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Firma investiert 14,5 Millionen

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Mit Spaten und Grundstein (v. l.): Michael Cyriax, Thomas Bamberger, Dirk Hofmann, Christian Heine, Karl Rothenberger, Helmut Rothenberger, Jens Rasche, Albrecht Kündiger und Frank Paul. wein/Goldbeck
Mit Spaten und Grundstein (v. l.): Michael Cyriax, Thomas Bamberger, Dirk Hofmann, Christian Heine, Karl Rothenberger, Helmut Rothenberger, Jens Rasche, Albrecht Kündiger und Frank Paul. wein/Goldbeck © wein

Rothenberger baut Produktions- und Montagehalle sowie Automatik-Teilelager

Kelkheim - Ich kann mir nicht vorstellen, wie das mit dem Spatenstich so geht“, sagt Landrat Michael Cyriax. Frank Paul von der Baufirma Goldbeck fügt ebenso schmunzelnd an: „Ich freue mich, dass wir uns am Spatenstich versuchen dürfen.“ Denn das ist bei einem gefrorenen Erdhaufen, Minusgraden und eiskalten Händen nicht leicht. Doch gerade Bauexperte Paul schafft es ganz gut, ein bisschen Material zu bewegen. Die Arbeit sollen ja jetzt die Bagger und Baufahrzeuge tun, die im Hintergrund schön aufgereiht stehen. Ein Kanal wurde bereits im Sommer verlegt. Im September 2023 soll die neue Produktionshalle bezugsfertig sein.

Helmut Rothenberger, Aufsichtsrats-Chef des weltweit operierenden Konzerns für Rohrleitungswerkzeuge mit Hauptsitz in Kelkheim, gibt mit Gästen aus Politik und Wirtschaft den Startschuss für ein Großprojekt. Gebaut wird auf einer Grundfläche von rund 4400 Quadratmetern hinter den bestehenden Gebäuden eine neue Produktions- und Montagehalle für bis zu 50 neue Arbeitsplätze. Auch die Abteilung Forschung und Entwicklung und der Betriebsmittel-Bau werden hier ihren Platz finden. Vorgesehen ist außerdem ein Pausen- und Caféteriabereich, zudem dafür ein Außengelände, Gebäudebegrünung und Photovoltaik auf dem Dach. Insgesamt wird Rothenberger hier rund 7 Millionen Euro investieren. Hinzu kommen weitere 7,5 Millionen in ein neues Kleinteile-Lager in Münster (Text rechts), womit der Standort Kelkheim mit einer zweistelligen Millionensumme gestärkt wird. Dabei sei das so nicht absehbar gewesen, berichtete Rothenberger, dessen Bruder Karl und Tochter Sandra beim Spatenstich ebenfalls dabei sind. Denn der Name des Gebietes in Fischbach, „Hühnerberg“, habe ihm in Englisch mit „Chicken Hill“ erst einmal so gar nicht gefallen.

„Das damalige Erscheinungsbild war nicht sehr erhebend“, blickt Rothenberger auf die Reste einer Sanitärfirma zurück. Doch Bürgermeister Thomas Horn habe viel Überzeugungsarbeit geleistet, „mich regelmäßig bearbeitet“ - und so ist dort das TEC-Center entstanden. Hier könne Rothenberger seine Philosophie, Menschen über die Werkzeuge mit Energie in Wasser zu verbinden, noch intensiver umsetzen. Allerdings findet der Aufsichtsratschef beim Spatenstich auch sehr kritische Worte in Richtung Politik. Die Rahmenbedingungen würden meist „mehr ideologisch statt rational“ geschaffen. Er sorge sich um die „Wettbewerbsfähigkeit“ des Standorts Deutschland und Kelkheim speziell. So mancher Politiker mache auf ihnen einen fast „ahnungslosen“ Eindruck, „Investitionsanreize“ würden kaum gesetzt. „Eine Milliarde scheint die kleinste Recheneinheit des Bundes.“

DIE PLANUNG

Helmut Rothenberger ist beim Spatenstich ganz überrascht. Er kündigt für 2023 den Bau eines neuen Logistikzentrums am Firmenstandort in Münster an, wenn denn die Baugenehmigung vorliege. Es wird ihm zugeflüstert, dass dies bereits der Fall sei - und dann strahlt der Aufsichtsrats-Chef noch mehr.

Thomas Bamberger, Head of Global Operations und Geschäftsführer der Rothenberger Werkzeuge GmbH, berichtet auf Anfrage, dass an der Industriestraße im ersten Quartel ein vollautomatisches Kleinteile-Lager gebaut und im Herbst fertig werden soll. 27 000 Kisten aus Kunststoff sollen dann mit Hilfe von 24 Robotern ansteuerbar sein. „Das ist ein bisschen wie Tetris“, schmunzelt Bamberger.

Dafür soll der Parkplatz vor den bestehenden Gebäuden zum Teil überbaut werden. Von hier aus werden dann die Standorte in ganz Europa mit Teilen versorgt. Ins Gebäude investiert Rothenberger 3, in das hochtechnisierte Innenleben weitere 4,5 Millionen Euro. wein

Chef übt auch Kritik an Politik

Diese deutliche Kritik möchten die lokalen Politiker so nicht stehen lassen, formulieren es aber salomonisch. In einer „multiplen Krisenlage“, so Landrat Michael Cyriax, „eint uns, dass wir uns Sorgen machen um unseren Industriestandort“. Deshalb sei dieser Spatenstich wichtig als „Zeichen der Entwicklung und Zuversicht“. Cyriax freut sich über das Bekenntnis zu Kelkheim und dem MTK. Und er berichtet von einer Zusammenarbeit des Kreises mit der „Tools for Life“-Stiftung von Rothenberger, gemeinsam werde eine Schule in Afrika gebaut.

Bürgermeister Albrecht Kündiger hebt die neuen, „sehr qualifizierten“ Arbeitsplätze in der Stadt hervor und die gute Zusammenarbeit mit Thomas Bamberger, Head of Global Operations und Geschäftsführer der Rothenberger Werkzeuge GmbH, bei der Planung der neuen Halle. Zusammen seien ein Rekordtempo erreicht und vor allem die Anwohner eingebunden worden. So sei das Projekt „sehr verträglich in der Bevölkerung angekommen“. Kündiger relativiert Rothenbergers Politik-Kritik, räumt aber eine zu große Distanz zu Entscheidungsträgern ein. Hier wünsche er sich mehr „Miteinander“ und betont: „In Kelkheim funktioniert die Zusammenarbeit.“

Rund 100 Tonnen Stahl und gut 3000 Tonnen Beton werden am Ende verbaut sein, berichtet Bau-Chef Paul, Architekt Jens Rasche wiederum hebt das große Engagement der Familie Rothenberger hervor, was Vorstandsvorsitzender Christian Heine bestätigen kann. Rothenberger sei mit den Werkzeugen gerade auch für Wärmepumpen „Teil der Energiewende“. Im neuen Gebäude könne die Zahl der Ausbildungsplätze verdreifacht werden. Zudem werden dort bundesweit rund 34 000 Handwerkerfirmen für die neue Installationstechnik geschult. Die Holding wird in diesem Jahr mehr als 2 Milliarden Euro Umsatz und fast 6000 Beschäftigte haben.

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