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„Grundlage für Selbstständigkeit ist Bildung“

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Impressionen aus der Weite im Senegal: Ein Teil der Schule links ist bereits fertig, ebenso die Verwaltung hinten. privat
Impressionen aus der Weite im Senegal: Ein Teil der Schule links ist bereits fertig, ebenso die Verwaltung hinten. privat © privat

Verstorbener Kreistags-Chef Wolfgang Männer setzte sich für Schul-Projekt in Afrika ein, das Fortschritte macht

Kelkheim - Kinder müssen ein selbstständiges Leben führen können. Die Grundlage dafür ist Bildung.“ Hier zu helfen, sei ihm „ein persönliches Anliegen“. Das hatte Wolfgang Männer noch im Sommer 2022 bei einem Termin mit der „Tools for Life“-Stiftung des Rothenberger-Konzerns gesagt. Und er hatte dort berichtet, dass seine Familie zwei Patenkinder in Nigeria hat, die sie bereits bis zu ihrem Studium finanziell begleitet haben. Nur wenige Wochen darauf ist der Ruppertshainer überraschend gestorben. Sein Herzensprojekt als Vorsitzender des Kreistages konnte er nicht mehr fortsetzen. Es lebt aber in seinem Sinne weiter. Denn der Main-Taunus-Kreis ist seit gut einem Jahr Teil des Projektes „1000 Schulen für unsere Welt“. Männer wollte dazu beitragen, dass weitere Bildungseinrichtungen gebaut werden können.

Zwei Räume fertig, etwas Geld fehlt noch

Das Vorhaben haben der Kreis und die Kelkheimer Stiftung weiterhin fest im Blick. Zuletzt hat Landrat Michael Cyriax beim Spatenstich für einen Rothenberger-Neubau die Zusammenarbeit beim Schul-Projekt in Afrika hervorgehoben. Und dieses macht einige Fortschritte, wie Felix Gottschlich von „Tools for Life“ berichten kann. Mitte Oktober war er für sechs Tage im Senegal, um sich alle 13 von der Stiftung geförderten Vorhaben anzuschauen - darunter auch die gemeinsame Schule. Zwei Gebäude mit jeweils zwei Klassenräumen für stets 50 Kinder seien fertig, berichtet er. Auch das Verwaltungsgebäude stehe, die Toiletten müssten noch angeschlossen werden. Somit wäre Platz für 200 Schüler, allerdings würden in diesem Quartier Räume für rund 500 Mädchen und Jungen gebraucht, weiß Gottschlich. Womit die Partner noch Arbeit vor sich haben. Der Koordinator hofft, dass mit dem Schulstart im Oktober 2023 alles fertig sein wird. Ein Schulhof muss angelegt, ein Zaun errichtet werden. Gottschlich nennt insgesamt Kosten von rund 102 000 Euro, wovon etwa 76 000 Euro an Spenden da seien. Dafür wollen die Partner nun Anfang 2023 werben.

Im vergangenen Sommer hatte „Tools for Life“ eingeladen, um einen Fortschritt des „MTK-Projektes“ vorzustellen. Die Initiative ist durch ihre Erfahrungen bei Vorhaben vor allem in Afrika der Partner der Kreises. Zudem ist der Verein „Hilfe für Afrika - Wasser für Senegal“ aus dem Allgäu in der operativen Rolle im Boot. Dessen Vorsitzender August Braun freut sich über das Engagement aus Hessen: „Das ist Ihre Schule.“

Ein Brief des Bürgermeisters der Gemeinde Fissel hatte den Ausschlag für das entwicklungspolitische Engagement des Kreises gegeben. Seit gut 18 Monaten werben der MTK und „Tools for Life“ für die Schule Mbafaye in Fissel mitten im westafrikanischen Land. Die Klassenzimmer - oft sind 70 Schüler in einem Raum - reichen nicht aus und sind in schlechtem Zustand, außerdem gibt es keine Toiletten.

Das weitere Problem laut Projektleiter Rahim Sall, der im Senegal nach dem Rechten schaut und im Sommer auf Deutschland-Besuch war: Die Räume der alten Schule stehen nur etwa die Hälfte der Woche für den Unterricht zur Verfügung. An den anderen Tagen dienen sie als Markthallen. Ein Verwaltungsgebäude gibt es nicht. Aktuell hat der Schulleiter sein „Büro“ unter einem Baum. Der Bürgermeister hatte eine Fläche für einen Neubau zur Verfügung gestellt. Das Gelände müsse einen Zaun gegen Wildtiere bekommen, betonte Braun.

