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Der Holzschnitt MEZ Mitteleutopäische Zeitvon Robert Michel ist aktuell im Museum der Stadt Kelkheim, Frankfurter Straße 21, zu sehen. 

Kelkheim

Avantgardisten im Taunus

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Eine Ausstellung zum Bauhaus-Jubiläum zeigt im Museum Kelkheim Werke von Robert Michel und Ella Bergmann.

Eigentlich waren Ella Bergmann und Robert Michel in Eppstein zu Hause. In der Schmelzmühle in Vockenhausen, wo Robert Michel aufgewachsen war, hatten sie ab 1920 ihr Atelier. „Heimatmuseum of Modern Art“ nannten sie es. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das alte Mühlengebäude zum Treffpunkt von Konstruktivisten und Dadaisten aus dem In- und Ausland. Mehrere Arbeiten von Bergmann und Michel fanden über die Frau eines Kurators, die aus Wiesbaden stammte, auch den Weg ins New Yorker Museum of Modern Art.

Dass das Museum Kelkheim dem Künstlerpaar jetzt eine Sonderausstellung mit 50 Exponaten widmet, ist mehreren Sammlern zu verdanken, die in der Stadt wohnen – allen voran Alfred Peter Keller. Er hat über 40 Kunstwerke zur Verfügung gestellt. Bei der Finissage am 1. Dezember wird Keller im Museum zu Gast sein und über das Leben von Ella Bergmann und Robert Michel erzählen. Mit beiden war er befreundet.

Kennengelernt hatten sich Robert Michel und die aus Paderborn stammende Ella Bergmann beim Studium an der sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in der Zeichenklasse von Walther Klemm. 1919 stellten sie bei der ersten Bauhaus-Ausstellung ihre avantgardistischen Collagen aus. Bauhaus-Gründer Walter Gropius hatte ihnen eine künstlerische Vorreiterrolle bescheinigt.

Kurz darauf verließ das Paar Weimar. Die Richtungskämpfe am Bauhaus erschienen ihnen zu dogmatisch. In ihrem Atelier im Taunus entwickelten Michel und Bergmann ihre Kunst eigenständig weiter.

Robert Michel, der im ersten Weltkrieg eine Ausbildung zum Piloten gemacht hatte, entwarf Bilder und Collagen voll technischer Raffinesse und mit vielfachen Anklängen an Konstruktivismus und Dadaismus. Ella Bergmann-Michels Tuschezeichnungen, Radierungen und Collagen sind zunächst expressionistisch geprägt, später surrealistisch und abstrakt. Mitte der 1920er Jahre begann sie mit dem Fotografieren. In ihrem Studio in Frankfurt entstanden auch Filmprojekte. Vier der dokumentarischen Schwarz-Weiß-Streifen sind jetzt in der Ausstellung in Kelkheim zu sehen.

Die Erklärungen zu den Bildern von Bergmann und Michel, die im Kelkheimer Stadtmuseum gezeigt werden, haben die Sammler geliefert. Die Anekdoten, die in keinem Kunstkatalog nachzulesen sind, lassen den Alltag und die Arbeit des Künstlerpaares im Taunus lebendig werden.

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