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Detlef Glenz ist Jugendleiter beim Schützenverein Kriftel. Er trainiert zurzeit 20 Jugendliche.
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Detlef Glenz ist Jugendleiter beim Schützenverein Kriftel. Er trainiert zurzeit 20 Jugendliche.

Jugendleiter im Schützenverein

"Kein Platz für Rambos"

Detlef Glenz ist Jugendleiter beim Schützenverein Kriftel. Er trainiert zurzeit 20 Jugendliche. Mit der FR spricht er über Leistungssport, Disziplin und Amokläufe.

Herr Glenz, der Krifteler Schützenverein lädt am Wochenende zum Ostereierschießen ein. Schon Grundschüler dürfen eine Waffe in die Hand nehmen. Kann man eine solche Veranstaltung nach dem Amoklauf von Winnenden ernsthaft anbieten?

Ich sehe da überhaupt kein Problem. Wir bilden im Schützenverein keine Amokläufer aus, sondern betreiben reinen Leistungssport. Unsere Waffen sind Sportgeräte, die haben mit der Pistole eines Polizisten so viel zu tun wie ein Golf mit einem Formel-1-Auto. Im Übrigen wird beim Ostereierschießen mit dem Lichtgewehr geschossen. Und wir zielen nicht auf die Eier, sondern auf Scheiben. Die Ostereier gibt es als Gewinn.

Trotzdem könnte man unterstellen, dass der eine oder andere Jugendliche bei einer solch "harmlosen" Veranstaltung die Faszination fürs Schießen entdeckt...

Mag sein. Doch wenn er hinterher zum Training in den Verein kommt, wird er bald merken, dass es harte Arbeit ist, gut zu schießen. Schützen sind Perfektionisten. Man braucht Disziplin, Ruhe und Ausdauer, um erfolgreich zu sein. Wer nur aufs Rumballern aus ist, der stellt sich nicht eine Stunde lang regungslos an den Schießstand, um auf eine Scheibe zu zielen. So einer ist bald wieder weg.

Und wenn doch nicht?

Man weiß natürlich nie, was in einem drinsteckt, aber als Jugendleiter kenne ich meine Schützen. Ich kann vielleicht nicht sagen, ob einer später Olympiasieger wird, aber ich trau mir zu, dass ich erkenne, ob es ein Jugendlicher mit dem Sport erst meint. Wenn einer ankommt und Rambo spielen will, sortiere ich ihn ganz schnell aus.

Welche Waffen bekommen Jugendliche in die Hand?

Wir trainieren hier in Kriftel generell nur die olympischen Disziplinen Luftpistole, Freie Pistole, Schnellfeuerpistole und Sportpistole. Die Gewehrschützen schießen außerdem mit Luft- und Kleinkalibergewehr. Großkalibrige Waffen haben wir nicht. Jugendliche unter 18 bekommen grundsätzlich keine Waffen nach Hause mit. Wenn Wettkämpfe stattfinden, müssen die Eltern mitkommen und unterschreiben, dass sie die Waffe übernommen haben.

Schrecken Eltern nicht mittlerweile davor zurück, ihre Kindern in den Schützenverein zu schicken?

Nach dem Amoklauf von Erfurt - da gab es einen Knick und große Ressentiments. Aber seit Winnenden merken wir keine Veränderung. Erst in der letzten Woche hat eine Mutter ihren zwölfjährigen Sohn zum Training angemeldet. Sicherheit hat bei uns oberste Priorität, das lernt jeder, der neu dazukommt. Wer diese Regel missachtet, macht zehn Liegestütze. Das wirkt.

Wer häufig Ballerspiele im Computer spielt, heißt es, hat hinterher weniger Hemmungen auf Menschen zu zielen. Könnte es so einen Zusammenhang auch für Sportschützen geben?

Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Wir zielen im Training immer nur auf Scheiben. Das ist ein riesengroßer Unterschied. Ein Sportschütze weiß, Realität und Fiktion klar zu unterscheiden. Ich bin ein strikter Gegner von Paint Ball. Dabei wird zwar niemand verletzt, aber man übt sozusagen, Menschen zu erschießen. Wenn mir damit hier einer ankommt, kann er gleich wieder gehen.

Interview: Andrea Rost

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