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Die Mutter des Staufen-Riesen

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Zufriedene Jubilarin: Uta Franck liest auch immer mal wieder gerne in einem ihrer bekanntesten Bücher: „Sagenhafter Main-Taunus“ aus dem Societäts-Verlag. weiner
Zufriedene Jubilarin: Uta Franck liest auch immer mal wieder gerne in einem ihrer bekanntesten Bücher: „Sagenhafter Main-Taunus“ aus dem Societäts-Verlag. weiner © Weiner

Autorin Uta Franck ist auch am 80. Geburtstag voller Tatendrang

Kelkheim - Es ist wahr und es ist nicht wahr, vor langer Zeit wohnte auf dem Staufen ein mächtiger Riese, der das Gebiet rings um seinen Berg beherrschte. Sein Einfluss reichte weit über die Königsteiner, die Eppsteiner Burg hinaus.“ Eines Tages ergriff er Friederike, das schöne Fräulein von Falkenstein, und hielt sie am Berg gefangen. Keiner traute sich, sie zu retten - nur ein mutiger Ritter, der aber vom Riesen zu Stein gezaubert wurde. Deshalb heißt eine Staufen-Erhebung heute Mannstein. Friederike aber nutzte die Verwirrung zur Flucht.

E s ist eine typische Sage, die sich rund um Kelkheim rankt. Und es gibt viele mehr davon im Main-Taunus. Uta Franck hat sie für die Nachwelt festgehalten. 18 Bücher hat sie geschrieben, dabei einen Schwerpunkt auf die Märchen und Sagen gelegt. „Märchen sind das Erste, was ich selbst gelesen habe.“ Viel habe es nach dem Krieg nicht gegeben, ein Märchenbuch schon. Heute feiert Franck ihren 80. Geburtstag und kann sagen: „Märchen sind unglaublich vielseitig, sie enthalten alle Themen des Lebens.“ Der Weg sei hier die Lösung - auch für die Autorin, denn hier könne sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

E in schwere Zeit, eine „Lebenskrise“, wie sie offen sagt, war es vor knapp 40 Jahren, die Franck zum Schreiben brachte. Die ersten Gedichte entstanden, so wie jenes der mutigen Königin, die in ihr erstes Buch „In mir ist eine Königin“ mündeten. Franck hatte ihre Leidenschaft gefunden und begann, mit Mitte 40 Germanistik zu studieren. Vormittags arbeitete sie als Lehrerin. „Da gibt man ab vom eigenen Wissen.“ Beim Studieren habe sie einfach zuhören können. Ihren Beruf aber wollte sie nie missen, hatte Biologie und Geografie studiert, war mehr als 30 Jahre am Kelkheimer Privatgymnasium Dr. Richter beschäftigt. Sie sei eine Lehrerin gewesen, die Fleiß belohnte, betont die Jubilarin.

Bekannt wurde sie in Kelkheim aber vor allem als Autorin. Der Darmstädter Dichter Karl Krolow wurde ihr Mentor. Sie kannte seinen Namen, stand eines Tages einfach vor seiner Haustür und klingelte. Als „väterlicher Berater“ habe er sie stets bestärkt. „Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich wieder aufgehört“, sagt Franck heute.

KÖNIGIN (VON UTA FRANCK)

In mir ist eine Königin

sie schwebt über Schaumkronenwiesen dahin

auf dem Kopf eine funkelnde Krone

sie kippelt vergnügt auf dem Throne.

Das Haar ist lockig und wolkenweich

mit leichter Hand regiert sie ihr Reich

sie summt den ganzen Tag Lieder

es duften Jasmin und Flieder.

Die Königin sammelt sich um ein Heer

soll einer kommen sie stellt sich zur Wehr

Segelboote schwalbengleich fliegen

ich lass mich von keinem besiegen.

Viele ihrer Leser werden aufatmen, dass es nicht so gekommen ist. Als Höhepunkte ihrer Karriere sieht sie schon den Band „Kelkheimer Märchen und Sagen“ sowie das Werk „Sagenhafter Main-Taunus“, in dem sie im Kreis Geschichten sammelte und mit ihrer eigenen Note erzählte. Das jüngste Buch ist der Gedichtband „Lerne mich selbst nicht zu sehr auswendig“ aus 2020. Doch mit 80 wird es keine Zäsur geben: Ihr aktueller Roman hat den Arbeitstitel „Ritter Balubart in der heutigen Zeit“ und könnte 2023 erscheinen. Sie sei „voller Tatendrang“, habe die eine oder andere Idee und schon angefangene Manuskripte. „Das hält ja auch jung.“

Das wird die Kollegen freuen, denn Franck ist die Gründerin der Kelkheimer Autorengruppe, die seit 33 Jahren besteht. Die Leitung hat sie abgegeben an Volker Erdelen, doch sei das Team „lebendiger denn je“. Einmal in der Woche schreiben die Mitglieder spontane Geschichten zu einem eingeworfenen Thema und besprechen sie. Zudem hat sie mit Paul Pfeffer und Regina Berlinghoff lange das „Ost-West-Sofa“ präsentiert, auf dem Autoren aus den alten und den neuen Bundesländern Platz nehmen dürfen.

Heute feiert Franck mit ihren Mitstreitern der Autorengruppe auch den runden Geburtstag. Was sie sich wünscht? So gesund zu bleiben, „dass es mit dem Schreiben weitergeht“. Denn sie führe ein zufriedenes Leben mit ihrem Partner Peter Beuchelt, selbst Künstler und einer ihrer ersten Kritiker, sowie der Familie mit zwei Kindern und zwei Enkeln. Geboren ist sie in Meldorf in Holstein in einer Lehrerfamilie - ihr Vater, der noch vor ihrer Geburt im Krieg fiel, die Mutter und deren zweiter Mann, allesamt waren sie Pädagogen. Dass es auch schwere Jahre waren, schildert Franck in ihrer Autobiografie „Im Land zwischen den Meeren“.

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