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Film über die Freiherrn von Gagern

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Auch am Gagernhaus mit der Erinnerungstafel an die berühmten Bewohner drehten die Filmemacher Johannes Romeyke an der Kamera und sein Licht-Mann Tristan Vostry. weiner
Auch am Gagernhaus mit der Erinnerungstafel an die berühmten Bewohner drehten die Filmemacher Johannes Romeyke an der Kamera und sein Licht-Mann Tristan Vostry. weiner © wein

Die Demokraten-Familie wird mit professioneller Hilfe in den Fokus gerückt

Kelkheim - Johannes Romeyke zwängt sich mit der Kamera zwischen Gagern-Tafel und Mülleimer, um einen guten Blick auf die Nepomuk-Statue und die Brücke zum Gagernhaus zu erhalten. Währenddessen strahlt Tristan Vostry die Figur mit der Lampe in Bewegung an. So könnten sie "Steine sprechen lassen", ein sonst sehr standhaftes Denkmal etwas spannender präsentieren, sagt Filmemacher Romeyke, während sich Kelkheims Kulturamtsleiterin Beate Matuschek die Szene zufrieden anschaut. Schon ist der Fachmann mit seinem speziellen Kamera-Stabilisierungssystem, das geschmeidige Bewegungen ermöglicht, auf dem Weg zum Gagernhaus. Hier nimmt das Duo die Erinnerungstafel an die Familie von Gagern und deren Hofgut an der Eingangstür ins Visier.

Drei Tage lang ist die Möbelstadt zur Filmstadt geworden. Vor allem in Hornau sind die Kelkheimer auf das Duo von der Firma "Musealis" aus Weimar getroffen. Denn im Auftrag der Stadt drehen Romeyke und Vostry einen Film über die Familie von Gagern, ihr Wirken in Kelkheim und ihre Bedeutung für die Demokratie-Bewegung in Deutschland. Im Jahr 2023 jährt sich die erste Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche zum 175. Mal - die Gagern haben dabei eine bedeutende Rolle gespielt.

Kloster-Film als Mutmacher

Nicht zuletzt deshalb zählt Kelkheim zu den "Orten der Demokratiegeschichte". Deren Anlaufstelle ist in Weimar - und so ist der Kontakt von Beate Matuschek zu "Musealis" entstanden. Die Idee, einen Film über die berühmtesten "Kinder" der Stadt zu drehen, hatte sie spätestens nach dem Beitrag über die Entstehung des Klosters am Rettershof. Zudem passt ein Film prima ins Angebot der Stadt zum Paulskirchen-Jubiläum. Der Kelkheimer Torsten Weigelt hat unter dem Titel "Gagern - Pioniere der deutschen Demokratie" ein Buch über die Familie geschrieben, das zur Buchmesse präsentiert werden soll. Auch ein Konzert mit dem ehemaligen Kelkheimer Pianisten Christoph Soldan ist geplant.

Da ein Sponsor für den Film gefunden wurde, wurde der Auftrag an "Musealis" vergeben. Die Stadt wolle damit "Interesse wecken, historisch interessierte Menschen ansprechen", sagt Matuschek zwar. Doch laut Romeyke kann ein solcher Beitrag ein "Türöffner" für viele Menschen sein, um sie in diese Geschichte reinzuholen - auch für die Schulen. Das Thema sei interessant und wieder aktuell, sagt er zur Weltlage und fragt: "Wie beteiligt man die Menschen an der demokratischen Mitwirkung?" Der Film könne ein solcher Baustein sein.

Etwa 15 Minuten lang soll er werden, dann im Internet abrufbar sein, zudem über QR-Codes an den Schauplätzen der Freiherrn von Gagern in der Stadt. Davon gibt es einige, wie Romeyke und Vostry bei ihrem Einsatz in Kelkheim erlebt haben. Tag eins konzentrierte sich nach der Ankunft auf die Gagernhöhle, die Gagerngräber und die Kirche St. Martin in Hornau. Auch mit der Drohne wurde gefilmt. Danach waren sie bei Hans Grimm zu Besuch, der eine der bedeutendsten Sammlungen an Büchern und Schriften über die Familie besitzt. Zudem stand eine kleine Wanderung mit Ausrüstung auf den Großen Mannstein an, wo sich die Gagern-Brüder Treue schworen und eine Tafel daran erinnert. Und natürlich ist das ehemalige Gagern-Hofgut ein wichtiges Ziel. Der dritte Tag war Interviews mit Fachleuten zum Thema vorbehalten: Professor Frank Möller, der seine Habilitation über Heinrich von Gagern geschrieben hat. Dr. Helma Brunck, die über Clotilde Koch-Gontard referieren konnte - eine Freundin der Gagern, der auch die Paulskirchen-Aufzeichnungen zu verdanken sind -. Kelkheims Buch-Autor Weigelt war dabei und Professor Barbara Dölemeyer, Fachfrau zur Nationalversammlung, soll noch folgen.

Ein erstes Drehbuch hat Matuschek mit dem Kulturreferat verfasst. Die Filmleute haben es ergänzt, verfeinert, angepasst. Fotos, die Drohnenbilder, besondere Einstellungen, Perspektiven, Lichteffekte sollen die Geschichte der Gagern spannender und "unterhaltsamer" erzählen, "Überraschungsmomente" bieten, aber natürlich immer auf den Fakten basierend, betont Romeyke. Zwischendurch kommen die Experten zu Wort. Die Stadt habe mit der Familie von Gagern ein "Alleinstellungsmerkmal", betont Matuschek. "Wir fühlen uns der Geschichte verpflichtet. Wenn Schätze zu heben sind, dann tue ich das gerne." Der Film soll ein solches sichtbares Ergebnis der "Schatzsuche" werden. Auch die Macher sind beeindruckt, wie die Gagern-Historie gerade in Hornau präsentiert wird.

Geheimnisvoll wirkt diese Aufnahme einer Drohne von den Gagern-Gräbern. So etwas soll Lust auf den Film machen. musealis
Geheimnisvoll wirkt diese Aufnahme einer Drohne von den Gagern-Gräbern. So etwas soll Lust auf den Film machen. musealis © Musealis

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