Hattersheim

„Kein einziger Austritt“

AWO-Mitglieder reagieren auf den Skandal in Frankfurt und Wiesbaden.

Der Schaden für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) wegen der Skandale in Frankfurt und Wiesbaden ist immens. Den Ärger bekommen oft die kleinen Ortsverbände ab.

Erst vor wenigen Tagen klagte Klemens Mielke, Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Nied, darüber, „dass uns die Mitglieder fortlaufen. Die Leute sind sauer, erschüttert und hilflos.“

Der Main-Taunus-Kreis liegt direkt zwischen den betroffenen Verbänden Frankfurt und Wiesbaden. 150 Mitglieder gehören dem hiesigen Awo-Kreisverband an, der seinen Sitz in Hattersheim hat, 80 Mitarbeiter arbeiten in verschiedenen Einrichtungen- unter anderem zwei Kindertagesstätten, einer stationären Jugendhilfeeinrichtung und einer Sozialstation. Es sind erstaunliche Reaktionen, die Gerhard Mantel, stellvertretender Geschäftsführer des Awo-Kreisverbands Main-Taunus und Vorsitzender der Ortsvereins Kriftel-Hofheim-Eppstein, im Gespräch beschreibt.

„Bei uns passiert im Moment genau das Gegenteil dessen, was über andere Ortsverbände berichtet wird. Kein einziges Mitglied ist ausgetreten. Wir konnten in den vergangenen Tagen drei neue Eintritte verzeichnen.“

Zur großen Weihnachtsfeier, die der Kreisverband am vergangenen Wochenende ausrichtete, seien 120 von 150 Mitgliedern gekommen. „Selbstverständlich waren die Medienberichte um die Machenschaften in Frankfurt und Wiesbaden Gesprächsthema an diesem Nachmittag. Aber nur insofern, dass die Mitglieder uns in unserer Arbeit bestärkt haben“, sagt Gerhard Mantel.

Die Zustände im eigenen Verband beschreibt er als bescheiden. „Das Gehalt unserer Geschäftsführerin ist jederzeit einsehbar und bekannt. Ihr Dienstwagen ist ein VW der untersten Klasse“, sagt Mantel.

Das Gehalt aller Beschäftigten inklusive der Geschäftsführung entspräche der Einstufung in den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Außertarifliche Zuschüsse oder übertarifliche Bezahlungen gebe es nicht.

Laut Mantel gab es trotz der räumlichen Nähe „zu keiner Zeit Berührungspunkte zwischen dem hiesigen AWO-Verband und jenen in Frankfurt und Wiesbaden“. Die dortigen Vorgänge müssten lückenlos aufgeklärt werden.

Von Christine Sieberhagen

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