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Baustelle sorgt für Umsatz-Minus

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Geschäftsleute in Sorge: Wolfgang Zengerling, Ralf Fischer, Manuela Siegmund, Sven Schultz, Martina und Alexandra Nadworniczek, Michael Schramen (v. l.) auf dem Parkplatz der Metzgerei. wein
Geschäftsleute in Sorge: Wolfgang Zengerling, Ralf Fischer, Manuela Siegmund, Sven Schultz, Martina und Alexandra Nadworniczek, Michael Schramen (v. l.) auf dem Parkplatz der Metzgerei. wein © Frank Weiner

Massive Probleme der Fischbacher Geschäftsleute wegen Ruppertshainer Sperrung

Kelkheim - Dienstagabend im Lokal „Schöne Aussicht“ im „Bergdorf“. Auch wenn viele Bürger hier gerne mal auf ein Bier oder Schnitzel hingehen, so war diesmal deutlich mehr los als sonst. „Rappelvoll“ sei es gewesen, berichtet Albrecht Kündiger am Morgen danach. Der Bürgermeister hatte für den Auflauf gesorgt, zu einer Sprechstunde vor allem wegen der Sperrung der Robert-Koch-Straße eingeladen. Die Verkehrsader durch den Ort wird derzeit saniert, eine Fahrt direkt nach Fischbach und dann weiter nach Kelkheim ist nicht möglich, die Umleitung über Königstein oder Eppstein lang. Insgesamt rechnet die Stadt mit einem halben Jahr Bauzeit im ersten Abschnitt, der Mitte September begonnen hat.

Auch wenn viele Bürger erleichtert seien, dass die Holperpiste durch den Ort endlich saniert wird, so hat Kündiger doch einigen Unmut mitbekommen. Bei der Bürgersprechstunde waren zum Beispiel viele Fischbacher Geschäftsleute präsent, die über erhebliche Umsatzeinbußen klagen, da die Kunden aus Ruppertshain, Eppenhain und auch Schloßborn nun weg bleiben. Beim Bürgertreffen sei vorgeschlagen worden, doch zwei Waldwege zwischen Ruppertshain und Fischbach für jeweils eine Richtung zu öffnen. Es seien jeden Tag Tausende Autos normalerweise dort unterwegs, die könne er nicht durch den Wald schicken, so Kündiger. Zudem würden das überörtliche Behörden wohl kaum genehmigen.

Dass die Feldwege nicht geöffnet werden können - das sehen die Fischbacher Geschäftsleute ein. Manuela Siegmund von der Metzgerei Rausch weiß von „extremen Umsatzeinbußen“ vieler von 30 bis 40 Prozent. Hier müsse die Stadt schon „Lösungen suchen, sonst stehen wir das nicht durch“. Es seien hier alles kleine Familienbetriebe, die durch Corona und die Energiekrise schon gebeutelt genug seien. Sie hat die Idee, dass die Stadt vielleicht Regiomaten für Ruppertshain und Eppenhain leasen kann, die dann von der Metzgerei oder dem Fischbacher Obst- & Gemüsemarkt befüllt werden können. Dessen Chef Michael Schramen sieht die kleine, feine und gewachsene Infrastruktur im Ort „in Gefahr“. Er könnte sich vorstellen, mit der Stadt Werbung zu initiieren, um vermehrt nun Kelkheimer nach Fischbach zu locken. Viele wüssten gar nicht, „was es hier so alles gibt“. Diese „Solidarität“, wie es Wolfgang Zengerling nennt, könnte wichtig sein. Er ist Eigentümer des Rewe-Marktes und weiß vom Filialleiter, dass es dort einige Einbußen gebe und der Chef über weniger Personal nachdenke.

Besonders hart trifft es die Tankstelle an der Eppsteiner Straße, Chefin Martina Nadworniczek beziffert das Minus auf um die 70 Prozent. Und sie fürchtet auch, dass ein Teil der abgewanderten Kunden nicht mehr zurückkommt. Beim Treffen mit dem Bürgermeister habe ihr Mann den Vorschlag gemacht, die Trupps auf der Baustelle deutlich zu verstärken sowie abends länger zu arbeiten. as könnte eine Variante sein, hoffen die Geschäftsleute unisono. Ralf Fischer vom Schuhhaus verweist auf das Problem, dass die Fischbacher Geschäftsleute hier abgeschnitten seien: Bahnübergang, Tempo 30 und bald auch zwei Blitzer aus Richtung Kelkheim, Baustelle und Durchfahrtsverbot in und von Ruppertshain aus. Schramen erhofft sich mit Werbeaktionen einen „Weckruf“. Sollten tatsächlich ein, zwei Läden pleite gehen, dann sei das für alle schlecht, weil einige Magnete fehlen.

Mit den Fischbacher Ladeninhabern soll es nun bereits morgen wieder ein Gespräch geben. Kündiger kann sich zum Beispiel den gewünschten Aktionstag für den Stadtteil gut vorstellen. Auch sei ja die Landstraße hoch nach Ruppertshain inzwischen fast fertig. Möglicherweise könnten dort am Ortseingang in Höhe der Werkstatt noch ein paar Parkplätze eingerichtet werden. ie Stadt versuche, dass die Arbeiten so schnell wie möglich laufen, aktuell sei das Material da und alles im Zeitplan. Beim Bürgertreff wurden auch Probleme mit dem Schulbus-Verkehr angesprochen. Die Wagen fahren oben am Zauberberg ab, müssen dann den Umweg nehmen. So seien die jungen Leute fast nie pünktlich im Unterricht, habe eine Mutter berichtet. Zudem seien die Busse überfüllt. Kündiger versprach, mit der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft zu reden. in Thema war auch, wie sich die Rupperthainer untereinander besser unterstützen können. Kündiger hat in Aussicht gestellt, einen Bus für Fahrten entweder hoch zu den Bushaltestellen und weiter zum Einkaufen zu organisieren. Die ersten drei interessierten ehrenamtlichen Fahrer hätten sich am Abend gemeldet. Zudem hat die Stadt „Mitfahrbänke“ eingerichtet. Der Bürgermeister kann sich vorstellen, eine Sprechstunden auch in Eppenhain anzubieten.

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