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Polizist Abdellah Amrouch klärt Asybewerber auf.
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Polizist Abdellah Amrouch klärt Asybewerber auf.

Eschborn

Keine Angst vor der Polizei

  • Kerstin Klamroth
    VonKerstin Klamroth
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Beamte erklären Flüchtlingen den Rechtsstaat. Unter anderem streichen sie heraus, dass die Polizei in Deutschland nicht zum Militär gehört.

Es sind Selbstverständlichkeiten, die Oberkommissar Christian Schneider aufzählt: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, auch die Polizei muss sich an Gesetze halten und alle gleich behandeln.“ Doch selbstverständlich klingt das nur für Europäer, die in einem Rechtsstaat leben. Die dreißig Asylbewerber, Männer und Frauen, die zu der Infoveranstaltung der Polizei Westhessen kamen, haben in ihren Ländern und auf der Flucht ganz andere Erfahrungen gemacht.

Hinad Akoup aus Syrien hat in seinem Heimatland die Polizisten nicht gerade als Freunde und Helfer erlebt: Sie hielten sich nicht an Regeln, seien unfreundlich und wenig hilfsbereit, erzählt er. „Es ist ganz wichtig, zu erklären, dass in Deutschland die Polizei nicht zum Militär gehört“, stellt Schneider heraus und versichert den Flüchtlingen, dass sie hier keine Angst vor den Beamten haben müssen. Polizeikontrollen seien in Deutschland nichts Außergewöhnliches: „Bleiben Sie ruhig und folgen Sie den Anweisungen der Polizei!“ Mona Ibrahim Mahmoud, ehrenamtliche Asylbetreuerin, und Samir Khalaf, dessen Mutter aus Jordanien stammt, übersetzten dies in die arabische Sprache.

Diesen Service musste Abdellah Amrouch gar nicht in Anspruch nehmen. Der Migrationsbeauftragte der Polizei Westhessen stammt aus Marokko, studierte in Deutschland Chemie und spricht Arabisch, Französisch und Berberisch. Energisch redete er den Flüchtlingen ins Gewissen: „Deutschland gibt euch etwas, aber ihr müsst auch dem Land etwas zurückgeben!“ Vor allem versuchte Amrouch, Anspruchsdenken schon im Keim zu ersticken: „Ihr müsst selbst etwas tun und nicht nur darauf warten, dass euch etwas angeboten wird.“

So könne man beispielsweise auch im Internet Deutsch lernen oder sich ein Buch besorgen, wenn es mit dem Deutschkurs noch nicht geklappt habe. Andere Religionen sollte man respektieren, die Gleichberechtigung der Frauen akzeptieren und die Kinder nicht schlagen: „Die erzählen es dann am Montag im Kindergarten und das Jugendamt wird informiert. Freiheit ist nicht einfach“, fasste Amrouch am Ende zusammen, „sie endet dort, wo man andere in ihrer Freiheit einschränkt.“

Die Flüchtlinge, die in den Unterkünften in der Limesstraße und in der Pension Schaller wohnen, bedankten sich artig für die Aufklärung. Dass sie sich derzeit aber mit ganz konkreten Problemen befassen müssen, wurde bei der anschließenden Fragestunde deutlich: Ghaith Srour aus Eritrea wartet seit drei Jahren auf einen Deutschkurs, Majed Drwsch aus Syrien sucht dringend eine Wohnung und eine Familie kann nicht verstehen, dass die Kinder keine Busfahrkarte bekommen, weil die Schule nicht mehr als drei Kilometer von ihrem Wohnort entfernt liegt. Freiheit braucht eben auch Chancengleichheit.

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