaufen, das ist von uns, wie von vielen anderen, übersehen worden“. Dennoch sei es Außenbereich im Innenbereich, an den die Untere Naturschutzbehörde des Kreises hohe Anforderungen stellt.

BI-Vertreter Trobisch sieht die Einzelplanung als „Vollkatastrophe“, als „Hauruckverfahren“ und kündigt an: „Die Sache werden wir definitiv in der Öffentlichkeit halten.“ Eine Diskussion auf sachlicher Basis ist auch Kalle Debus (SPD) wichtig, der als Vertreter der Koalition Flagge zeigt. Er nehme die Sache mit ins Bündnis. Dort sei die kleine Fläche als „Chance“ gesehen worden, zeitnah ebenso benötigte Einfamilienhäuser zu schaffen. Auch die SPD würde an anderer Stelle „viel lieber bauen“, er habe sich in der Sache enthalten und Furtwängler sich nicht bereichert, so Debus. „Es ist sinnvoll, dass man darüber redet. Ich fand es sehr beeindruckend heute. Aber ich weiß noch nicht, wie es weitergeht.“

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