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Bachforelle statt Anemonenfisch

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Mit Anglerhose und Riesen-Kamera: Bernd Ehlers im Liederbach bei Hornau in Aktion. Ehlers
Mit Anglerhose und Riesen-Kamera: Bernd Ehlers im Liederbach bei Hornau in Aktion. Ehlers © Ehlers

Kelkheim Unterwasserfotograf Bernd Ehlers hat im heimischen Liederbach geforscht

Liederbach statt Weltmeere, Bachforelle statt Anemonenfisch, Brunnenmoos statt Koralle: Der Fischbacher Unterwasserfotograf Bernd Ehlers musste in den vergangenen zweieinhalb Pandemie-Jahren einige Abstriche machen. Normalerweise ist er in den entlegensten Winkeln der Ozeane unterwegs, bannt die bunte Welt der Tiefsee-Tiere und -Pflanzen in seine selbst gebauten Kameras. Doch weite Reisen meidet der 81-Jährige wegen Corona noch. Aber er sagt: "Ich brauche halt das Wasser."

"Ein bisschen Natur,

die man suchen muss"

Was lag da näher, als das Flüsschen vor seiner Haustür einmal genauer unter die Lupe zu nehmen? Der Liederbach rund um die "Rote Mühle" zwischen Hornau, Schneidhain und Bad Soden war sein Ziel bei mehreren Exkursionen. Zwar hat Ehlers geschaut, dass er in schwerer zugänglichen Bereichen forscht, doch so mancher Spaziergänger wird sich schon gewundert haben über den Mann mit der langen Anglerhose und der riesigen Kamera.

Fazit des Fachmanns: "Der Liederbach ist hier noch richtig ursprünglich. Ein bisschen Natur, das muss man mittlerweile suchen in Deutschland." Zumindest im Tal der "Roten Mühle" sei es "ein kleines Naturparadies". Ehlers ist durchaus überrascht über das Idyll am Rande des Ballungsraumes: "Hier lebt der Bach in seiner Ursprünglichkeit. Klares und kühles Wasser durchfließt die Landschaft." Der zum Teil kiesige Grund beherberge Flohkrebse. Diese nur etwa 15 Millimeter kleinen Tierchen hat Ehlers gestochen scharf auf seinen Bildern zu wahren Riesen gemacht. Die Krebse brauchen Sauerstoff und klares Wasser - ein Zeichen für Ehlers, dass der Liederbach hier gesund ist.

Vereinzelte Wasserpflanzen wie Brunnenmoos haben sich an größere Steine verankert. "Und die Überraschung: An beruhigten, breiten Stellen des Baches halten sich Fische auf. Ein ganzer Schwarm junger Forellen besiedelt versteckte Wasserbuchten", schildert Ehlers seine weitere tierische Begegnung, auf die er aber ein paar Tage warten musste.

Der Fischbacher Naturfreund weiß: Es gibt nicht mehr viele Stellen, an denen der Bach durch den Norden und Osten des Main-Taunus-Kreises noch diese Vielfalt aufweist. Denn schon in Kelkheim und dann Liederbach sei er bereits begradigt, fließe in einem festen Bett. Sollte das bei Hornau passieren, "dann ist Feierabend", fürchtet der Taucher und Unterwasserfotograf. Es gab immer mal wieder Überlegungen, in Richtung "Rote Mühle" ein allerdings naturnahes Regenrückhaltebecken für den Hochwasserschutz anzulegen. Welche Auswirkungen das auf die Tier- und Pflanzenwelt dann hätte, das möchte sich Ehlers lieber nicht ausmalen.

Seit 51 Jahren taucht er regelmäßig ab. Trainiert wird im Sommer im Freibad in Königstein, im Winter im Hallenbad in Eschborn, wo Ehlers jeweils seine Kameras im klaren Wasser testen kann. Weitere Informationen zur Unterwassergemeinschaft Ehlers im Internet unter http://www.uwage.com.de/.

Flohkrebse im Liederbach, etwa 15 Millimeter klein.
Flohkrebse im Liederbach, etwa 15 Millimeter klein. © ehlers
Das Brunnenmoos hat sich an den Steinen angeheftet.
Das Brunnenmoos hat sich an den Steinen angeheftet. © ehlers
Getupfte Schönheit bei Hornau: eine Bachforelle im recht klaren und sauberen Wasser.
Getupfte Schönheit bei Hornau: eine Bachforelle im recht klaren und sauberen Wasser. © ehlers

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