Zudem sind Brunnen für sauberes Wasser und ein Garten zum Anbau von Obst und Gemüse geplant. Die Schule könnte erweitert werden, es wird über eine Photovoltaikanlage nachgedacht.

Im Mai 2022 war die Grundsteinlegung mit dem Allgäuer Vereinschef. „Für uns zählt jeder Pfennig. Die Geldgeber sind die Brückenbauer, ich bin der Brückenpfleger“, sagte Sall. Beim MTV rennen offene Türen ein. Bei 70 Schülern in einer Klasse konnte Kreistags-Chef Männer damals nur den Kopf schütteln: „Bei uns schreien die Eltern, wenn das 25. Kind in die Klasse kommt.“

Die Aktion „1000 Schulen für unsere Welt“ geht auf eine Idee von Stefan Rößle, Landrat des Landkreises Donau-Ries, und dem Gründer der Stiftung Fly&Help, Reiner Meutsch, zurück. Inzwischen läuft es als Initiative der kommunalen Spitzenverbände in Deutschland. Gemeinsam wollen der Deutsche Städtetag, Deutsche Landkreistag und Deutsche Städte- und Gemeindebund das fördern. So ist der MTK mit ins Boot gekommen. Männer hätte sich vorstellen können, eine weitere Schule zu finanzieren - und blickte beeindruckt auf den Kreis Donau-Ries, der 13 Schulen habe bauen lassen.

Mit dem Projekt könnten auch die drei Schwerpunkte von „Tools for Life“ bedient werden: Bildung, erneuerbare Energien sowie Trinkwasser und Basis-Sanitärversorgung. Stiftungsvorsitzende Sandra Rothenberger betonte bereits, dass jeder gespendete Euro direkt in das Projekt gehe. Zudem sei es wichtig, den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Gottschlich machte beim Treffen deutlich: „Die Schüler dort sind hochmotiviert, der Wille ist da. Sie sind begeistert, dass ihnen geholfen wird.“ Vor wenigen Wochen hat er dann im Kreis über den aktuellen Stand berichtet, hält nun den Kontakt zu Martin Ackvar aus dem Kreishaus.

Wie der Vorsitzende von „Hilfe für Afrika“ betonte, liege der Anteil der Verwaltungskosten unter vier Prozent - was ein sehr guter Wert sei. Die Gruppe besteht seit 30 Jahren, habe zunächst Menschen im Senegal Zugang zu Wasser ermöglicht. Seitdem wurden 80 Brunnen gebaut, mit dem Wasser rund 50 000 Menschen versorgt, und die 18. Schule ist im Bau. „Aber für unsere Hilfe brauchen wir Helfer“, freut sich Braun über die Doppelpartnerschaft aus dem MTK. „Es ist wichtig, dass der Blick in die Welt hinaus in unsere Schulen reinkommt. Denn wir sind ein globales Dorf.“ Vielleicht sei es ja sogar möglich, Schulpartnerschaften aufzubauen - wobei Französisch-Unterricht dafür wichtig wäre.

Weitere Fakten zeigen, dass es sich lohnt, aber noch viel Arbeit ist. Es werde dafür geworben, dass Mädchen eben nicht früh heiraten, sondern zuerst die zehn Jahre Schule beenden, berichtete Braun. Wenn Frauen inzwischen als Soziologin oder Landrätin tätig seien, zeige das den Erfolg. Er nennt auch die Idee eines jungen Mannes, aus altem Plastik Beregnungsschläuche für die Felder herzustellen. Aber noch immer gehen mehr als 30 Prozent der jungen Senegalesen nicht zur Schule, weiß der Vorsitzende. Diejenigen, die das können, „sind glücklich“, so Sall.

Infos und Kontakte unter www.toolsforlife-foundation. com, www.wasserfuersenegegal.de .

Rahim Sall, Felix Gottschlich, Wolfgang Männer (gest.), Thomas Bamberger und August Braun (v. l.) besprachen das Projekt im Jahr 2022. wein
Rahim Sall, Felix Gottschlich, Wolfgang Männer (gest.), Thomas Bamberger und August Braun (v. l.) besprachen das Projekt im Jahr 2022. wein © wein

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