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Kein Geschäft zu machen

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Der Eddersheimer Einzelhändler Wolfgang Reuter in seinem Geschäft.
Der Eddersheimer Einzelhändler Wolfgang Reuter in seinem Geschäft. © FR/Storch

Den beiden Eddersheimer Einzelhändlern fehlen die Kunden. Der eine gibt jetzt frustriert auf, der andere will aber noch einmal durchstarten. Von Gesa Fritz

Von Gesa Fritz

Frank Simon macht so nicht weiter. Zum Ende des Jahres hat er den Mietvertrag für "Das kleine Lädchen" gekündigt, die ersten Bewerbungen um einen neuen Job hat er auch schon verschickt. Seit Anfang des Jahres betreibt der 41-Jährige einen kioskgroßen Lebensmittelhandel direkt neben der Kirche, im Herzen Eddersheims.

In dem Laden drängen sich auf 15 Quadratmetern Marmelade, Hundefutter, Mehl, Damenbinden und Bananen, Brot- und Kühltheke. In Eddersheim gibt es keine großen Supermärkte mehr. Vor etwa fünf Jahren schloss der letzte große Einzelhändler seine Tore. Seitdem sind "Das kleine Lädchen" und der "Reuter" die einzigen Lebensmittelhändler in dem 5000-Einwohner-Ort.

Im Lädchen kostet die Butter 1,29 Euro und ein Pfund Kaffee 4,29 Euro. Simon ist nicht an eine der großen Lebensmittelketten angeschlossen, er muss seine Vorräte selbst in Lebensmittelläden erwerben. "Hier standen auch schon Kunden mit Aldi-Prospekten in der Hand und haben verglichen", sagt Simon und klingt dabei verbittert. Mit den Großen könne er einfach nicht konkurrieren. Auch nicht, was die Auswahl betrifft. Es gibt eben nur eine Sorte Sekt zu kaufen und Pfirsiche sind auch nicht im Angebot, weil sie zu schnell verderben.

Sie kaufen nur drei Brötchen

Kunden hat Simon viele. Am Vormittag geht fast ständig die Tür - die meisten verlassen das Lädchen aber nur mit ein paar Brötchen oder einer Zeitung. Ein Rentner, der sich für knapp 20 Euro mit Lebensmitteln eindeckt, bildet die Ausnahme. Davon kann Simon nicht leben. Seit Anfang des Jahres habe sich der Umsatz etwa halbiert. Wenn seine Einnahmen steigen würden, sagt er, dann bliebe er gerne. "Aber so rechnet es sich einfach nicht."

Da sind die Rahmenbedingungen für Wolfgang Reuter deutlich günstiger. Der gebürtige Eddersheimer betreibt einen 200 Quadratmeter großen Supermarkt in dem Hattersheimer Stadtteil. Hier ist mehr Platz für Ware und Reuter muss keine Miete bezahlen - das Gebäude gehört der Familie. Auch sein Vater und sein Opa waren schon Lebensmittelhändler in Eddersheim.

Dennoch blieben in der Vergangenheit immer mehr Kunden dem Supermarkt fern. In den Regalen regierte die Mangelwirtschaft. Man musste Glück haben, um das verbliebene Paket Zucker oder den letzten Becher Sahne zu ergattern. "Das ist meine Schuld", sagt Reuter. Er habe viel Geld und Zeit in familiäre Probleme investiert und dabei das Geschäft vernachlässigt.

Das will er jetzt ändern. Seit einem viertel Jahr gibt es in dem Laden wieder eine Frischetheke für Wurst und Käse. Und auch die Regale sollen nach und nach aufgefüllt werden, sagt der 50-Jährige.

Doch noch versuchen zwei einsame Packungen Spaghetti sich so gut als möglich im Regal breit zu machen. Und bei den Süßigkeiten gähnen leere Kartons, die einmal mit Gummibärchen bestückt waren, die Einkäufer an. Aber bis Ende des Jahres will der Einzelhändler wieder durchgängig volle Regale präsentieren. Und Reuter liefert auch kostenlos nach Hause.

Die Eddersheimer scheinen die Bemühungen zu honorieren. In den vergangenen Wochen haben laut Reuter etwa 40 Prozent mehr Kunden den Weg in seinen Laden gefunden. Doch die Kunden bleiben noch ein kleiner Kreis, fast alle kann Reuter mit Namen begrüßen. Es sind nur knapp 150 Personen, die unter der Woche im Schnitt zehn Euro in seinem Laden lassen. Zu wenig um von einem guten Geschäft zu sprechen. Aber Reuter hat einen langen Atem. Vielleicht auch, weil er keine Alternative hat.

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