Flörsheim

Deponieerweiterung in Flörsheim geplant

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Die Planungen zur Deponieerweiterung in Flörsheim sollen im Herbst vorgestellt werden.

Wenn Ingenieure die Pläne zur Erweiterung der Rhein-Main-Deponie (RMD) in Flörsheim-Wicker vorlegen, sollen auch die Bürger mitreden. Das kündigte RMD-Geschäftsführer Heino von Winning an. Die Präsentation sei für Oktober geplant. „Wir wollen etwaige Bedenken und Kommentare von Anwohnern aufnehmen, noch bevor überhaupt ein Genehmigungsantrag für das Ausbauprojekt gestellt wird.“

Von Winning reagierte mit dieser Ankündigung auf die Kritik der Flörsheimer SPD an der Deponieerweiterung. Die Sozialdemokraten hatten sich bereits in der Kreistagssitzung Ende Juni gegen die Planungen gestellt. Diese sähen vor, „eine Deponie auf der Deponie zu errichten“. Dafür solle die Hälfte der vorhandenen Fläche, rund 40 Hektar, genutzt werden, um bis zu sechs Millionen Tonnen über einen Zeitraum von 20 Jahren abzulagern. Die Deponie würde um 18 Meter wachsen, befürchtet die Flörsheimer SPD-Stadtverordnete Katharina Adam und verweist auf einen Beschluss aller Fraktionen im Main-Taunus-Kreis und in den Anliegerkommunen Flörsheim und Hochheim aus dem Jahr 2005. Damals hatten die Politiker entschieden, die Deponie stillzulegen. Im Zuge der Rekultivierung sollten Flächen für den Landschafts- und Naturschutz geschaffen werden. Mit der jetzt angekündigten „Rückkehr zum Kerngeschäft“ werde diese Zielsetzung aufgekündigt, ein international anerkanntes Vorzeigeprojekt für Recycling und Energietechnologie zerstört, so Adam. „Das ist weder ökologisch noch ökonomisch zu vertreten.“

Zur RMD-Gruppe gehören neben der Rhein-Main-Deponie die Main-Taunus-Recycling GmbH und die Rhein-Main-Deponienachsorge GmbH. Sie betreiben die Deponien und deren Nachsorgen in Flörsheim-Wicker (Main-Taunus) und Brandholz (Hochtaunus). Zudem wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen.

Gesellschafter des Müllkonzerns sind der Main-Taunus- und der Hochtaunuskreis.  

Es sei keineswegs daran gedacht, die Geschäftsfelder der RMD in Zukunft grundlegend zu ändern, konterte Heino von Winning. „Wir wollen auch nicht zurück zur Müllkippe.“ Vielmehr solle der vom ehemaligen Deponie-Geschäftsführer und Flörsheimer SPD-Vorsitzenden Gerd Mehler aufgebaute innovative Standort mit nachhaltiger Stromerzeugung durch die Deponieerweiterung langfristig gesichert werden. Laut von Winning haben andernfalls weder das Bodenbehandlungszentrum in Wicker noch die Schlackeaufbereitung eine Zukunft. Sie müssten im kommenden Jahr geschlossen werden. Mittelfristig ebenfalls aufgegeben werden müsste die Bioabfall-Behandlung. Damit wäre auch die RMD als größter Produzent von „grünem Strom“ im Main-Taunus-Kreis gefährdet, sagte von Winning.

Die Erweiterung der Rhein-Main-Deponie in Wicker ist Teil des Sanierungskonzeptes für den gemeinsamen Müllkonzern von Main-Taunus- und Hochtaunuskreis. Die Landkreise als Gesellschafter verpflichten sich darin unter anderem, bis Ende 2027 jeweils 30,87 Millionen Euro für die Sanierung zu zahlen. Hinzu kommt eine Bürgschaft von je 2,2 Millionen Euro, um ein Betriebsmitteldarlehen der Taunus-Sparkasse an die RMD abzusichern.

Die finanzielle Schieflage der Deponiegesellschaft war Ende 2017 bekanntgeworden. Niedrigzinsen bei den für die Deponienachsorge gebildeten Rücklagen sowie eine längere Nachsorgepflicht bis 2075 und Erlösrückgänge beim Verfüllen der Deponien in Wicker und Brandholz (Hochtaunuskreis) wurden als Gründe genannt.

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