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Ehemaliges Möbelhaus Rodeck in Kelkheim steht zum Verkauf

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Das Haus Rodeck im Zentrum im Jahr 1969.
Das Haus Rodeck im Zentrum im Jahr 1969. wein/Stadtarchiv © Stadtarchiv

Der Flohmarkt-Laden schließt. Damit steht das alte Möbelhaus Rodeck vor einer ungewissen Zukunft. Bürgermeister: „Soll kein zweites Rita Born geben.“

Kelkheim – Im Schaufenster sind noch alte Fotoapparate, der Klassiker einer Polaroid-Kamera, Vasen, Schallplatten und Spiele zu entdecken. Davor stehen ein paar Fahrräder und ein Rollstuhl. Heute ist diese Ware allerdings letztmals zu begutachten und zu verkaufen. Denn ein Geschäft mit Seltenheitswert in der Region wird nach dem 15. September schließen. Chefin Monica Holler gibt ihren Laden „XXL Piggy Bank“ im Zentrum an der Frankfurter Straße in Kelkheim auf. Damit steht auch das ehemalige Möbelhaus Rodeck, das hier zuvor fast 80 Jahre seine Heimat hatte und der Familie noch gehört, vor einer neuen, ungewissen Zukunft.

Was sich unter dem Namen der Laden-Kette, die noch Standorte in Rennerod, Bad Hersfeld und Diez hat, verbirgt? Es ist ein ständiger Flohmarkt hinter Schaufenstern. Kunden konnten hier Regale mieten und ihre Dinge von zu Hause verkaufen. Wird ein Geschäft abgeschlossen, gibt es noch eine Provision für den Betreiber von „Piggy Bank“, was übersetzt „Sparschwein“ heißt.

Altes Möbelhaus Rodeck in Kelkheim: Energiepreise zu hoch

Werner Müller hatte den Laden vor 13 Jahren hier in zentraler Lage eröffnet. Seine Frau Violetta Großbach war bis jetzt mit dabei. Die ehemalige Mitarbeiterin Monica Holler übernahm im Herbst 2019. Das Geschäft sei nicht schlecht gelaufen, es gebe viele Stammkunden, die nun das Aus sehr bedauerten, betonen die beiden Frauen. Doch Holler macht deutlich, dass zuletzt die Kosten davongelaufen seien. Gerade die gestiegenen Energiebeiträge seien ein Problem bei einem Ladenlokal von fast 800 Quadratmetern. So kann sich die Chefin durchaus noch vorstellen, den Flohmarkt unter dem Dach irgendwo anders in kleineren Räumen fortzuführen. Doch in Kelkheim seien diese derzeit nicht zu finden. Dabei passe das Konzept in die Zeit. „Bei der Nachhaltigkeit waren wir auf dem ersten Platz“, findet Holler. Verkauft werden durfte „alles, was gesetzlich erlaubt ist“. Auch verschlossene und haltbare Lebensmittel. So manche Familie sei auch nach einer Haushaltsauflösung durch einen Todesfall zu ihr gekommen.

Der Basar-Laden schließt.
Der Basar-Laden schließt. © wein

Ehemaliges Möbelhaus Rodeck bestand in Kelkheim fast 80 Jahre

Doch was wird nun aus dem alten Haus Rodeck? Ein Familienmitglied, das nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet von einem geplanten Verkauf des Gebäudes. Bisher gibt es dort Wohnungen und „Piggy Bank“ im Erdgeschoss. Auch Bürgermeister Albrecht Kündiger weiß von den Verkaufsplänen. Er sei in Gesprächen mit den Eigentümern. Noch sei nicht klar, in welche Richtung es gehen könnte. Aber der Stadt sei sehr daran gelegen, dass in dieser zentralen Lage eine vernünftige Nutzung folgt. „Wir sind uns einig, dass es kein zweites Rita Born geben soll“, sagt Kündiger mit Blick auf das ehemalige Kaufhaus an der Hornauer Straße, dessen Zustand derzeit keinen Vorzeigecharakter hat. Das Quartier an der Frankfurter Straße verändert sich ohnehin - fast im Hinterhof von Rodeck baut die Volksbank nebenan ein großes Haus mit 38 Mietwohnungen. Zu hören war, dass es Überlegungen gab, beide Flächen einzubeziehen. Doch diese Pläne sind nun durch.

Möbelhaus Rodeck in Kelkheim 2005 geschlossen

Im Oktober 2005 war an der Frankfurter Straße mit der Schließung des Traditionshauses Rodeck eine Ära beendet worden. In drei Generationen wurden hier vor allem Stilmöbel verkauft. Die Geschichte begann 1925, als Wilhelm Rodeck nach der Rückkehr aus der Wanderschaft in Italien in Kelkheim einen Polsterer-, Sattler-, Tapezierer- und Dekorationsbetrieb an der Hochstraße gründete. Ehefrau Klara übernahm die Beratung der Neukunden, wie diese Zeitung zum 75-jährigen Bestehen berichtete. Nach dem Krieg, wo fünf Jahre geschlossen war, traten auch die beiden Söhne Wolfram und Peter ins Unternehmen ein. Zwischen 1953 und 1956 entstand ein neues, größeres Domizil am heutigen Standort an der Frankfurter Straße 38. Dort wurden seit dem Umbau 1971 auf 1200 Quadratmetern hochwertige Stilmöbel, Teppiche und ausgesuchte kunstgewerbliche Stücke präsentiert. 2002 wurde ein Bettenstudio eröffnet, das alles für den „gesunden und luxuriösen Schlaf“ bot.

„Vor fünf Jahren haben wir mehr an Japaner verkauft als an Kelkheimer“, erzählte Seniorchefin Dorothea Rodeck damals zum Jubiläum und war froh, dass die dritte Generation im Betrieb eingestiegen war. Auf der bekannten Burg Katz am Rhein hatten die Rodecks 1991 den Südflügel ausgestattet. Den Erfolg führte Rodeck damals zurück auf eine gelungene Mischung aus „Qualität, gutem Service und Geschmack“. Die Polsterei wurde 1996 ausgelagert, doch das Herz der Firma blieb in Kelkheim. Bis die Familie vor etwa 17 Jahren entschied, den Betrieb aufgeben zu wollen. (red)

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