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Autohaus Seidler schließt nach 55 Jahren

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Geschäftsführerin Britta Schönfeld vor dem leeren Autohaus. weiner
Geschäftsführerin Britta Schönfeld vor dem leeren Autohaus. weiner © wein

Kelkheim Geschäftsführung berichtet von Problemen mit dem Mutterkonzern / Es sind kaum Jahreswagen verfügbar

Sie haben mit Ihrer Schaffenskraft aus kleinen Anfängen den Grundstock zu einem modernen mittelständigen Opel-Händlerbetrieb gelegt. Unsere Anerkennung für Ihre hohe persönliche Leistung verbinden wir mit unserem Dank für die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit über viele Jahre." Diese Zeilen hat ein Verkaufsleiter von Opel 1989 an Herbert Seidler senior geschrieben - zu dessen 50 Jahren Meisterbrief.

Jener hochrangige Manager war vergangenen Mittwoch auf der Beerdigung von Herbert Seidler junior, der im Alter von 85 Jahren vor wenigen Tagen gestorben war. Ein Zeichen für eine besondere Verbundenheit in der großen "Opel-Familie", findet auch Britta Schönfeld, Seidlers Tochter, des Gründers Enkelin und Geschäftsführerin des Opel-Autohauses Seidler an der Industriestraße in Münster.

Doch diese Zeiten der engen Kontakte seien auch vorbei, seit Opel vor fünf Jahren zunächst von PSA übernommen wurde, dies dann in der Stellantis-Gruppe aufging. Die Zusammenarbeit mit dem Konzern habe sich wenig positiv entwickelt, kritisiert Schönfeld. Immer neue Vorgaben und Auflagen kamen hinzu, Unterstützungen, Ansprechpartner, Hilfestellungen fehlten. Das ist ein Grund dafür, weshalb das Autohaus am 31. Dezember schließen wird. Nach dann 55 Jahren geht in Münster eine Ära zu Ende. Seidler war eines der ersten Unternehmen im neuen Münsterer Gewerbegebiet. Herbert Seidler senior hat es in Höchst als Lloyd-Werkstatt aufgebaut, dann an den Sohn übergeben.

Lösungen für alle neun Mitarbeiter

Britta Schönfeld, Bankfachwirtin, war 1999 hinzugekommen, als ihre jüngere Tochter in die Kita ging. 1964 geboren, habe sie die Gründung und die Zeit im Autohaus schon als Kind miterlebt. "Ich bin mit dem Opel Blitz auf die Welt gekommen." Deshalb sei das auch für sie ein "tiefgreifender Schritt", aber auch eine "Wunschentscheidung". Mit ihrem Vater, der noch lange im Betrieb aktiv war, habe sie das besprochen. "Er hat die Entscheidung mitgetragen." Natürlich habe er unter dem angekündigten Abschied "gelitten", aber ebenso unter der Entwicklung der Marke Opel im Stellantis-Konzern.

Für Schönfeld ist erst einmal wichtig, dass für die neun Mitarbeiter gesorgt ist. Zwei gehen fast nahtlos in den Ruhestand, ein Teil wird beim Autohaus Günther & Schmitt in Flörsheim und Kriftel unterkommen. Und für die anderen Kräfte gebe es ebenfalls Lösungen. Auch tritt sie Gerüchten deutlich entgegen, dem Betrieb gehe es finanziell schlecht. "Solange wir existieren, haben wir nie rote Zahlen geschrieben." Aber sie habe für die Zukunft einfach "keine gute Prognose und Perspektive" gesehen.

Die Unternehmerin wird mit dem Team bis zum Jahresende noch die Serviceaufträge in der Werkstatt erfüllen. Autos zum Verkauf gibt es schon keine mehr, die Halle ist leer - bis auf den alten Opel Rekord als Relikt an die Glanzzeiten des "Blitzes". Es seien 1995 mal 17 Prozent Marktanteil gewesen, heute lägen sie unter 6. "Es waren schöne Zeiten", fasst Schönfeld die Entwicklung im Autohaus zusammen, in dem auch ihre Mutter Ute tatkräftig mitwirkte.

Sohn und Vater 1960 in der Werkstatt, damals noch in Höchst. privat
Sohn und Vater 1960 in der Werkstatt, damals noch in Höchst. privat © privat
Er liebte die Marke Opel: der verstorbene Herbert Seidler jr. knapp
Er liebte die Marke Opel: der verstorbene Herbert Seidler jr. knapp © Knapp

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