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104 Menschen leben in Wohnungen der Wohnhilfe.
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104 Menschen leben in Wohnungen der Wohnhilfe.

Main-Taunus

Kein Platz für Arme

Sozialwohnungen fehlen überall. Die Wohnhilfe fordert: Kommunen müssen handeln.

Von Jöran Harders

Für Marcus Krüger ist die Wohnungsnot die derzeit dringendste soziale Frage. „Dass Menschen, die Schwierigkeiten haben, eine Wohnung zu finden, sich an uns wenden, ist für die Ökumenische Wohnhilfe im Taunus seit fast 25 Jahren Alltag“, sagt der Geschäftsführer des Vereins. Doch mittlerweile habe sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt im Main-Taunus-Kreis dermaßen verschärft, dass viele Geringverdiener oder Sozialhilfeempfänger kaum noch eine realistische Chance hätten, eine für sie bezahlbare Bleibe zu finden. Auch für Flüchtlinge und Zuwanderer gebe es so gut wie überhaupt keinen Wohnraum.

Hilfe nicht immer möglich

So kommt es, dass das Büro der Wohnhilfe während der Sprechstunden immer voll ist. Und nicht allen, die sich in zum Teil dramatischen Situationen an die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins wenden, kann auch tatsächlich geholfen werden. Krüger berichtet etwa von einem Flüchtling aus Pakistan, der seit drei Jahren in Eschborn lebt und arbeitet. Seitdem er seine Frau und seine vier Kinder nach Deutschland holen konnte, leben alle zusammen in seiner Ein-Zimmer-Wohnung. Außerdem droht der Familie die Obdachlosigkeit, weil das Haus, in dem sich die Wohnung befindet, abgerissen werden soll.

Fast unmöglich gestaltet sich die Anmietung einer passenden Wohnung im Main-Taunus-Kreis für alleinstehende Bezieher von Sozialleistungen. „Das Sozialamt übernimmt die Mietkosten nur bis zu einer Höhe von 7,50 Euro oder 8 Euro pro Quadratmeter – je nach Größe der Wohnung“, stellt Krüger fest. Doch gerade kleine Wohnungen würden auf dem privaten Wohnungsmarkt zu diesem Preis normalerweise nicht angeboten. Aus Sicht der Vermieter sei dies verständlich. „Wer eine Wohnung als Kapitalanlage gekauft hat, möchte damit auch einen Gewinn machen“, so Krüger. Der Vorsitzende der Ökumenischen Wohnhilfe, Günter Adam, sieht daher die Kommunen in der Pflicht: „Anstatt ihren Wohnungsbestand zu privatisieren, müssten Städte und Gemeinden in den sozialen Wohnungsbau investieren.“ Und auch die Kirchen sollten ihr Geld mehr als bisher in diesem Sektor anlegen, und so ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung nachkommen – auch wenn das weniger ertragreich sei als der private Immobilienmarkt.

Besonders prekär ist die Situation laut Günter Adam in Städten, die ihren gesamten Bestand an Sozialwohnungen verkauft haben. „Andere Städte wie Hattersheim, Hofheim oder Flörsheim haben den sozialen Wohnungsbau weiterbetrieben und dadurch jetzt auch weniger Probleme, Asyberechtigte unterzubringen.“ Denn fast überall seien die Flüchtlingsunterkünfte voll von Zuwanderern, deren Asylanträge längst anerkannt sind. Weil sie keine anderen Wohnungen finden, bleiben sie länger als vorgesehen in den Unterkünften, so dass dort dringend benötigte Zimmer für neue Asylbewerber fehlen. Rund ein Viertel der Bewohner der Übergangsunterkünften sind laut Adam anerkannte Flüchtlinge.

„Es ist nicht abzusehen, dass der Flüchtlingsstrom in absehbarer Zeit abreißen wird. Die Lage wird sich also nicht von selbst entspannen“, mahnt der Wohnhilfe-Vorsitzende. Marcus Krüger und Günter Adam bemängeln aber nicht nur die fehlende Bereitschaft vieler Kommunen, selbst preisgünstigen Wohnraum zu schaffen. Sie kritisieren auch bürokratische Hürden, die es den Wohnungssuchenden, aber auch der Wohnhilfe zusätzlich schwer machen. So würden Umzugskosten von Sozialhilfeempfängern und Flüchtlingen vom Sozialamt nicht übernommen. Und für den Verein sei es wegen der Bürokratie äußerst aufwendig, öffentliche Fördergelder oder Darlehen zu erhalten, mit denen der eigene Immobilienbestand der Wohnhilfe vergrößert werden könnte.

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