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Thomas Müller in seiner Vergolderei in Kelkheim.

Werkstatt

Goldenes Handwerk in Kelkheim

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Thomas Müller restauriert in seiner Werkstatt antike Bilderrahmen und er entwirft neue – für hochkarätige Kunstwerke ebenso wie für Kinderzeichnungen.

Thomas Müller hat sich alles zurechtgelegt: Hauchdünn ist das Blattgold, das er gleich auf den Holzrahmen „aufschießen“ wird, den er zuvor mit einer aus Knochenleim und Kreide hergestellten Grundierung bestrichen hat. Einen breiten Pinsel aus Eichhörnchenbande hat er dazu in die Hand genommen und damit kurz über seine Wange gestrichen. Der Pinsel lädt sich so elektrostatisch auf, das dünne Blattgold bleibt daran haften und Thomas Müller kann es vom ledernen Vergolderkissen aufnehmen und faltenfrei auf den Rahmen legen, wo es sich sofort den Konturen der Eckverzierung anpasst. Wenn die Goldschicht getrocknet ist, wird sie mit Achatstein poliert.

Dem 56-Jährigen, der in seiner Werkstatt eine blaue Arbeitsschürze über Jeans und kariertem Hemd trägt, geht die Arbeit leicht von der Hand. Seit drei Jahrzehnten arbeitet Thomas Müller als Vergolder. Das traditionelle Handwerk hat er in Hamburg gelernt. Dorthin zog es den gebürtigen Schwalbacher nach dem Abitur. Hamburg und München sind auch heute bundesweit die einzigen Städte, wo Vergolder eine Lehre machen können. Nur hoch im Norden und tief im Süden Deutschlands gibt es Berufsschulen, die die theoretischen Grundlagen der Vergolderei unterrichten.

„Ich wollte schon immer Bilder rahmen“, erzählt Thomas Müller. Doch welchen Beruf erlernt man dafür? „Im Grund hatte ich nur drei Möglichkeiten: Glaser, Buchbinder und eben Vergolder. Ich habe mich für das Vergolderhandwerk entschieden, weil ich immer schon Interesse am künstlerischen Arbeiten hatte, auch selbst zeichne“, sagt Müller

Seine Entscheidung hat er nie bereut. Ende der 1980er Jahre eröffnete er seinen Laden mitsamt Werkstatt in der Kelkheimer Bahnstraße. Auch wenn es nur noch wenige Schreinereien am Ort gibt, als Einrichtungsstadt sei Kelkheim immer noch weithin bekannt. „Viele Kunden kommen hierher, um etwas Besonderes zu finden, ein handgearbeitetes, authentisches Stück“, sagt Thomas Müller. Die von ihm selbst zusammengestellte Rahmenkollektion umfasst rund 1000 Stück, darunter sind nicht nur eigene Entwürfe sondern auch Repliken alter Rahmen. 500 antike Originalrahmen – von Renaissance, über Barock und Empire bis zum Jugendstil – hat er außerdem in seinem Lager. Sie stammen von Auktionen oder Antiquitätenhändlern und werden vom Vergolder nach den Wünschen der Kunden aufgearbeitet.

An der Wand im Verkaufsraum hängt Thomas Müllers Gesellenstück aus den 1980er Jahren: ein Spiegel im Barockrahmen. Aus vorgefertigten Profilen hat er den Rahmen damals geschnitten und verleimt, die Ornamente aufgesetzt und am Ende alles vergoldet. Gut 25 Stunden seien dafür nötig, erklärt Müller und fügt hinzu. „Das Teure an einem solchen Rahmen ist nicht das Material, sondern die Arbeit.“ In seinem Laden ist Thomas Müller Einzelkämpfer. Weil die Berufsschulen hunderte Kilometer entfernt sind, bildet er keine Lehrlinge aus. Hin und wieder kommen Praktikanten, die das Vergolderhandwerk kennenlernen möchten. Und er arbeitet mit Restauratoren zusammen, die ihn beraten, wenn Gemälde oder Grafiken beschädigt sind.

Aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet kommen Kunden zu ihm nach Kelkheim, um ein Bild ganz individuell rahmen zu lassen. Mehrere tausend Euro sind sie bereit, dafür auszugeben. Vom teuren Originalkunstwerk, über Kopien alter Meister bis zur Kinderzeichnung sei alles dabei, erzählt Müller. Sogar ein Eintracht-Trikot habe er schon mit einem handgefertigten Rahmen versehen.

In einem Raum, dem er neben seinem eigenen Geschäft angemietet hat, stellt er seit einiger Zeit Bilder und Skulpturen aus. Auch die Arbeiten seiner Frau Claudia Pense sind darunter. Kunden können dort sehen, welche Wirkung sich mit besonderen Rahmen erzielen lässt. Von Freitag, 29. März an ist die Heidelberger Galeristin Petra Kern in Thomas Müllers Vergolderei zu Gast. Bis 25. Mai zeigt sie Highlights aus ihrem Galerieprogramm.

Öffnungszeitensind Dienstag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr sowie nach persönlicher Vereinbarung, Internet

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